Längste Haushaltssperre in der Geschichte der USA

12. Jänner 2019, 15:19

Shutdown" wegen Streits um Grenzmauer zu Mexiko begann vor 22 Tagen – Ende nicht in Sicht

Washington – Der teilweise Stillstand der Regierungsgeschäfte unter US-Präsident Donald Trump hat sich zum längsten in der Geschichte der Vereinigten Staaten ausgewachsen. Um Mitternacht (US-Ostküstenzeit; 06.00 Uhr MEZ) wurde der bisherige Rekord des 21 Tage währenden "Shutdowns" von 1995/1996 gebrochen. Die jetzige Haushaltssperre hatte am 22. Dezember begonnen – und ein Ende ist nicht in Sicht.

Grund dafür ist der Streit zwischen Trump und den Demokraten über das vom Präsidenten geforderte Geld für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Da es deshalb nicht rechtzeitig zur Verabschiedung eines Budgetgesetzes kam, können mehrere Ministerien nicht normal arbeiten.

Ein Viertel der Bundesbehörden betroffen

Von der Finanzsperre sind rund 25 Prozent der Bundesbehörden und etwa 800.000 Bundesbedienstete. 420.000 von ihnen müssen nun ohne Bezahlung weiter arbeiten, da ihre Arbeit als unverzichtbar gilt. Die übrigen rund 380.000 wurden in den Zwangsurlaub geschickt. Da die Finanzierung des Außenministeriums betroffen ist, gilt das auch für US-Botschaften weltweit.

Das Weiße Haus kann ebenfalls nicht mit dem vollen Personal arbeiten. Laut einem Notfallplan der Regierungszentrale dürfen von den 359 Vollzeitangestellten lediglich 156 zur Arbeit kommen. Ihre Bereiche gelten als essenziell.

Bevor der Stillstand im Dezember begann, hatte Trump gesagt, er werde die Verantwortung für einen etwaigen "Shutdown" übernehmen. Als es dann aber tatsächlich dazu kam, gab er den Demokraten die Schuld.

Der Republikaner weigert sich, ein Haushaltsgesetz zu unterschreiben, das kein Geld für die von ihm geforderte Mauer an der US-Südgrenze enthält. Die Demokraten, deren Stimmen Trump im Kongress braucht, weigern sich aber vehement. Eine Lösung ist nicht in Sicht, das bisher letzte Gespräch zwischen dem Präsidenten und Vertretern der Demokraten scheiterte, ein neues ist vorerst nicht geplant.

Notstandserklärung als Ausweg

Trump hat damit gedroht, einen "Nationalen Notstand" zu verhängen, sollten die Demokraten bei ihrer Linie bleiben. Eine solche Notstanderklärung gäbe ihm weitreichende Befugnisse, und er könnte versuchen, die Mauer ohne Zustimmung durch den Kongress bauen zu lassen. Einen landesweiten Ausnahmezustand, bei dem Gesetze oder gar Grundrechte außer Kraft gesetzt werden, würde das aber nicht bedeuten.

Am Freitag ruderte Trump wieder etwas zurück. Eine Notstandserklärung sei die einfachste Lösung, aber er werde nicht "so schnell" zu diesem Mittel greifen, sagte der Präsident im Weißen Haus. Er wolle, dass der Kongress seinen Job mache – und deshalb im Moment noch keinen "Notstand" verhängen. Wenn der Kongress sich aber nicht auf die Finanzierung der Mauer einige, müsse er wohl oder übel zu der Maßnahme greifen.

Die Demokraten haben für diesen Fall mit Widerstand gedroht. Die Angelegenheit könnte die Gerichte beschäftigen und der Regierung einen zähen Rechtsstreit bescheren.

In den vergangenen Jahren kam es immer wieder vor, dass der Regierungsapparat wegen Streits zwischen Demokraten und Republikanern stillstand. Der bisher längste "Shutdown" in der US-Geschichte ereignete sich zum Jahreswechsel 1995/1996 unter dem damaligen demokratischen Präsidenten Bill Clinton, weil Republikaner und Demokraten über die Krankenversicherung "Medicare" stritten. Damals war die komplette Regierung betroffen.

Washington ermöglicht trotz "Shutdown" Eheschließung

Wahre Liebe überwindet alle Hindernisse – selbst den "Shutdown" in den USA. Da die mit Bundesmitteln finanzierten Standesämter in der Hauptstadt Washington aufgrund der Haushaltssperre seit drei Wochen zu sind, dürfen nun ausnahmsweise auch Beamte der Stadtverwaltung Eheschließungen vornehmen.

Die Bürgermeisterin von Washington, Muriel Bowser, unterzeichnete am Freitag eine entsprechende Anordnung. Die Abkürzung für die 90 Tage gültige Sonderregelung lautet: "Love".

"Sie können die amerikanische Regierung schließen, aber sie können nicht die Liebe im Distrikt Columbia auslöschen", sagte Stadtrat Brandon Todd bei der Vorstellung des Textes. Die Sonderregelung wollten am Samstag unter anderen Sam Bockenhauer und Claire O'Rourke nutzen. Sie hatten bereits befürchtet, ihre Hochzeitsparty feiern zu müssen, ohne zuvor geheiratet zu haben, sagte O'Rourke der Nachrichtenagentur AFP.

Für andere kam die Verfügung der Bürgermeisterin zu spät. Dan Pollock und Danielle Geanacopoulos standen kurz nach Weihnachten vor den verschlossenen Türen des Standesamts – zwei Tage vor der geplanten Hochzeit. Da waren Familie und Freunde schon auf dem Weg, und so entschloss sich das Paar laut Geanacopoulos, ohne Ja-Wort dennoch zu feiern. "Der Rest konnte warten." Immerhin können die beiden die formelle Eheschließung nun nachholen. (APA,dpa, 12.1.2019)