Süßstoff statt Zucker: Metaanalyse findet kaum gesundheitliche Vorteile

6. Jänner 2019, 10:00

Deutsche Forscher sahen sich 56 Studien zum Thema noch einmal genau an

London – Ist Süßstoff gesünder als Zucker? Diese Frage klingt unzulässig generalisierend, und doch kommt eine Gruppe deutscher Wissenschafter in einer Metaanalyse früherer Studien zu einer ebenso generalisierenden Antwort: eher nein. Der Effekt sei bestenfalls minimal. Die Arbeit ist im "British Medical Journal" erschienen.

Die Forscher werteten insgesamt 56 wissenschaftliche Arbeiten zu den Effekten von künstlichen Süßstoffen noch einmal genau aus. Das Team um Ingrid Toews von der medizinischen Fakultät der Universität Freiburg unternahm selbst keine neuen Untersuchungen. Systematische Überblicksarbeiten und Metaanalysen sollen einen möglichst objektiven Überblick über die Datenlage bieten.

"Keine Unterschiede"

In den analysierten Arbeiten war es unter anderem um das Körpergewicht und dessen Entwicklung und die Nüchtern-Blutzuckerwerte, Zahngesundheit, Essverhalten, Krebsrisiko sowie Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen gegangen, also eine sehr breite Themenpalette. Die Bilanz: "Bei den meisten Gesundheitsparamentern schien es keine Unterschiede zwischen Personengruppen mit Konsum von künstlichen Süßstoffen oder ohne ihre Verwendung zu geben", so Toews.

Die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema seien auch kurz, mit nur wenigen Teilnehmern durchgeführt oder methodisch nicht besonders qualitätsvoll gewesen. 35 der Arbeiten seien überhaupt nur Beobachtungsstudien gewesen, die kaum dazu geeignet seien, schlüssige Ergebnisse zu bringen.

Unterschiede, die tatsächlich gefunden wurden, erwiesen sich als eher mager: So zeigte sich bei Erwachsenen in einer beschränkten Anzahl von wissenschaftlichen Studien ein kleiner positiver Effekt des Konsums künstlicher Süßstoffe auf Gewicht und Nüchtern-Blutzuckerspiegel. "Keinen Hinweis auf irgendeinen Effekt von künstlichem Süßstoff wurde bei übergewichtigen oder adipösen Erwachsenen oder Kindern beobachtet, die abnehmen wollten", resümieren die Forscher. Bessere und längere wissenschaftliche Untersuchungen seien auf jeden Fall notwendig. (APA, red, 6.1.2019)