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Annahmen widerlegt: Globale Erwärmung hat keine Pause gemacht

19. Dezember 2018, 13:43

Zwei aktuelle Studien beweisen, was ohnehin schon weitgehend klar war: Der Klimawandel verlangsamte sich nicht.

Der Klimawandel, seine Ursachen und seine zum Teil dramatischen Folgen sind mittlerweile unbestritten: Die globalen Durchschnittstemperaturen kletterten in den vergangenen Jahrzehnten immer höher, die Menge an Treibhausgasen in der Atmosphäre stieg trotz politischer Beteuerungen zur Reduktion immer weiter an, 2018 erreicht sie voraussichtlich einen neuen Höhepunkt. Dennoch wollten einige Experten zwischen 1998 und 2012 eine rätselhafte Erwärmungspause beobachtet haben, die den Klimawandelleugnern erwartungsgemäß vermeintliche Argumente lieferte.

In den letzten Jahren zeichnete sich freilich zunehmend ab, dass es diese Verlangsamung so gar nicht gegeben hat. Eine Gruppe internationaler Wissenschafter hat die Verwirrung um die angebliche Klimawandelpause gründlich analysiert. Das Ergebnis sind zwei nun veröffentlichten Studien, die zeigen, dass es in Wahrheit zu keinem Zeitpunkt belastbare Belege für eine signifikante Pause der globalen Erwärmung gab.

Schwankungen beim Erdklima

"Behauptungen über eine mutmaßliche Verlangsamung oder Pause der globalen Erwärmung im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts und angebliche Abweichungen zwischen den Prognosen der Klimamodelle und Messdaten haben viel Aufmerksamkeit in der Forschung bekommen, obwohl seit langem bekannt ist, dass das Erdklima immer Schwankungen unterworfen ist", sagt James S. Risbey von der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) in Australien, Hauptautor einer der neuen Studien. "Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass es wenig oder gar keine statistischen Beweise für eine Pause der globalen Erwärmung gibt. Weder aktuelle noch historische Daten stützen sie."

"Die angebliche Pause bei der globalen Erwärmung war zu keinem Zeitpunkt statistisch auffällig oder signifikant, sondern bewegt sich voll im Rahmen der üblichen Schwankungen", erklärt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Ko-Autor beider Studien. "Die Ergebnisse unserer umfassenden Untersuchungen in beiden Studien sind so einfach wie unmissverständlich: Es gab keine Pause bei der globalen Erwärmung. Und die globale Erwärmung blieb nicht hinter den Prognosen der Klimamodelle zurück. Vielmehr schritt die Klimaerwärmung wie erwartet voran, überlagert lediglich von den seit jeher im Klimasystem vorhandenen kurzfristigen natürlichen Schwankungen. Eine ungewöhnliche Verlangsamung hat es nicht gegeben, wie unsere umfassende Datenauswertung zeigt."

Daten widersprechen früheren Annahmen

Veröffentlicht im Fachjournal "Environmental Research Letters", analysiert die erste Studie Schwankungen der globalen Oberflächentemperatur im historischen Kontext, während die zweite Studie Modellprojektionen mit Beobachtungsdaten vergleicht. Die Wissenschafter untersuchten alle verfügbaren globalen Temperaturdatensätze in allen verfügbaren früheren sowie aktuellen Versionen und für alle angeblichen Zeiträume einer ‚Pause‘, um sie auf statistische Signifikanz zu prüfen. In keinem Datensatz und für keinen Zeitraum konnte eine signifikante Pause oder Verlangsamung der globalen Erwärmung festgestellt werden, ebenso wenig wie eine Diskrepanz zu Klimamodellen.

Gegenteilige Aussagen basierten auf voreiligen Schlussfolgerungen, teils ganz ohne Statistik, teils aufgrund fehlerhafter statistischer Analysen. Ein häufiges Problem war etwa die so genannte Stichprobenverzerrung. Einfache Signifikanzprüfungen gelten in der Regel nur für zufällige Stichproben. Wird dagegen ein bestimmtes Zeitintervall bewusst aufgrund eines vorliegenden geringen Trends ausgewählt, handelt es sich nicht mehr um eine zufällige Stichprobe. "Nur wenige Artikel zur ‚Pause‘ berücksichtigen oder erwähnen auch nur diesen Effekt, obwohl er tiefgreifende Auswirkungen für die Interpretation statistischer Ergebnisse hat", erklärt Stephan Lewandowsky von der Universität Bristol in Großbritannien.

Verzögerungen bei Maßnahmen gegen den Klimawandel

Ein Grund für die Aufmerksamkeit, die die angebliche ‚Pause‘ der globalen Erwärmung in der Öffentlichkeit erregt hat, dürfte darin liegen, dass Interessengruppen diese Idee nutzten, um gegen die Dringlichkeit einer ambitionierten Klimapolitik zu argumentieren, die CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe reduziert. Dies wiederum könnte zu Verzögerungen der Maßnahmen zur Begrenzung des Klimawandels beigetragen haben, so die Forscher.

"Ein letzter zu bedenkender Punkt ist die Frage, warum Wissenschafter die ‚Pause‘ trotz der dürftigen Belege überhaupt so betont haben. Eine Erklärung könne im ständigen öffentlichen und politischen Druck liegen, den ‚Klimaskeptiker‘ ausüben", ergänzt Naomi Oreskes von der Harvard University in den USA, Ko-Autorin der zweiten Studie. "Auch das könnte Wissenschafter zu Haltungen veranlasst haben, die sie ohne solche Opposition vielleicht nicht eingenommen hätten." (red, 19.12.2018)