Foto: REUTERS/NASA/JPL-Caltech/SSI

Neue Studie bestätigt Kurzlebigkeit der Saturnringe

19. Jänner 2019, 12:21

Forscher werten Daten der Cassini-Sonde aus – Ergebnis: Die Ringe sind frühestens in der Kreidezeit entstanden

Leider ein Naturwunder mit Ablaufdatum. Wer genau hinschaut, wird "in" den Ringen übrigens drei helle Punkte erkennen: Das sind Erde, Mars und Venus.
foto: reuters/nasa/jpl-caltech/ssi

Washington – Ist der Saturn vor über vier Milliarden Jahren zusammen mit seinen prächtigen Ringen entstanden oder hat sich sein heutiges Wahrzeichen erst (viel) später entwickelt? Darüber wurde lange gerätselt – in den letzten Jahren hat sich jedoch allmählich eine klare Antwort herausgeschält: Die Ringe sind erheblich jünger als der Planet, bilanzierte unisono eine ganze Reihe von Studien in den vergangenen Jahren.

Zum gleichen Ergebnis kam nun auch ein Paper, das im Fachmagazin "Science" erschienen ist und auf jüngsten Flugdaten der Saturnsonde Cassini beruht. Ein Team um Luciano Iess von der Universität Rom wertete die Daten aus und kam zum Schluss, dass die heutigen Ringe maximal ein Alter von 100 Millionen Jahren haben können, also mitten in der Kreidezeit entstanden wären. Möglicherweise sind sie sogar nur zehn Millionen Jahre alt.

Hier noch einmal die Erde nebst Mond in einem vergrößerten Ausschnitt.
foto: reuters/nasa

Wie die Ringe entstanden sind, war nicht Thema der Studie. Laut einer gängigen Hypothese könnten kleine Eismonde miteinander kollidiert und dabei in Fragmente von Staubkorngröße bis zu mehreren Metern Durchmesser zerborsten sein, die sich schließlich in Ringform um den Planeten anordneten.

Nur ein kurzes Zwischenspiel im "Leben" des Saturn

Die Cassini-Sonde war im Herbst 2017 am Ende ihrer Mission 22 Mal zwischen Saturn und seinen Ringen hindurchgetaucht. Aus Cassinis Radiosignalen konnten die Forscher die Flugbahn nun exakt rekonstruieren, wie die an der Arbeit beteiligte Universität von Kalifornien in Berkeley berichtet.

Auf diese Weise ließen sich die Ringe, die aus einer Ansammlung unterschiedlich großer Eisteilchen bestehen, über ihre Schwerkraftwirkung "wiegen". Sie haben demnach nur 40 Prozent der Masse des kleinen Saturnmonds Mimas, der wiederum 2.000 Mal kleiner ist als der Mond der Erde. Aus früheren Untersuchungen ist bekannt, dass Masse und Alter der Saturnringe direkt miteinander zusammenhängen müssen. Die relativ kleine Masse bedeutet, dass die Ringe noch jung sind.

Und sie werden – in kosmischen Dimensionen gedacht – auch nicht viel älter werden: Die Cassini-Daten zeigen nämlich auch, dass Eisteilchen aus den Ringen in größerer Menge auf den Saturn hinabregnen als angenommen. Durch den laufenden Masseverlust werden die Ringe in weniger als 100 Millionen Jahren wieder verschwunden sein, wie ein Team um NASA-Forscher James O"Donoghue kürzlich im Journal "Icarus" berichtet hatte. (red, APA, 19. 1. 2019)