Foto: Michael Matzenberger

Wien knackt 1,9-Millionen-Einwohner-Marke

11. Jänner 2019, 16:57

2018 stieg die Einwohnerzahl um 11.000. Die Herkunftsländer der meisten Zuwanderer waren nicht mehr Syrien und Afghanistan

Wien – "Arschknapp ist es sich nicht ausgegangen." Mit diesem Satz, der eher nicht aus dem Statistiker-Fundus kommt, beantwortet Klemens Himpele die Frage, ob Wien im Vorjahr die Marke von 1,9 Millionen Einwohnern übersprungen hat. Laut den vorläufigen Daten der MA 23 (Wirtschaft, Arbeit und Statistik) fehlten Ende Dezember 2018 nur 120 Personen, führte Abteilungsleiter Himpele aus. Mit Stand Freitag, 11. Jänner, ist er auch ohne gesichertes Zahlenmaterial aber davon überzeugt, dass mittlerweile 1,9 Millionen Menschen in der Stadt leben.

Denn die Stadt Wien wächst weiterhin. 2018 stieg die Einwohnerzahl um 11.000 Personen. Das Wachstum hat sich im Vergleich zu den vergangenen drei Jahren aber wieder erheblich verlangsamt. Hauptverantwortlich dafür ist die signifikante Abnahme der Zuwanderung in die Stadt, die vor allem mit den massiven Flüchtlingsbewegungen einsetzte.

Im Jahr 2015 betrug die Bevölkerungszunahme in Wien 42.900 Personen, 2016 waren es 27.400, im Jahr 2017 immerhin noch 21.200. Verglichen mit diesen Werten ist die Zunahme im Vorjahr fast mickrig. Mittelfristig gesehen hat sich das Wachstum Wiens wieder auf dem Niveau der späten 2000er-Jahre stabilisiert.

Weniger Flüchtlinge

Insgesamt sind im Vorjahr 75.000 Personen nach Wien gezogen, 68.000 haben die Stadt verlassen. Der Wanderungsgewinn betrug demnach 7.000 Personen. "Der Zuwachs aus dem Ausland überwiegt" sagt Himpele. Anders als in den vergangenen Jahren ist die starke Zuwanderung von Geflüchteten aus Syrien oder Afghanistan aber vorbei.

2018 stellte Serbien das Hauptherkunftsland: Bei den Geburtsländern der am stärksten gewachsenen Bevölkerungsgruppen wuchs die Gruppe jener, die in Serbien geboren sind, um 1.739 Personen – gefolgt von Rumänien, Deutschland und Bulgarien. Die wichtigsten Herkunftsländer von Zuwanderern liegen damit wieder in Europa. Erst dahinter folgen Syrien und Afghanistan.

Jeder dritte Wiener im Ausland geboren

Werden die verfügbaren Werte zwischen 2008 und 2017 zusammengerechnet, zeigt sich aber ein anderes Bild. In diesen Jahren vergrößerte sich die Bevölkerungsgruppe der Syrer in Wien, die in Syrien geboren worden sind, um 21.700 Personen. Die Gruppe der Rumänen (mit Geburtsland Rumänien) wuchs um 16.800 Menschen, jene der Deutschen (mit Geburtsland Deutschland) um 15.200, die Gruppe der Afghanen (mit Geburtsland Afghanistan) vergrößerte sich um 14.900. Die Gruppe jener Personen, die in Österreich auf die Welt gekommen sind, wuchs in diesem Zeitraum um 26.100 Personen.

Der Anteil der im Ausland geborenen Bevölkerung stieg im Vorjahr um 0,3 Prozentpunkte auf mehr als 36 Prozent an. Jeder dritte Wiener ist also im Ausland geboren.

Zwei Millionen Einwohner im Jahr 2027

Neben der Zuwanderung spielt die Geburtenbilanz – plus 4.000 im vergangenen Jahr – eine immer wichtigere Rolle. 2018 trug diese bereits 36 Prozent zum Wachstum der Stadt bei, weil die Zuwanderung zurückging.

Die MA 23 rechnet damit, dass die Stadt weiter um rund 11.000 Personen pro Jahr wachsen wird – mit leicht abnehmender Tendenz. Die Zwei-Millionen-Marke soll im Jahr 2027 überschritten werden.

In den vergangenen zehn Jahren legte die Bevölkerungszahl in allen Wiener Bezirken – mit Ausnahme der Inneren Stadt – zu. Die Einwohnerzahl von Donaustadt wuchs gar um 24 Prozent, in Simmering und Favoriten waren es rund 18 Prozent.

Betrachtet man nur das Vorjahr, wurden auch leichte Rückgänge in einigen Bezirken verzeichnet – die größten in Rudolfsheim-Fünfhaus, Alsergrund und der Josefstadt. (Text: David Krutzler; Grafiken: Daniela Yeoh, 11.1.2019)

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Anmerkung: In einer ersten Version des Artikels hieß es: "Die Gruppe jener Personen mit österreichischem Pass, die zwischen 2008 und 2017 nach Wien kam, wuchs um 26.100 Personen."

Korrekt muss es lauten: "Die Gruppe jener Personen, die in Österreich auf die Welt gekommen sind, wuchs in diesem Zeitraum um 26.100 Personen." Wir bedauern den Fehler.