Russlands Autobauer fürchten US-Sanktionen

15. Jänner 2019, 17:38

Russlands Pkw-Produzenten freuen sich über gutes Ergebnis im Vorjahr, doch die Aussichten sind unklar

Moskau – Während die westeuropäischen Märkte stagnieren, hat Russland beim Neuwagenverkauf 2018 deutlich zugelegt. Nach Angaben der Assoziation des Europäischen Business (AEB) in Russland stieg der Absatz um 12,8 Prozent auf fast genau 1,8 Millionen Pkw. "Im Dezember lag das Verkaufsplus bei 5,6 Prozent über dem Vorjahresergebnis, damit haben wir zwölf Monate ununterbrochenes Wachstum gehabt", erklärte der Chef des Automobilkomitees beim AEB Jörg Schreiber bei der Vorstellung der Ergebnisse.

Schwächeres Wachstum

Das schwächere Wachstum zum Jahresende erklärte Schreiber mit den Vergleichswerten vom Vorjahr, die zu Jahresbeginn 2017 niedrig, zum Ende hingegen schon "relativ hoch" waren. 2017 wuchs der russische Markt um 11,9 Prozent. Heuer wird Russlands Automarkt nach AEB-Prognose das dritte Jahr in Folge wachsen – allerdings bei Weitem nicht mehr so stark wie in den beiden Vorjahren. Schreiber hofft 2019 auf 3,6 Prozent Zuwachs.

Mehr noch: Gerade zu Jahresbeginn ist sogar ein Rückgang der Verkaufszahlen möglich. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer um zwei Prozent hat viele Russen dazu bewegt, noch im alten Jahr einen neuen Wagen zu kaufen. Hinzu kommt der Unsicherheitsfaktor Sanktionen. Bereits im Februar könnte die nächste Portion an US-Strafmaßnahmen gegen Russland folgen. Bisher ging der Rubel auf solche Schritte regelmäßig in die Knie. "Das Jahr 2019 wird angesichts der geopolitischen Tendenzen, die wir sehen, nicht einfach", warnte auch AEB-Chef Frank Schauff.

Preissteigerungen möglich

Eine Rubelabwertung hätte zwangsläufig Preissteigerungen bei Pkw zur Folge. Zwar haben inzwischen fast alle großen Produzenten und zudem einige Zulieferer wie Magna in Russland Werke – heuer will auch Daimler im Gebiet Moskau eine Fabrik eröffnen, der Autobauer BMW ist ebenfalls mit der Regierung in Verhandlungen über eine eigene Produktionsstätte – aber viele wichtige Bauteile werden nach wie vor importiert.

Am wenigsten davon wäre noch der einheimische Autobauer Avtovaz betroffen, der seit 2014 mehrheitlich zum Renault-Konzern gehört. Der von Avtovaz produzierte billige Lada ist nach wie vor die beliebteste Automarke der Russen. Der Konzern profitiert davon, dass viele Russen zwar ein neues Auto brauchen, aber dabei genau rechnen müssen. Inzwischen ist jeder fünfte neuzugelassene Pkw in Russland ein Lada.

Schwierige Lage

Überdurchschnittlich zugelegt hat im Vorjahr auch VW, die eigene Marke wuchs um fast 19 Prozent, bei den Skoda-Modellen, die ebenfalls in Kaluga und Nischni Nowgorod vom Band laufen, sogar um gut 30 Prozent. Dennoch nennt Lars Himmer, Managing Director von VW in Russland, die aktuelle Lage schwierig. Der Konsum lahmt aufgrund der seit Monaten schrumpfenden Realeinkommen der Russen, zudem bremsen Mehrwertsteuererhöhung und der Wegfall staatlicher Subventionen beim Autokauf den Markt zusätzlich. Gerade zu Jahresbeginn wird es seiner Ansicht nach zäh laufen. (ab, 15.1.2019)