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Aida-Erbe: "Habe kein Verständnis für das Verbot von Hanfkrapfen"

29. Dezember 2018, 10:00

Schon bestimmt auch Dominik Prousek, Urenkel des Gründers, die Geschicke der Kaffeehauskette Aida mit. Er will Nostalgie mit Moderne verbinden

Schon von Kindesbeinen an ist Dominik Prousek, Urenkel des Gründers der Konditoreikette Aida, Teil des Familienbetriebs. Heute leitet der 32-jährige Wiener bereits gemeinsam mit seinen Eltern das Unternehmen, obwohl offiziell noch sein Vater als Geschäftsführer die Fäden zieht. Bei einem kleinen Braunen spricht er in einer Wiener Aida-Filiale im Interview mit dem STANDARD über das überraschende Verbot der beliebten CBD-Brownies, das Aussehen der Filialen der Zukunft und die Expansionspläne der Kette.

Prousek erläutert zudem, warum er am Wiener Flughafen einen Testballon mit einer großen Franchisekette steigen lässt und mit Aida gerne beim gleichnamigen Kreuzfahrtbetreiber an Bord gehen würde. Hinsichtlich der Auslandsexpansion zeigt er keine Berührungsängste mit dem seit dem Fall Khashoggi in die Kritik geratenen Saudi-Arabien: Man verkaufe Golatschen und mache keine Politik.

STANDARD: Ihre Hanf- bzw. CBD-Brownies und -Krapfen wurden gut angenommen, dann verkündete Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein das Verkaufsverbot. Wie stehen Sie dazu?

Prousek: Ich habe nicht wirklich Verständnis dafür, werde mich aber natürlich an das Verbot halten.

STANDARD: Hat Sie das Aus überrascht?

Prousek: Der Entscheidung, CBD zu verkaufen, ging ein langer Prozess voraus, auch mit rechtlicher Prüfung. Es gab keine Stelle in Österreich, die gesagt hätte, das dürft ihr nicht machen. Was ich nicht ganz verstehe, ist, wie ein Produkt, das laut vielen Medizinern gesundheitsfördernde Auswirkungen hat, binnen vier Tagen abgeschafft werden kann. Mehr als 860.000 Unterschriften gegen das Rauchen wurden ignoriert. Es gibt zwar wichtigere Sachen als CBD, aber ich finde es schade, weil wir viele Kunden gewonnen haben. Es hat ja nichts mit dem TBC-haltigen Cannabis zu tun.

Während des Gesprächs gönnt sich Dominik Prousek einen kleinen Braunen, CBD-Brownies gab es freilich keine dazu.
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STANDARD: Wie geht es in der Sache weiter?

Prousek: Wir haben den Erlass des Gesundheitsministeriums umgesetzt, lassen ihn jetzt aber prüfen. Bis dahin liegt die Sache auf Eis. Sollte es eine Möglichkeit geben, werden wir die CBD-Produktpalette wieder einführen.

STANDARD: War die Idee hinter den CBD-Brownies auch, eine neue Zielgruppe anzusprechen?

Prousek: Viele erkrankte Menschen verwenden auf ärztlichen Rat hin CBD-Produkte. Daher haben wir gesagt, wir probieren das aus. Es war aber auch die Idee, ein anderes Publikum hereinzubringen. Was uns überrascht hat: Es ist nicht nur junges Publikum gekommen, sondern auch viele Ältere und Leute, die CBD seit Jahren als therapeutisches Mittel verwenden.

STANDARD: Mit Aida assoziiert man auch eher eine ältere Zielgruppe ...

Prousek: Das Nostalgische der 50er- und 60er-Jahre kommt auch wieder zurück. Wir glauben an das Alte mit Moderne kombiniert. Neue Filialen sind der Moderne angepasst. Manche alte Filialen werden immer so bleiben, wie sie aussehen.

STANDARD: In den vergangenen Jahren stand immer Expansion auf der Agenda, nicht nur in Österreich, sondern auch zum Beispiel in Katar oder Saudi-Arabien. Was wurde aus diesen Plänen?

Prousek: Wir arbeiten weiterhin daran, haben in Innsbruck eine neue Filiale eröffnet. Katar hat politische Probleme, wie wir wissen, dort hätten wir vor vier Jahren aufsperren sollen, konnten es aber aus diesem Grund nicht machen.

STANDARD: Ist Saudi-Arabien vom Tisch?

Prousek: Das ist ein riesengroßer Markt, wir stehen in Verhandlungen mit weiteren Franchisenehmern. Wir erwarten uns, dort viele Filialen aufzumachen. Eine gibt es schon. Der Vertrag des Franchisenehmers, 100 Filialen aufzumachen, wurde aber nicht erfüllt, daher haben wir den Vertrag aufgehoben. Wir suchen jemanden, der es groß aufbaut, die Verhandlungen laufen. Der Vertrag soll 2019 unterschrieben werden.

STANDARD: Saudi-Arabien steht seit dem Fall Khashoggi in der öffentlichen Wahrnehmung nicht gut da. Wie gehen Sie damit um?

Prousek: Wir verkaufen Golatschen und machen keine Politik.

Dominik Prousek vor der Aida-Filiale in der Wiener Bognergasse, wo das Interview stattfand.
foto: matthias cremer

STANDARD: Hegen Sie auch Expansionspläne für andere Auslandsmärkte?

Prousek: Wir sind auch in Verhandlungen mit weiteren Ländern wie Russland, Amerika und Deutschland. Eine große Franchisegruppe namens Lagardere eröffnet jetzt die erste Aida-Filiale am Flughafen Wien.

STANDARD: Warum machen Sie das nicht selbst?

Prousek: Natürlich könnten wir das auch selbst machen, aber wir haben einen starken Partner vor allem für die internationale Expansion gesucht und in Lagardere gefunden. Sie hatten auch bereits den Standort am Flughafen. Also ein guter Start für gemeinsame Projekte.

STANDARD: Tut Ihnen die Konkurrenz von Starbucks weh?

Prousek: Starbucks hat eine ganz andere Zielgruppe mit Leuten, die Gratis-WLAN wollen und fünf Stunden bei einem Kaffee sitzen. Sie haben eine andere Kaffeekultur. Unser Konzept ist die Wiener Kaffeehauskultur, jedoch nicht mit Smoking, Klavierspieler und Zeitungen. Bei uns bleiben die Leute im Durchschnitt 15 Minuten. Aida war grundsätzlich immer eine Konditorei.

STANDARD: Es gibt immer mehr Coffee to go. Mittlerweile dürfen auch Trafiken Kaffee ausschenken. Merken Sie das?

Prousek: Den großen Umsatz hat uns das nicht weggenommen. Wir haben natürlich auch Coffee to go.

STANDARD: Welche Materialien verwenden Sie dafür?

Prousek: Hier entwickeln wir stets neue. Waren es vor Jahren noch schwer recycelbare, werden es heute immer mehr umwelt- und klimaschonende Verpackungen.

STANDARD: Importiert Aida die Kaffeebohnen noch immer selbst?

Prousek: Ja. Wir haben seit 50 Jahren dieselbe Rezeptur, die nicht verändert werden darf, um die gleiche Kaffeequalität zu bieten.

STANDARD: Wenn man in Google Aida eingibt, kommt als Erstes weder die Oper noch Ihre Kette, sondern der Kreuzfahrtanbieter. Stört Sie das?

Prousek: Nein, die Namensgleichheit ist auch günstig. Ich hatte ein Meeting mit Aida und schlug ihnen vor, dass wir unsere Konditoreien auf ihren Kreuzfahrtschiffen betreiben. Und dann war dort schon eine Testfiliale von einer anderen Kette. Aber wir haben eine zweite Firma, eine Kosmetikfirma namens La Ric, die meine Mutter vor 38 Jahren gegründet hat, und verkaufen unsere Produkte schon auf den Aida-Kreuzfahrtschiffen.

STANDARD: Ist das Thema Aida-Kaffee auf Aida-Schiffen damit erledigt?

Prousek: Absolut nicht. Verhandlungen wurden geführt – jetzt warten wir auf die hoffentlich positive Entscheidung.

STANDARD: Sie sind mitten im Übergabeprozess und werden demnächst von Ihrem Vater übernehmen. Welche Aufgaben nehmen Sie bereits wahr?

Prousek: Das ganze Unternehmen wird als Familienunternehmen geleitet. Große Entscheidungen treffen wir gemeinsam. Ich kümmere mich um Produktentwicklung und Design, darum, wo der Weg hingeht, die Zukunft. Mein Vater kümmert sich um die Produktion. Wir machen auch Touren durch unsere Filialen und sprechen sehr viel über die Firma. Es gibt noch keine Notwendigkeit einer offiziellen Übergabe.

Der künftige Aida-Chef schätzt die Kombination aus Nostalgie und Moderne.
foto: matthias cremer

STANDARD: Wo wird der Weg für die Filialen der Zukunft hinführen?

Prousek: Bei den bestehenden Filialen will ich das nostalgische Konzept erhalten. In der Wiedner Hauptstraße haben wir zwei Filialen aufgemacht. Eine heißt "Aida one go", ist 20 Quadratmeter groß, und es gibt nur Produkte zum Mitnehmen, die zwischen einem Euro und 1,90 Euro kosten. Das wollen wir in kleinen Ecken bei U-Bahnen, Krankenhäusern oder am Flughafen umsetzen. Gleich daneben haben wir eine der schönsten Aida-Filialen in Wien aufgesperrt, "Aida Gold". Das ist ein Luxusanbieter. Aida one go richtet sich auch an Studenten.

STANDARD: Ist Digitalisierung auch für Aida ein Thema?

Prousek: Wir machen jetzt den weltweiten Versand unserer Produkte, wir schicken Cremeschnitten nach Amerika.

STANDARD: Wird es in einigen Jahren Touchscreens zum Bestellen auf der Tischplatte geben?

Prousek: Nicht wirklich. Wir setzen auf Vollbedienung.

STANDARD: Wie läuft es derzeit für Aida in der Hochkonjunktur?

Prousek: Vom Umsatz her geht es sehr gut. Ende des Jahres werden wir 31 Filialen haben. Mitarbeiter haben wir rund 450. Das variiert saisonal.

STANDARD: Bereitet es Ihnen schlaflose Nächte, für so viele Arbeitsplätze verantwortlich zu sein?

Prousek: Wir geben unser Bestes, für die Mitarbeiter verantwortlich zu sein und die Arbeitsplätze zu sichern.

STANDARD: Wie viele Wochen im Jahr können Sie Urlaub machen?

Prousek: Sehr, sehr wenige. Ich brauche Urlaub nicht, weil mir die Arbeit Spaß macht.

ZUR PERSON

Dominik Prousek (32) ist in Wien geboren und studierte nach seiner schulischen Ausbildung Wirtschaftsmarketing an der Webster University. Zudem ist er seit jungen Jahren im Familienbetrieb Aida tätig und leitet diesen bereits gemeinsam mit seinen Eltern.

ZUM UNTERNEHMEN

Die Kaffeehaus- und Konditoreikette Aida ist durch die Umgründung einer Wiener Konditorei durch Josef und Rosa Prousek im Jahr 1925 entstanden. Das Familienunternehmen wird seit 2003 in dritter Generation von Michael Prousek als Geschäftsführer geleitet. Sein Sohn Dominik ist schon von Kindesbeinen an in den Betrieb integriert und nimmt bereits leitende Aufgaben wahr. Die Kette betreibt in Österreich 31 Filialen. (INTERVIEW: Alexander Hahn, 29.12.2018)