Sozialunternehmen entließ vorbestraften Ex-Finanzjongleur

15. Jänner 2019, 15:45

Kritik an Sozialunternehmen wegen Einstellung eines verurteilten früheren Finanzjongleurs – Offene Fragen werden geprüft

Feldkirch – Das Sozialunternehmen Integra trennte sich von seinem Personalmanager Michael S. Wie DER STANDARD berichtete, wurde ein wegen Millionenbetrugs zu acht Jahren Haft verurteilter Deutscher als Personalmanager eingestellt. Wie sich nach Kritik von Neos und SPÖ herausstellte, hat S. noch eine Haftstrafe in der Schweiz offen. Diesen Umstand hatte er dem Unternehmen nicht mitgeteilt. Das Dienstverhältnis wurde beendet.

S. war groß im Sportsponsoring tätig, hatte ein Firmengeflecht in Liechtenstein und der Schweiz. Niki Lauda führte die drei Buchstaben der Money Service Group auf seinem Kapperl spazieren. Bis ruchbar wurde, dass der deutsche Finanzjongleur Scheingeschäfte mit Finanzprodukten gemacht und zahlreiche Anleger betrogen hatte.

Das große Geschäft endete mit einer Verurteilung zu sieben Jahre Haft wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs durch das Landesgericht Liechtenstein 2012 und einer weiteren Haftstrafe von einem Jahr in der Schweiz, die 2018 rechtskräftig wurde. Schadensumme: 80 Millionen Euro.

Heute scheint S., er trägt nun einen anderen Vornamen, geläutert zu sein. Er arbeitet beim Vorarlberger Sozialunternehmen Integra als Bereichsleiter Personalentwicklung. Und macht dort einen guten Job, "hat sich hochgearbeitet", wie Geschäftsführer Stefan Koch betont. Und: "Er hat nichts mit Finanzen zu tun."

Parlamentarische Anfrage

Nun kamen aber durch eine parlamentarische Anfrage des Neos-Abgeordneten Gerald Loacker Zweifel auf, ob S. alle Strafen bereits abgesessen hat und für eine Führungsposition geeignet ist. "Direkt aus Haft in Führungsposition mit Budgetverantwortung", erscheint Loacker "eigenartig".

Seine Zweifel teilt auch AK-Vizepräsidentin Manuela Auer (SPÖ). Die Arbeiterkammer ist mit 38,2 Prozent größte Gesellschafterin von Integra. Auer: "Integra ist eine äußerst wichtige Einrichtung, die unter anderem Langzeitarbeitslosen bei der Wiedereingliederung hilft und dafür auch Förderungen vom AMS erhält. Umso wichtiger ist es, dass gerade Integra die soziale Verantwortung ernst nimmt."

Auer wie Loacker sind sich einig, dass jeder Mensch nach einem Fehler eine zweite Chance verdiene. "Allerdings nur, wenn alle Vorwürfe aus dem Weg geräumt werden", sagt Manuela Auer. So müsse Integra überprüfen, ob S. in der Schweiz noch eine Haftstrafe offen habe.

Angaben des Anwalts

Bei der Einstellung von S. habe sich Integra auf die Angaben seines Anwalts verlassen, sagen Koch und AK-Direktor Rainer Keckeis. Man werde diese Angaben nun prüfen lassen. Keckeis sieht die bevorstehende AK-Wahl als Auslöser für die Aufregung um S. Im Übrigen trage die Arbeiterkammer keine Verantwortung für das operative Geschäft von Integra. (Jutta Berger, 5.1.2019)