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Rockerkrieg in Köln wird zu Gefahr für Bevölkerung

10. Jänner 2019, 15:53

Die Polizei will wegen Schießereien "wie im Wilden Westen" härter gegen Hells Angels und Bandidos vorgehen

Köln/Berlin – Es begann laut "Bild"-Zeitung an einem eher unspektakulären Ort: bei einem Steuerberater in der Kölner Innenstadt. Dort trafen am Freitag offenbar zufällig zwei Mitglieder der verfeindeten Rockerbanden Bandidos und Hells Angels aufeinander.

Man bleibt nicht lange bei unhöflichen Worten, es kommt zu einem Schusswechsel, der sich auf der Straße fortsetzt. Einen der Männer kann die Polizei festnehmen, der andere ist untergetaucht. Am Abend fallen dann Schüsse auf eine Spielhalle in Köln, in der sich zu diesem Zeitpunkt rund 15 bis 20 Gäste aufhalten. Nur durch Zufall wird niemand getroffen.

Online-Übersichtskarte

Szenen wie diese spielen sich in der Domstadt am Rhein immer wieder ab. Die Polizei hat eine eigene "Übersichtskarte Auseinandersetzungen Rockermilieu" ins Internet gestellt. Eine Schießerei auf der Stadtautobahn ist dort ebenso vermerkt wie Schüsse auf eine Shisha-Bar.

Nun hat die Polizei angekündigt, härter gegen die Rockerbanden vorzugehen, da mittlerweile die Sicherheit der Bevölkerung gefährdet sei. "Mitten auf Kölner Straßen wird mit hochkarätigen Waffen geschossen. Als wären wir hier im Wilden Westen, wird rumgeballert", sagt Polizeipräsident Uwe Jacob. Klaus-Stephan Becker, der Leiter der Direktion Kriminalität, spricht von einem "glücklichen Zufall, dass bisher noch niemand zu Tode gekommen" ist.

Mehr Zivilfahnder

Polizeichef Jacob zeigt sich entschlossen: "Wir werden sehr robust gegen diese Vereinigungen vorgehen. Wir werden es nicht dulden, dass es in Köln so weitergeht wie bisher." Er will mehr Zivilfahnder und erfahrene Ermittler aus dem Bereich der organisierten Kriminalität einsetzen. Die Polizei sieht die beiden Gruppierungen auch nicht als Rocker im eigentlichen Sinne, sondern wertet sie als kriminelle Banden, die meist im Rotlichtmilieu handfeste wirtschaftliche Interessen verfolgen. Sie seien "von Migranten deutlich dominiert", viele Mitglieder stammen aus der Türkei, dem Kosovo und Nordafrika.

Der Kölner Rockerkrieg ist in dieser Schärfe ein lokales Phänomen. An anderer Stelle nämlich kämpfen Hells Angels und Bandidos durchaus Seite an Seite: Sie haben beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Beschwerde gegen das sogenannte Kuttenverbot eingelegt: Das neue Vereinsgesetz verbietet ihnen Lederjacken mit dem geflügelten Totenkopf (Hells Angels) und dem bewaffneten Mexikaner (Bandidos) zu tragen. Dagegen wehren sie sich. (Birgit Baumann, 10.1.2019)