Oft zitierte Studie über Ausbreitung von "Fake News" war selbst falsch

12. Jänner 2019, 11:00

Zusammenhang von Informationsüberflutung und schneller Verbreitung falscher Information nicht haltbar

Dass, wie und warum sich falsche Nachrichten in den sozialen Medien rasch verbreiten, wurde in den vergangen Jahren vielfach erforscht. Eine der in dem Zusammenhang oft zitierten Studien stammte aus dem Juni 2017: Ein internationales Forscherteam um Diego Oliviera (Universität Indiana in Bloomington) berichtete im Fachblatt "Nature Human Behaviour", dass "minderwertige Informationen genauso wahrscheinlich viral werden wie hochwertige Informationen". Die Forscher boten auch eine Erklärung an: die Informationsüberflutung durch die sozialen Medien.

Zwei systematische Fehler

Eineinhalb Jahre nach der Publikation wurde dieses Paper, das unter dem Titel "Limited individual attention and online virality of low-quality information" erschienen war, nun von den Forschern zurückgezogen. Die Autoren begründen diesen Schritt damit, weitere Forschungen hätten zwei Fehler in ihrer eigenen Studie offen gelegt: Zum einen habe ein Programmierfehler einen falschen Wert produziert, zum anderen hätten sie in ihrem statistischen Modell fehlerhafte Daten verwendet.

Das wiederum bedeute, dass die beiden Schlüsselergebnisse dieser Publikation nicht länger wissenschaftlich begründbar sind. Alle anderen Befunde der Publikation blieben aber gültig, so die Autoren.

Ist also auch die Wissenschaft hin und wieder an "Fake News" beteiligt? Sagen wir einmal so: Auch die Forschung kann irren, aber im Normalfall und aufgrund der systemimmanenten Kontrollmechanismen sehr viel seltener als andere Bereiche der Gesellschaft. Und sie reagiert im Normalfall sehr viel korrekter auf eigene Fehler. Quod erat demonstrandum, wie der Lateiner sagt bzw. "was zu beweisen war."

Indirekte Bestätigung durch neue Studie

Im Übrigen dürfte die These von der schnellen Ausbreitung falscher Information selbst nicht ganz falsch sein: Im März 2018 wurde im Fachblatt "Science" die Studie "The spread of true and false news online" publiziert. Das Ergebnis der Forscher vom MIT in Cambridge: Falschmeldungen werden auf Twitter, Facebook & Co. tendenziell häufiger geteilt als authentische Informationen.

Unter den geschätzten etwa zwei Millionen publizierten wissenschaftlichen Aufsätzen im Jahr 2018 wiederum war dieseStudie laut Altmetric die zweiterfolgreichste in Sachen Berichterstattung und Vervielfältigung in sozialen und konventionellen Medien (mit allein gut 7500 Nachrichten auf Twitter). Es scheinen sich mithin aber auch interessante "richtige" Erkenntnisse schnell zu verbreiten. So sie denn nicht falsch sind. (tasch, 12.1.2019)