Foto: ap, Peter Klaunzer

Facebook-Gruppe Adelsaufhebungsgesetz: Ein Kampf ums Von

20. Jänner 2019, 15:00

Traurig, dass ein Schweizer kommen muss, um mehr als 2000 hiesigen "Vons" auf die Sprünge zu helfen

Man muss schon "Die Presse" lesen, um auf dem Laufenden zu bleiben, was die wirklich wichtigen Ereignisse im Staate Österreich betrifft. Träger eines "von" im Namen formieren sich, hieß es Donnerstag unter Inland, denn das Adelsaufhebungsgesetz soll geeint bekämpft werden. Es ist erstaunlich, dass die Regierung Kurz/Strache sich dieses brennenden Problems noch nicht angenommen und eine Lösung für das Jahr 2027 angekündigt hat. Also muss ein Ausländer her, um ihr auf die Sprünge zu helfen. Niklaus von Steiger trägt seinen Namen stolz. Der in Dornbirn lebende Veterinärmediziner darf das auch, denn er ist Schweizer. Dass seiner österreichischen Frau aber das "von" im Namen verwehrt bleiben soll, stört den Mann.

Ob es auch die Frau stört, blieb offen und war der "Presse" offenbar ebenso egal wie die naheliegende Möglichkeit, einfach in die Schweiz zu ziehen, wo auch die Frau eines "von" in ihrem Namen frönen könnte. Der Veterinär fühlte sich hingegen so gestört, dass er nun alle Leute mit einem "von" im Namen in Österreich zusammenbringen wolle, wie er der "Presse" erklärte. Mehr als 2000 österreichische Staatsbürger würden noch ein "von" im Namen tragen. Sie will er in seiner neuen Facebook-Gruppe namens "Adelsaufhebungsgesetz" einen, damit das Tragen eines "von" als bürgerlicher Namensbestandteil anerkannt wird.

Traurig, dass ein Schweizer kommen muss, um mehr als 2000 hiesigen "Vons" auf die Sprünge zu helfen, aber man wird das Gefühl nicht los, er falle damit Wilhelm Tell in den Rücken. "Die Presse" lässt uns im Unklaren, warum man ein Adelsaufhebungsgesetz benötigt, wenn man doch nur einen bürgerlichen Namensbestandteil erwerben will. Das weiß vermutlich nur ein Veterinär. Nicht im Unklaren lässt uns das Blatt über seinen Begriff von Aktualität, heißt es doch: Auch wenn das Tragen von Adelsbezeichnungen schon 1919 verboten wurde, ist das Thema aktuell.

Von Steiger will nun aber mit einer "Beschwerdeflut" aller Österreicher, denen das "von" aberkannt wird, Druck auf Gerichte und Politik aufbauen. Er weiß vielleicht noch nicht, dass im Landes des verbotenen "Vons" auch Ehefrauen rechtsfähig sind, Frau Steiger im Fall vorhandenen Interesses das Aufbauen einer "Beschwerdeflut" also nicht einem Ausländer überlassen müsste. Wenigstens diesen Hinweis hätte sich "Die Presse" bei aller Devotion vor dem Adel gestatten können.

Eine Beschwerdeflut würde auch gern Andreas Mölzer, blauer Chefideologe, erzeugen, und zwar gegen den ORF. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat mit komplett gelogenen Texten agiert, behauptete er in der letzten Nummer von "Zur Zeit", kühn, aber ohne auch nur den Funken eines Beweises anzubieten. Ständig wird auf allen Kanälen des ORF gegen die bösen Rechten agitiert, gegen die "Rotzbuben" der FPÖ, wird für Migration geworben, werden linke Positionen ebenso scham- wie schrankenlos hochgejubelt. Dass es sich bei den "Rotzbuben" der FPÖ, wie er selber schreibt, um ein Copyright Altjägermeister Konrad handelte, von dem der ORF pflichtgemäß nur berichtend Gebrauch machte, sollte dabei verwischt werden.

Wirklich gekränkt fühlte er sich in seiner Autorenehre. Man stelle sich beispielsweise vor, im ORF würde das jüngste Buch des Autors dieser Zeilen — also Mölzers – "Österreich eine Provokation" in der ZIB 1 vorgestellt und damit beworben. Mit Recht wäre ein Aufschrei und wildester Protest die Folge. Dieser Einschätzung kann man problemlos folgen. Umgekehrt darf das jüngste Werk des linken Kabarettisten und Polemikers Florian Scheuba, der in schöner Regelmäßigkeit im "Standard" gegen FPÖ und Regierung agitiert, sehr wohl in der ZIB 1 präsentiert werden.

Bekanntlich ist nicht alles, was hinkt, auch schon ein Vergleich. Der ORF leistet für Mölzer durch das Ausblenden seines jüngsten Buchs wesentlich mehr als er je für Scheuba tun könnte, erspart der öffentlich-rechtliche Rundfunk ihm damit die Peinlichkeit, der Esprit seiner Polemiken gegen die dort wirkenden Journalisten könnten über "Zur Zeit" hinaus noch häufiger an die Öffentlichkeit gelangen, als dies ohnehin der Fall ist. Es geht einfach um Qualität.

Er muss sich nur gedulden. Wenn diese Regierung den ORF einmal reformiert hat, bekommt er sicher seine Chance. Dann ist es endlich damit vorbei, dass sich der ORF als die einzige wirkliche Opposition ganz offen gegen die neue Mitte-Rechts-Regierung positioniert. Echt wahr. (Günter Traxler, 20.1.2019)