Foto: APA/JAKOB GRUBER

Großer Altersunterschied erhöht Vergewaltigungsrisiko in Beziehungen

10. Jänner 2019, 06:00

Interviews mit jungen Frauen zeigen, dass sozioökonomische Faktoren und ein hohes Alter des Partners sexuelle Gewalt begünstigen

East Lansing – Es gehört noch immer zu den gängigsten Mythen über Vergewaltigung, dass sie von Fremden und im dunklen Park verübt wird. "Es gibt diese Idee, dass es innerhalb von Beziehungen keine sexuelle Gewalt gibt", sagt Angie Kennedy von der Michigan State University über die oft übersehenen Gefahren im privaten Raum. Sie hat zusammen mit anderen SozialwissenschafterInnen die Risikofaktoren für Vergewaltigungen in den ersten Beziehungen von Frauen untersucht. Kennedy: "Wir wollten mehr über diese schwerwiegende Form der sexuellen Gewalt – Vergewaltigung und versuchte Vergewaltigung – und die spezifischen Risikofaktoren wissen."

Unterschiedliche Gruppen

Es gibt zwar bereits Untersuchungen über Vergewaltigung jüngerer Frauen im Beziehungs- und Bekanntenfeld, diese würden sich aber unter anderem auf das StudentInnenleben an Universitäten konzentrieren – und damit auf Betroffene, die eine vierjährige Ausbildung absolvieren, so Kennedy. Sie interviewte mit KollegInnen hingegen Frauen im Alter von 18 und 24 Jahren aus drei verschiedenen Gruppen: Studentinnen einer Universität, Studentinnen eines zweijährigen Colleges und Frauen mit einem niedrigen Einkommen.

Die im "Journal of Interpersonal Violence" veröffentlichten Ergebnisse der 148 Interviews zeigen zwar ein konstantes Risiko für Vergewaltigung in allen drei Gruppen. Es zeigte sich jedoch, dass ein geringerer sozioökonomischer Status das Risiko einer Vergewaltigung in der ersten Beziehung erhöht. Eine größere Altersdifferenz zwischen den PartnerInnen erhöht das Risiko einer Vergewaltigung in allen befragten Gruppen, ebenso wenn es bereits andere Formen von Gewalt in der Beziehung gibt. "Vergewaltigung und versuchte Vergewaltigung passieren in der Regel nicht isoliert, sie treten gewöhnlich mit anderen Formen von Gewalt auf ", sagt Kennedy.

Unterschiede berücksichtigten

Deutliche Unterschiede zwischen den Gruppen gab es bei der Ab- und Zunahme der Partnergewalt im Beziehungsleben der Frauen. Während die Vergewaltigungsrate innerhalb ihrer ersten Beziehung bei Frauen aus der Universitätsgruppe höher ist, sinkt sie im Lauf der darauffolgenden Beziehungen im Vergleich zu den Erfahrungen, die Studentinnen zweijähriger Colleges machen. Bei ihnen nimmt Vergewaltigung durch Partner im Lauf ihres Beziehungslebens zu. Kennedy plädiert daher dafür, derlei Unterschiede in der Gewaltprävention stärker zu berücksichtigen. (beaha, 10.1.2019)