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USA drohen an Nord Stream 2 beteiligten Firmen mit Sanktionen

7. Jänner 2019, 11:56

Polen fordert erneut den Stopp der Bauarbeiten

Berlin – Die USA drohen Spezialfirmen, die an dem Pipelineprojekt Nord Stream 2 arbeiten, mit Sanktionen: Unternehmen, die sich daran beteiligen, seien "immer in Gefahr, da Sanktionen durchaus möglich sind", sagte der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, dem "Handelsblatt" vom Montag.

Die Zeitung zitierte Branchenkreise, wonach solche Strafmaßnahmen einen "neuralgischen Punkt" träfen: "Es dürfte so gut wie unmöglich sein, adäquaten Ersatz zu finden."

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Nord Stream 2 soll ab Ende 2019 russisches Gas durch die Ostsee nach Deutschland transportieren. Getragen wird das Projekt von den europäischen Energieunternehmen Uniper, Wintershall, OMV, Engie und Shell sowie dem russischen Staatskonzern Gazprom. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen.

USA attackieren Spezialfirmen

Die USA hätten Spezialfirmen ins Visier genommen, die die Leitung auf dem Grund der Ostsee verlegen, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf deutsche und US-Regierungskreise. Betroffen wären demnach die Allseas Group mit Sitz in der Schweizer Gemeinde Châtel-Saint-Denis und das italienische Unternehmen Saipem. Allseas verlege über 90 Prozent der Pipelinerohre, berichtete das "Handelsblatt". Saipem dagegen habe seinen Teil der Arbeit bereits erledigt.

US-Präsident Donald Trump hat wiederholt gewarnt, dass Deutschland "total abhängig von russischer Energie" werde. Er wirft den Deutschen vor, Russland Milliarden für Gaslieferungen zu zahlen und sich dann von den USA gegen Russland verteidigen zu lassen. In Deutschland und der EU gibt es aber schon länger den Verdacht, dass die USA auch einen Absatzmarkt für ihre wachsenden Schiefergasvorkommen suchen. Wegen der Transportkosten über den Atlantik ist das US-Gas bisher nicht konkurrenzfähig.

Kritik aus Polen

Scharfe Kritik an der Pipeline kommt auch aus Polen. Außenminister Jacek Czaputowicz forderte im "Handelsblatt" erneut den Stopp der Bauarbeiten. Die Pipeline zerstöre die Wirksamkeit der EU-Sanktionen gegen Russland und bedrohe die Unabhängigkeit der Ukraine. "Wenn der russische Gastransit durch die Ukraine wegfällt, verliert das Land nicht nur erhebliche Einnahmen, sondern vor allem die Garantie eines Schutzes vor weiteren russischen Aggressionen."

In Deutschland forderte jüngst Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt die Regierung auf, Nord Stream 2 die Unterstützung zu entziehen. Sie solle damit vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine "ein klares Zeichen der europäischen Solidarität setzen". (APA, 7.1.2019)