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Papamonat: Zwischen Leistbarkeit und Nutzen

Blog |
11. Jänner 2019, 08:00

Nach der Geburt gleich für das Kind da sein. Das bringt finanzielle und berufliche Schwierigkeiten mit sich. Und: wie sinnvoll ist das Zuhausebleiben überhaupt?

Alena und Jakob werden in ein paar Wochen Eltern. Während es für Alena klar ist, dass Jakob bei der Geburt dabei ist und sich nachher für das erste Monat freistellen lassen wird, hat Jakob seine Bedenken. Er fürchtet um seine Position in der Firma, sein berufliches Ansehen. Auch die finanzielle Situation macht ihm die Entscheidung für diesen unbezahlten Papamonat nicht einfacher.

Luise und Viktor haben bereits Zwillinge. Die dreijährigen Buben Moritz und Valentin sind von den Eltern zu gleichen Teilen betreut worden. Zuerst ist Luise in Karenz gegangen, dann hat Viktor sie abgelöst und hat sich ebenfalls um die zwei Kleinen gekümmert. Beim dritten Kind wollen die beiden das gleich handhaben, denn zu seinem Erstaunen hat Viktor die Zeit mit seinen beiden Kindern rundherum genossen. Diesmal allerdings möchte Viktor auch den Papamonat in Anspruch nehmen, um für seine Familie auch am Anfang da sein zu können.

Hannah und Edina bekommen in den nächsten Tagen ein Mädchen. Für Edina ist es selbstverständlich, dass sie im ersten Monat unbezahlt bei ihrer Familie bleibt und ihre Frau so gut sie kann unterstützt. Das führt aber zu Unannehmlichkeiten und vielen Fragen beim Vorgesetzten und der Kollegenschaft.

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Gemeinsam in der ersten Zeit für das Kind da sein – das ist der Wunsch vieler Eltern.
foto: getty images/aleksandarnakic

Der Papamonat und die rechtlichen Grundlagen

Seit Jahresbeginn ist das Thema Papamonat wieder präsent. Oftmals wird in den Berichten darauf hingewiesen, dass die österreichische Gesetzgebung eine Ungleichbehandlung zwischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im öffentlichen Dienst gegenüber jenen in der Privatwirtschaft vorsieht. Hier wird verstärkt darauf hingewiesen, dass es einer gesetzlichen Gleichstellung bedarf. Für Selbstständige gelten nochmals andere Bedingungen, die von jedem Einzelnen individuell gehandhabt werden müssen.

Eigentlich müsste es in der heutigen Zeit doch eher "Elternmonat" heißen, denn immerhin haben auch Elternteile aus gleichgeschlechtlichen Paaren Anspruch auf diese Zeit. Wobei ein genereller Rechtsanspruch aller nicht schwangeren Elternteile im Gesetz in Österreich nicht verankert ist.

Im Allgemeinen ist die gemeinsame Betreuung des Kindes mit dem zweiten Elternteil in den ersten Lebenswochen des Kindes als einmonatige Freistellung möglich: Dieser sogenannte Papamonat ist innerhalb der ersten 91 Tage nach der Geburt möglich und muss mit dem Dienstgeber vereinbart werden.

Seit 1. März 2017 gibt es für Familien, die einen Familienmonat (also für zum Beispiel erwerbstätige Väter) direkt nach der Geburt wählen, die Möglichkeit einer finanziellen Unterstützung. Dieser "Familienzeitbonus" muss beantragt werden und ist als Ausgleich für den Verdienstentgang gedacht. Wichtig dabei ist, dass dieser finanzielle Beitrag sowohl Adoptiv- oder Dauerpflegefamilien, als auch gleichgeschlechtlichen Partnerinnen und Partnern zusteht.

Kann ich mir den Papamonat leisten?

Es stellt sich hier doch auch die Frage, warum nur manche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Möglichkeit des Papamonats bekommen und warum es Arbeitgeber gibt, die ihren Angestellten in dieser Zeit das Gehalt weiterzahlen.

Können sich Familien diesen Papamonat auch wirklich leisten? Oder ist das vielleicht auch ein Grund, warum das Inanspruchnehmen dieser Form der Betreuung und Unterstützung gleich nach der Geburt seit 2017 rückläufig ist?

Abhängig von der Lebenssituation gehen den werdenden Eltern bei ihrer Entscheidungsfindung verschiedene Überlegungen durch den Kopf. Da ist zum einen eventuell die Angst vor einer Kündigung oder die Sorge im Job etwas zu versäumen, unersetzlich zu sein oder dadurch berufliche Nachteile zu haben. Da ist vielleicht auch ein Abwägen, dass das Neugeborene ja nichts davon hat, wenn der zweite Elternteil die ganze Zeit anwesend ist. Es geht nicht um die Vorstellung, dass man mit dem Neugeborenen nichts anfangen kann, sondern darum, dass die Zeit viel besser investiert und notwendiger ist, wenn das Kind älter ist.

Überlegungen zum Papamonat

Ursprünglich war der "Papamonat" wohl als Unterstützung für die Frau nach der Geburt gedacht. Nachdem das Kind auf der Welt ist, ist es für die meisten Frauen angenehm, wenn jemand da ist, der sie unterstützt und auch mit der Betreuung des Neugeborenen hilft. Der Monat zu Hause ermöglicht dem zweiten Elternteil auch in der Anfangszeit präsent zu sein und die erste Zeit, in der sich das Familiengefüge neu ordnen muss, gemeinsam zu verbringen. Diese aufregende Phase des gegenseitigen Kennenlernens gemeinsam mit der Partnerin/dem Partner zu erleben, festigt das Gefühl des Elternseins.

Gerade in diesen ersten Wochen des Lebens beginnen Bindungen zu den wichtigsten Bezugspersonen zu entstehen, die dann im Laufe des Miteinanders noch gestärkt und gefestigt werden. Partnerinnen und Partner haben somit gleich von Beginn an die Möglichkeit sich als gleichwertiger Teil der Familie zu fühlen. All die Erfahrungen, die ein Elternteil beim Kennenlernen des Kindes, seiner Äußerungen und seines Verhaltens macht, kann somit auch der zweite Elternteil unmittelbar miterleben und nicht nur aus den Erzählungen erfahren, miterleben und mitentscheiden. Das Gefühl etwas von der Entwicklung des Kindes zu versäumen, kann durch einen Papamonat und später durch geteilte Karenz deutlich verringert werden.

Gleichzeitig bietet der Papamonat auch eine gute Vorbereitung auf die Karenzzeit des zweiten Elternteils. Die Elternteile haben ihr Kind von Anfang an besser kennengelernt und meist eine intensivere Beziehung aufgebaut. Das kann die Zeit später mit dem Kind alleine erleichtern. Man kann aufgrund des Papamonats allerdings nicht darauf schließen, wie die Karenz später sein wird. Das Kind und sein Verhalten verändern sich bis dahin, so dass es dann trotzdem ganz anders sein wird. Die Herausforderungen in der Karenz sind deswegen nicht leichter, aber die Sicherheit für den Umgang mit dem Kind kann besser sein.

Ihre Erfahrungen?

Würden Sie den Papamonat in Anspruch nehmen und wenn ja, warum? Wie haben Sie diese Zeit kurz nach der Geburt mit ihrer Familie erlebt? Für welche Form der Karenz haben Sie sich entschieden und warum? Posten Sie Ihre Erfahrungen, Fragen und Ideen im Forum! (Andrea Leidlmayr, Christine Strableg, 11.1.2019)

Andrea Leidlmayr und Christine Strableg bloggen auf derStandard.at/Familie und geben Eltern Tipps für den täglichen Erziehungsalltag.