Foto: APA/AFP/NASA / Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory / Southwest Research Institute

Ultima Thule sieht auf ersten Fotos aus wie ein Schneemann

3. Jänner 2019, 13:49

Himmelskörper besteht offenbar aus zwei Objekten, die in der Frühzeit des Sonnensystems aneinander "andockten"

Aus der richtigen Perspektive ist die Ähnlichkeit nicht wegzuleugnen ...
foto: apa/afp/nasa / johns hopkins university applied physics laboratory / southwest research institute

Washington – Das neue Jahr ist erst drei Tage alt, doch in Sachen Weltraumforschung geht es derzeit Schlag auf Schlag: Der erfolgreiche Flyby der NASA-Sonde New Horizons am Objekt Ultima Thule sorgte am 1. Jänner für Schlagzeilen – schon wird er von der Landung der chinesischen Sonde Chang'e 4 auf dem Mond verdrängt.

Aber so schnell sollten wir Ultima Thule nicht aus den Augen verlieren, denn nun hat New Horizons die ersten Bilder von dem rund 6,4 Milliarden Kilometer entfernten Himmelskörper übermittelt. Er ist in seiner Gesamtheit etwa 31 Kilometer lang und dreht sich ungefähr alle 15 Stunden einmal um sich selbst. Und er besteht offenbar aus zwei annähernd kugelförmigen Objekten, die gleichsam zusammengeklebt sind, berichtet die NASA und fasst die Optik anschaulich zusammen: Ultima Thule sehe aus wie ein Schneemann.

Doppelobjekt

"Es handelt sich um zwei komplett verschiedene Objekte, die nun zusammengewachsen sind", sagte Missionschef Alan Stern. Ein Objekt (das nun Thule heißt) ist etwa halb so groß wie das andere (Ultima). Wahrscheinlich hätten sie einander ursprünglich eine Zeit lang umkreist, bis sie schließlich aneinander "angedockt" hätten – eine Kollision, die laut NASA ungefähr mit der Geschwindigkeit eines Unfalls im Straßenverkehr abgelaufen sein muss.

Der Blick auf Ultima Thule ist zugleich ein Blick in die ferne Vergangenheit.
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Die Verbindung der beiden Objekte dürfte laut den Experten bereits im ersten Prozent der bisherigen Lebensdauer des Sonnensystems erfolgt sein und ermöglicht damit einen Blick in dessen Anfangszeit. Der Geophysiker Jeff Moore aus dem Missionsteam bringt Ultima Thule mit dem Prozess der Planetenbildung in Zusammenhang, der damals begann: Ursprünglich millimeterkleine Materiebröckchen "verklebten" dabei zu sogenannten Planetesimalen in Kilometergröße. Diese banden weitere Materie an sich, stießen mit anderen Planetesimalen zusammen und verschmolzen zu immer größeren Objekten, bis diese schließlich durch die Gravitation zusammengepresst und zu (Proto-)Planeten wurden.

Hintergrund

New Horizons hatte den erst 2014 mit Hilfe von Teleskopen entdeckten Himmelskörper am Dienstag passiert. Ultima Thule ist damit der am weitesten entfernte und vielleicht sogar älteste Himmelskörper, der je von einer Raumsonde untersucht wurde. Bis zum Flyby der Sonde hatten die Forscher nur eine unscharfe Aufnahme, die aus einer halben Million Kilometern Entfernung gemacht worden war und auf der Ultima Thule eher eine Kegel-Form hatte. Die nun übermittelten Bilder der Sonde stammen aus 27.000 Kilometern Entfernung.

In den kommenden rund 20 Monaten soll die Sonde New Horizons noch zahlreiche weitere Fotos und Daten von dem historischen Vorbeiflug senden, bei dem sie mit rund 51.500 Kilometern pro Stunde in rund 3.500 Kilometern Abstand an Ultima Thule vorbeigeflogen war. Die NASA verheißt uns auch Aufnahmen mit wesentlich besserer Auflösung. (red, 3. 1. 2019)