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Nicht alles, was sich bewegt, ist ein Wettlauf.

Foto: DPA/Matthias Balk

Paris – In Österreich plant die Regierung eine Reduktion der Steuerlast von Unternehmen, auch in mehreren anderen Ländern steht die Senkung der Körperschaftsteuer auf der Tagesordnung. In den USA kam es 2017 zur deutlichen Verringerung der Steuerlast, in Großbritannien, Belgien oder Frankreich stehen ähnliche Maßnahmen bevor oder sind in Diskussion. Kritik am Steuerwettbewerb nach unten wird daher regelmäßig laut. Doch eine neue Untersuchung der OECD bestätigt die angebliche Tendenz nicht.

Die Industriestaatenorganisation hat sich die Besteuerung der Unternehmen in 88 Ländern angesehen. Das Ergebnis: Der Anteil der Einnahmen aus der Körperschaftsteuer am gesamten Steueraufkommen stieg im Zeitraum von 2000 bis 2016 von zwölf auf 13,3 Prozent an. Auch der Anteil der Gewinnsteuern am Bruttoinlandsprodukt nimmt zu. Er legte in selbiger Periode von 2,7 auf drei Prozent zu.

Absolute Sätze sinken

Die Entwicklung steht vordergründig im deutlichen Widerspruch zu den nominellen KÖSt-Sätzen, die tatsächlich massiv sinken. Und zwar seit dem Jahr 2000 von 28,6 auf 21,4 Prozent im Vorjahr. Das zeigt schon, wie wenig aussagekräftig die Steuertarife sind, wenn sie isoliert betrachtet werden. Ausnahmen, Abschreibemöglichkeiten, steuerliche Förderungen und andere Punkte sind mindestens ebenso wichtig für das Ausmaß der tatsächlichen Steuerlast wie die Steuersätze.

Harter Konkurrenzdruck

Das gilt auch, aber nicht nur für Österreich. Einem KÖSt-Satz von 25 Prozent steht ein effektiver Steuertarif auf die Gewinne von 23,7 Prozent gegenüber, geht aus den OECD-Daten hervor. Allerdings zeigen die Zahlen auch, dass der Konkurrenzdruck der Nachbarländer groß ist. Vor allem Ungarn mit 9,9 Prozent umgarnt Unternehmen, auch die Slowakei, Tschechien (20,6), Italien (22,1), Slowenien (17,9) oder die Schweiz (19,5) haben niedrigere Sätze. Deutschlands effektiver Steuersatz ist mit 27,3 Prozent hingegen höher. (Andreas Schnauder, 15.1.2019)