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ESA-Chef plädiert für verstärkte Zusammenarbeit mit China im All

4. Jänner 2019, 13:30

Wörner würdigt jüngsten Erfolg des chinesischen Weltraumprogramms und wünscht sich verstärkte internationale Kooperation

Jan Wörner sieht die Raumfahrt als potenzielles Vorbild für die internationale Zusammenarbeit auf Erden.
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Darmstadt – Die Landung der chinesischen Sonde Chang'e 4 auf der Rückseite des Mondes habe eindrucksvoll belegt, wie ambitioniert das chinesische Raumfahrtprogramm sei, sagte der Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, Johann-Dietrich "Jan" Wörner. Der Deutsche nimmt die erfolgreiche Mission zum Anlass, für eine stärkere internationale Zusammenarbeit im All zu plädieren.

Dass Kooperation im All funktioniere, habe etwa die Zusammenarbeit auf der Internationalen Raumstation ISS gezeigt, an der verschiedene Raumfahrtagenturen beteiligt sind, sagte der ESA-Chef. Daher sei er auch für eine stärkere Zusammenarbeit mit China, die für alle Seiten lohnenswert sein könne.

Raumfahrt als Vorbild

"Ich bin sicher, dass die Chinesen ihre neuen Erkenntnisse mit anderen Ländern teilen werden", fügte Wörner hinzu. Schon heute kooperiere die ESA in der Raumfahrt mit China. Als Beispiel nannte er etwa die Zusammenarbeit bei der Raumsonde Chang'e-5: Diese soll noch heuer Gesteinsproben vom Mond auf die Erde bringen.

"Geopolitisch kann die Raumfahrt eine Vorbildfunktion einnehmen", hofft Wörner. "Verschiedene Nationen können verschiedene Beiträge für ein gemeinsames Ziel leisten." Große Herausforderungen könnten mitnichten durch Isolation gemeistert werden. Anders als zu Zeiten des Ost-West-Konflikts habe man erkannt, dass Raumfahrt die Chance für internationale Kooperation biete.

Mögliche Partner

Im Vordergrund steht aktuell China, doch haben in den vergangenen Jahren mehrere Staaten mit ihren Weltraumprogrammen für Aufmerksamkeit gesorgt. Japan beispielsweise schickte seine Hayabusa-Raumsonden zu den Asteroiden Itokawa und Ryugu, um dort Bodenproben zu entnehmen. Außerdem hatte es mit der Sonde Kaguya seinerseits eine Mondmission durchgeführt – ebenso wie Indien, das 2008 die Sonde Chandrayaan-1 in einen Orbit um den Mond geschickt hatte.

Dass der Mond wieder stärker in den Fokus rücke, sei ein positives Zeichen, erklärte Wörner. Auf dem Erdtrabanten könnten die Menschen beispielsweise Bedingungen für künftige Raumfahrtmissionen erforschen. So ließen sich auf dem Mond neue Technologien entwickeln, die unter anderem bei einer Marsmission zum Einsatz kommen könnten. (red, APA, 4. 1. 2019)