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Anna Veith mit erneutem Kreuzbandriss

12. Jänner 2019, 16:17

Die Salzburgerin zieht sich beim Training in Südtirol wieder eine schwere Knieverletzung zu

Wien – Erneuter schwerer Rückschlag für Anna Veith: Die Salzburgerin, die heuer nach zwei Knieoperationen wieder an die Weltcup-Spitze herangerückt war, zog sich am Samstag beim Riesentorlauf-Training in Südtirol einen Kreuzbandriss zu. Für Österreichs alpines Damen-Ski-Team war es einen Tag nach der Knieverletzung von Stephanie Brunner der nächste Nackenschlag unmittelbar vor der WM.

Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie lautete die ernüchternde Diagnose. Die 29-Jährige wurde noch am Samstag von Dr. Christian Hoser im Innsbrucker Klinikum Hochrum operiert. Anders als bei Brunner, deren Kreuzband ebenfalls am Vortag beim Training in Pozza di Fassa gerissen war, passierte Veiths Verletzung nicht bei einem Sturz. Sie hatte "nach einem Schwung einen Schlag abbekommen und dann das Training gestoppt", wie der ÖSV in einer Aussendung bekanntgab.

Zuletzt in aufsteigender Form

Veith selbst hatte zuletzt aufsteigende Form bewiesen und war in vier Saison-Riesentorläufen dreimal in die Top Ten (einmal Siebente, zweimal Achte) gefahren. Österreichs Technik-Team steht damit knapp einen Monat vor dem WM-Bewerb in Aare ohne sein Riesentorlauf-Topduo da. Auf der Ausfall-Liste des ÖSV-Teams trugen sich – vor oder während der Saison – mittlerweile acht Namen ein.

Auch Stephanie Brunner fällt mit einem Kreuzbandriss für den Rest der Saison aus.
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Problemstelle Knie

Ob und wie es mit der Karriere der ehemaligen Gesamtweltcup-Siegerin nach ihrer dritten schweren Knieverletzung weitergeht, war zunächst unklar. Ein Statement Veiths gab es mit Verweis auf den schweren "persönlichen Rückschlag" nicht. Der enormen Belastung auf ihre beiden lädierten Knie war sich die Gesamtsiegerin von 2013/14 und 2014/15 stets bewusst gewesen. "Das Skifahren bleibt ein enorm belastender Sport", hatte Veith nach einem für sie "ungewohnten", weil verletzungsfreien Sommer gemeint.

Nach diesem hatte Veith auch den Vertrag mit ihrem Hauptsponsor um drei Jahre verlängert. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel wollte ihr damals das Versprechen abringen, bis 2021 zu fahren. Veiths Antwort: "Wenn das Leben ein Wunschkonzert wäre, könnte ich das versprechen, aber ich muss von Jahr zu Jahr schauen." Es sollte für sie ein Jahr mit einer weiteren schweren Verletzung werden.

Kriechbaum: "Macht nachdenklich"

"Das macht natürlich schon sehr nachdenklich. Die vielen Verletzungen trüben die Laune deutlich", sagte Jürgen Kriechbaum in einer ersten Reaktion. Der Rennsportleiter der ÖSV-Alpindamen muss nicht nur im weiteren Weltcup, sondern auch bei der WM mittlerweile auf gleich mehrere Topfahrerinnen verzichten. "Bitter. Denn der Druck ist bei einer WM ja trotzdem da", sagte Kriechbaum.

Grundsätzlich würde ihn jede Verletzung sehr treffen, egal ob absolute Leistungsträgerin oder nicht, betonte Kriechbaum. "Aber wenn Spitzenleute fehlen, ist es natürlich auffälliger." Skifahren sei weiter ein gefährlicher Sport und man müsse sich des Risikos bewusst sein. "Vor allem, wenn man Spitzenleistungen einfordert. Man kann sich dem nicht entziehen."

Das ÖSV-Damenteam dezimiert sich erneut. "Die vielen Verletzungen trüben die Freude", sagt Rennsportleiter Jürgen Kriechbaum.
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Systemfrage

Ob die manchmal ähnlichen Verletzungsmuster auch auf das Material zurückzuführen sind, ließ Kriechbaum offen. Im Damenbereich hatte man seinerzeit die Radius-Änderungen der Rennski bei weitem nicht so extrem betrieben wie bei den Herren.

"Material-Diskussionen kommen speziell bei Verletzungen nach Bagatell-Stürzen schnell auf", so Kriechbaum. Der Ski-Radius sei aber nur ein Teil der Frage. "Man muss sich auch die Kraftübertragung und den Dämpfungsmechanismus ansehen", sprach der erfahrene Coach etwa auch das ganze System Bindung, Platte, Skischuh an. (APA, 12.1.2019)