Der globale Klimaschutz hat noch einen Puls

16. Dezember 2018, 16:37

Am Wochenende konnten sich knapp 200 Länder auf das Regelwerk zur Umsetzung der Pariser Klimaziele einigen. Die Beschlüsse reichen jedoch nicht aus, um die Klimakrise zu bekämpfen, lautet die Kritik

"Brasilien", wurde Samstagabend auf die Frage geraunt, warum das Ende der 24. Klimakonferenz im polnischen Kattowitz immer weiter nach hinten verschoben wurde. Das südamerikanische Land hatte bis zuletzt an mehreren Stellen blockiert. Vor allem die Regeln zum Emissionshandel sollten aufgeweicht werden. Diese waren zwar nicht einmal Inhalt des Abschlusspapiers, werden es aber wohl bei der kommenden Klimakonferenz sein, die in etwa einem Jahr in Chile stattfinden soll. Mit einem Tag Verspätung konnten die Unterhändler schließlich gegen halb zehn Uhr abends den Beschluss des gut 130 Seiten starken Regelbuchs zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens feiern.

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"Letzte Nacht war eine lange Nacht, sie hat sich sogar über den Tag hingezogen", scherzte der polnische Konferenzvorsitzende Michal Kurtyka, als er die abschließende Plenarsitzung endlich eröffnete. Aus Verhandlungskreisen wurde ihm eine zielgerichtete Führung bescheinigt. "Es stand bis zur entscheidenden Abstimmung tatsächlich auf der Kippe, ob es überhaupt einen gemeinsamen Beschluss geben wird", sagte Umweltministerin Elisabeth Köstinger, die gemeinsam mit EU-Kommissar Miguel Arias Cañete EU-Verhandlungsführerin war.

Kritik von Umweltschützern

Drei Jahre lang war an der "Bedingungsanleitung" zum Klimaschutz gearbeitet worden. Doch am fertigen Werk wurde noch am Samstag Kritik laut. Wichtige Anliegen seien vernachlässigt worden, kritisierten Umweltschützer und die vom Klimawandel am stärksten betroffenen Entwicklungsländer. "Nichts haben wir erreicht", zog etwa Mohamed Nasheed, Ex-Präsident der Malediven, eine bittere Bilanz. Der Inselstaat ist vom Untergehen bedroht.

"Das Ergebnis dieser Weltklimakonferenz ist ambitionslos. Uns bleiben nur noch zwölf Jahre, um den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zu halbieren und so den Klimakollaps zu verhinder", sagt Adam Pawloff von Greenpeace Österreich. "Das Bangen geht auch nach Kattowitz weiter. Die Beschlüsse reichen bei Weitem nicht aus, um eine dramatische Klimakrise noch zu verhindern", mahnte auch Johannes Wahlmüller von Global 2000.

IPCC-Bericht nicht "begrüßt"

Auch aus der Wirtschaftskammer Österreich kam Kritik: Mehrere Staaten würden den Klimaschutz als Wachstumsbremse sehen. Ihnen müssten Europäer zeigen, wie Klimaschutz als Innovationsmotor wirken kann.

Durch das Regelwerk soll der globale Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzt werden. Ein Bericht des Weltklimarats (IPCC) hatte dringend zu einem Anstieg von höchstens 1,5 Grad Celsius geraten. Die Verhandlungsführer konnten sich jedoch nicht darauf einigen, den IPCC-Bericht zu "begrüßen" und ihn damit zur Handlungsgrundlage ihrer Klimapolitik zu erklären.

Mit dem einstimmigen Beschluss sei zwar das Fundament zur Bekämpfung der Erderhitzung gelegt, ließ Bundespräsident Alexander Van der Bellen in einer Reaktion wissen. Er ergänzte aber: "Zeit zum Ausruhen besteht keinesfalls." Viele wichtige Fragen seien offengeblieben. Er könne daher "die Enttäuschung vieler nachvollziehen, dass nicht mehr gelungen ist".

Aber nicht nur Brasilien, sondern auch weitere Staaten hatten wichtige Beschlüsse verhindert. Im September soll deshalb ein zusätzliches Gipfeltreffen unter der Leitung von UN-Generalsekretär António Guterres stattfinden. (Julia Schilly, 16.12.2018)