imago/ZUMA Press

Autobauer bringen Trump in Detroit ihre Gaben

15. Jänner 2019, 17:13

In Detroit trifft sich seit über hundert Jahren die Autowelt. Derzeit sind vor allem die deutschen Hersteller bemüht, den US-Präsidenten zu besänftigen

Die Show hat Las Vegas der Autobranche gestohlen. Zwar ist die kürzlich zu Ende gegangene Consumer Electronics Show (CES) keine Automesse, zum Aushängeschild für Autobauer und Zulieferer ist sie schon länger geworden. Auf der großen Bühne der Fachmesse für Unterhaltungselektronik spielt heute die Musik – auch für Autobauer. Internet der Dinge, schneller Mobilfunkstandard, künstliche Intelligenz, Smart Cities, Smart Home, in diesem Kosmos ist das Auto nur ein Teil davon. Streaming-Dienste, autonom fahrende Autos, die Zukunft des Infotainments in einem vernetzten Auto, das ist die Zukunft, von der heute gerne erzählt wird.

In Glaskugeln schaut man heutzutage nicht mehr. Ob in der virtuellen Brille die Zukunft zu sehen ist, wird Bill Ford (Mitte), Urenkel von Ford-Gründer Henry, in Detroit wohl erfahren.
imago/zuma press

Man sonnt sich im Glanz, der früher vor allem dem polierten Stahl und vielen Pferdestärken unter der Motorhaube zuteilwurde. Letzteres gibt es immer noch zu sehen – auf Traditionsveranstaltungen wie der Automesse in Detroit. In Las Vegas müssen sich die Autobauer die Bühne teilen – mit Amazon, Alibaba und anderen Playern aus der Technologiebranche, die in der vernetzten Zukunft ein gewichtiges Wort mitreden wollen. Werden dort große Töne gespuckt, ist die Stimmung in der alten Industriemetropole Detroit gedämpft. Spuren der großen Finanzkrise sind immer noch zu sehen, die Messe ist auf dem absteigenden Ast, Produktpräsentationen sind rar. Die Autowelt ändert sich rasant, die Messekonzepte aus der alten Autowelt haben wohl bald ausgedient. Es ist zum letzten Mal, dass die vor über 100 Jahren ins Leben gerufene Veranstaltung kurz nach der CES stattfinden soll. Man will sie in den Sommer verlegen.

Drohende Zölle

Angesichts der aktuellen Herausforderungen in der Branche ist das allerdings wohl das kleinere Problem. Konjunktursorgen und drohende US-Zölle auf Importwagen drücken die Stimmung auf der größten nordamerikanischen Automesse. Denn die Kapriolen des US-Präsidenten belasten Aktienkurse und Konjunktur. Die Materialkosten bei Autobauern wie Ford sind durch die Zölle und Unsicherheiten gestiegen und haben die Gewinne gedrückt. Bei Fiat Chrysler dürften die Sonderzölle auf Stahl und Aluminium die Kosten heuer um 300 bis 350 Millionen Dollar erhöhen. Fiat-Chrysler-Chef Mike Manley spricht von einer Verteuerung von 135 bis 160 Dollar je Auto. Auch der Shutdown führt laut Manley zu Problemen, er verzögert die Zulassung eines neuen wichtigen Pick-up-Modells.

Vor allem deutsche Autobauer sind derzeit um gut Wetter bemüht.
foto: reuters/brendan mcdermid/

Außerdem läuft die Zeit des billigen Geldes zur Ankurbelung der US-Konjunktur ab. Die durch staatliche Zuschüsse günstigeren Kredite von 7.500 US-Dollar beim Kauf von Elektroautos wurden zu Beginn des Jahres halbiert. Das macht das Leben auch Tesla und General Motors schwer, die in den letzten fünfzehn Monaten mehr als 200.000 Elektroautos in den USA verkauft haben.

Dazu kommt, dass 2019 der Automarkt in den USA schrumpfen wird. Davon gehen Experten wie der deutsche Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer aus. Nach seiner Einschätzung wird der US-Automarkt heuer um vier Prozent auf 16,6 Millionen Neuwagenverkäufe zurückgehen. Zusätzliche Zölle zwischen den USA und Europa sind da nicht eingerechnet. Wird aus der Zolldrohung des US-Präsidenten Ernst, könnte das schnell zu weiteren schmerzhaften Bremsspuren führen. Auch für deutsche Autobauer, die ohnehin in den USA um jedes Quäntchen Marktanteil kämpfen, unerfreuliche Aussichten. Seit Jahren kommen sie dort kaum vom Fleck.

Klaus Bräunig, Geschäftsführer des deutschen Branchenverbands VDA, formuliert es gegenüber der deutschen Presseagentur so: 2018 hätten die deutschen Hersteller auf dem US-Markt 1,34 Millionen Autos verkauft und damit das Vorjahresniveau und ihren Marktanteil bei acht Prozent gehalten. Hohe US-Zölle, wie von Trump wiederholt angedroht, würden den Marktanteil wohl weiter schrumpfen lassen.

Viel Stahl: Pick-ups sind in den USA beliebt. Ford und VW wollen sich gemeinsam um ihre Entwicklung kümmern.
foto: reuters/rebecca cook

Dabei sind die deutschen Branchengrößen ohnehin um gut Wetter bemüht. "2018 waren rund 118.000 Mitarbeiter in ihren Werken direkt beschäftigt, davon mehr als 80.000 bei unseren Zulieferern", so Bräunig. Gegenüber 2018 sei die US-Beschäftigung der deutschen Firmen um etwa 8.000 Stellen gestiegen. Damit würden die deutschen Hersteller "einen zentralen Beitrag zum amerikanischen Wohlstand" leisten.

Weitere Zugeständnisse sind auf Schiene. VW will in seinem Werk Chattanooga 800 Millionen US-Dollar (694 Millionen Euro) investieren und tausend neue Jobs schaffen – um seine E-Mobilitätsaktivitäten hochzufahren. Dafür gibt es präsidial gezwitschertes Lob: "Gratulation für Chattanooga und Tennessee zu einem gut gemachten Job", so Trump.

Globale Allianz

Das Ende der Fahnenstange ist das nicht. Möglicherweise gehen VW und Ford bei E-Autos künftig gemeinsame Wege, um Kosten zu sparen. Fix ist, dass sich die Konzerne bei der Entwicklung von Transportern und Pick-ups für den globalen Markt ab 2022 zusammentun – zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, wie es heißt. Weitere Zusammenarbeit in Sachen autonomes Fahren und Mobilitätsdienste wird nicht ausgeschlossen. Denn sowohl in Las Vegas als auch in Detroit gilt: Auch das Auto von morgen fährt den ökonomischen Zwängen nicht davon. (Regina Bruckner, 15.1.2019)