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Karoline Edtstadler soll in der EU die harte Türkise verkörpern

Kopf des Tages |
20. Jänner 2019, 17:48

Von der Regierungsbank ins EU-Parlament: Staatssekretärin Karoline Edtstadler tritt für die ÖVP als Listenzweite bei der EU-Wahl an

Karoline Edtstadler trägt mit Leidenschaft Pantone 7709. Ein Ohrstecker, die Bluse, der Lack auf ihren Nägeln – ein Kleidungsstück, ein Accessoire, irgendetwas an ihr erstrahlt fast immer in jenem Farbton, den Sebastian Kurz auch der Volkspartei verpasst hat. Manchmal, im richtigen Licht, funkeln sogar ihre Augen in dem eisigen Blau.

Aber nicht nur oberflächlich ist die Staatssekretärin im Innenressort eine stramme Türkise. Verinnerlicht hatte Edtstadler den Kurs der aktuellen Regierung vermutlich schon, bevor diese überhaupt gebildet wurde. Während viele der von Kurz in die ÖVP geholten Quereinsteiger bis heute farb- und erfolglos blieben, entpuppt sich Edtstadler als wahrer Glücksgriff: resolut, seriös, loyal – sie ist das perfekte Sprachrohr eines gesitteten Law-and-Order-Programms.

Betont migrationskritisch

Die 37-jährige Juristin bildet damit als Listenzweite auch den idealen Gegenpart zu Othmar Karas, dem europaliebenden Liberalen, der die Volkspartei als Spitzenkandidat in die EU-Wahl führen wird. Eine glühende Europäerin ist Edtstadler zwar auch, aber doch wesentlich strenger und betont migrationskritisch. "Ich stehe für null Toleranz", sagt sie gerne in Interviews, wenn es um Verschärfungen des Strafrechts geht – eine Formulierung, für die in früheren Zeiten vor allem Rechte bekannt waren.

Aufgewachsen ist die Tochter des früheren Salzburger Landtagsdirektors Karl Edtstadler in Elixhausen, wo sie in der Musikkapelle Oboe spielte. In Henndorf am Wallersee war Edtstadler Anfang der 2000er-Jahre Gemeinderätin für die ÖVP. Mit 19 Jahren wurde sie schwanger.

Lupenreine Juristenkarriere

Ihr Jusstudium zog sie trotzdem durch und legte eine lupenreine Juristenkarriere hin. Einige Jahre urteilte sie als Strafrichterin am Landesgericht Salzburg. Bevor sie ins Innenministerium wechselte, arbeitete sie als juristische Mitarbeiterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Straßburg kennt sie also bereits, das Pendeln – ihr Sohn lebt in Salzburg im Haus ihrer Eltern – auch.

Bei ihrer Angelobung als Staatssekretärin hieß es, sie werde Innenminister Herbert Kickl als Aufpasserin ins Haus gesetzt. Selbst hat Edtstadler das stets bestritten und ihr gutes Verhältnis zu dem Freiheitlichen betont. Dennoch könnte man sagen: Aufpasserin ist sie irgendwie schon wieder. Karas wurde vor allem deshalb ÖVP-Erster, weil er sonst wohl eine eigene Liste gegründet hätte. Womöglich hat sie mit ihm nun mehr Arbeit als mit Kickl. (Katharina Mittelstaedt, 21.1.2019)