EZB wird strenger zu Rom

15. Jänner 2019, 18:15

Das von der Regierung in Rom als "Diktat" der EZB kritisierte Programm zum Abbau fauler Kredite bis 2026 kostet Italiens Bankensektor 15 Milliarden Euro.

Mailand – Nach der Rettung der Genueser Sparkasse, den Problemen der Volksbank von Bari steht Monte dei Paschi di Siena (MPS) neuerdings im Fokus. Nach einer Warnung der EZB vor "beträchtlichen Herausforderungen" samt Aufforderung zur Beschleunigung des Abbaues notleidender Kredite (NPL) wurde die Aktie der Bank am Dienstag vom Handel an der Mailänder Börse ausgesetzt.

Aber die EZB setzte noch eines drauf und verfügte, dass sämtliche unter ihrer engeren Kontrolle stehenden Banken (119) ihre Non Performing Loans (NPL) bis 2026 voll abschreiben müssen. Das trifft italienische Banken am stärksten. Laut Bankenverband ABI machten die Brutto-NPL zu Jahresmitte 2018 rund 225 Milliarden Euro aus.

An der Mailänder Börse kam es am Dienstag zu einem Kurssturz der Bankaktien. Vor allem Aktien mittelgroßer Banken wie Ubi Banca, Banco Popolare di Milano (BPM) oder Volksbank BPER gaben bis zu zehn Prozent nach. Laut Studie der Mediobanca kostet die von der EZB verfügte Beschleunigung des Abbaus den Banksektor 15 Milliarden Euro.

Innenminister Matteo Salvini redete sich gegen die EZB und ihren Chef Mario Dhragi in Rage: Mit ihrem "Diktat" füge sie italienischen Sparern schweren Schaden zu, Staatssekretär Giancarlo Giorgetti schloss neue Interventionen der Regierung in Rom nicht aus. Zentralbankgouverneur Ignazio Visco rechtfertigte die Bankenrettungen: Es musste schwererer Schaden von Bankensystem und Wirtschaft abgewendet werden. Solche Hilfen kosteten weniger als eine Pleite. (tkb, 15.1.2019)