Foto: Russkäfer

Drücken, damit der Schmerz vergeht

21. Jänner 2019, 11:58

Patrick Rudelstorfer arbeitet an einer Studie bezüglich Osteopressur

Schulterschmerzen und damit einhergehende Beeinträchtigungen des Bewegungsapparats sind für viele Menschen ein Problem, dem nicht leicht beizukommen ist. Die klassischen Behandlungsmethoden stoßen immer wieder an ihre Grenzen. Derzeit läuft in Oberösterreich unter dem Titel "Osteopressur bei subakromialem Schmerzsyndrom" eine Studie zur Erforschung eines vielversprechenden neuen Ansatzes.

Initiator der vermutlich einzigartigen Vorreiterstudie ist Patrick Rudelstorfer. Der 28-Jährige studierte zunächst Humanbiologie an der Universität Wien. Nach dem Bachelortitel wechselte er zur Physiotherapie an der Fachhochschule Gesundheitsberufe Oberösterreich (FH Gesundheitsberufe OÖ). Derzeit arbeitet er in Steyr gemeinsam mit einem Forschungsteam an der FH in Kooperation mit dem Universitätslehrkrankenhaus der Kepler-Universität Linz an der Studie. Im April soll sie abgeschlossen sein.

Mit der Osteopressur kam Rudelstorfer bereits vor dem Studium in Berührung. Den Anstoß zur Forschungsarbeit erhielt der Physiotherapeut von einer Institution, seinen Angaben zufolge über positive Erfahrungen mit dieser Methode. Die im fernöstlichen Kampfsport wurzelnde Osteopressur ist eine relativ junge Therapiemethode, die erst seit etwa zehn Jahren vor allem im deutschsprachigen Raum größere Verbreitung gefunden hat.

Empfindliche Punkte suchen

Im Kampfsport geht es darum, dem Gegner mithilfe bestimmter, in der Knochenhaut gelegener, besonders empfindlicher Punkte Schmerzen zuzufügen. Genau diese Punkte werden bei der Osteopressur vom Therapeuten dazu genutzt, um durch manuelle Stimulation Schmerzen zu beseitigen oder zumindest zu lindern.

Was noch fehlt, ist laut Rudelstorfer die wissenschaftliche Untermauerung der Wirksamkeit der Methode sowie die akademische Anerkennung vonseiten der Fachwelt.

Dafür soll die aktuelle Studie die Weichen stellen. Insgesamt sind dazu 40 Testpersonen erforderlich. Derzeit ist die Arbeit mit rund 20 Personen abgeschlossen. Die Testpersonen müssen jeweils drei Termine im Landesklinikum Steyr wahrnehmen. Der Abschluss der systematischen Aufarbeitung der Ergebnisse ist bis September 2019 geplant. Dann sollen sie in einem möglichst renommierten Fachjournal veröffentlicht werden.

Rudelstorfer ortet für die Osteopressur jedenfalls ausreichend Bedarf: "Aktuelle Studien zeigen, dass Schulterschmerzen etwas sehr Häufiges sind. Möglicherweise hat das damit zu tun, dass viele Berufe mit einseitigen Tätigkeiten, wie etwa am Fließband stehen oder am Computer sitzen, Fehlhaltungen bedingen, die durch repetitive, einseitige Bewegungen der Arme entstehen."

Wenn er nicht gerade seinem Forscherdrang nachgeht, holt sich Rudelstorfer Energie als Mitglied in einem Vokalensemble: "Seit zwölf Jahren bin ich bei einem großen Chor. Wir sind auf sechs bis acht Hochzeiten im Jahr engagiert." Derzeit ist er sogar interimistischer Chorleiter. (ast, 16.1.2019)