Foto: APA/DANIEL WEBER

Burschenschafter mit erhobenem Arm bestreitet Hitlergruß

25. Jänner 2019, 14:49

Fotos zeigen einen Mann mit erhobenem rechten Arm in Bude der Gothia – er bestreitet Hitlergruß, die FPÖ droht mit Parteiausschluss

Wien – Das Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung prüft Bilder, die offenbar ein Mitglied der deutschnationalen Burschenschaft Gothia beim Hitlergruß zeigen. Aufgenommen wurden die Bilder laut einem israelischen Journalisten, der sie via Twitter verbreitete, bei der Donnerstagsdemo vor dem Haus der Burschenschaft in Wien.

Die Wiener Polizei sagte, dass man die Fotos kenne und dem Landesamt für Verfassungsschutz zur Prüfung weitergeleitet habe. Der Fotograf, der die Donnerstagsdemos regelmäßig begleitet, war vorerst nicht erreichbar. Die Burschenschaft wollte auf telefonische Nachfrage der APA nicht kommentieren, ob es sich bei dem abgebildeten Mann um ein Mitglied der Verbindung handelt, und legte sofort wieder auf: "Dazu kann ich keine Auskunft geben. Vielen Dank, wiederhören."

FPÖ droht mit Parteiausschluss

Auf den Bildern ist zu sehen, wie ein junger Mann offenbar im Haus der Burschenschaft Gothia mit erhobener Rechter am Fenster steht und dabei vom Nachbarhaus aus beobachtet wird. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Der auf dem Bild zu sehende Mann ist offenbar FPÖ-Mitglied. In einer Aussendung am Freitag drohte FP-Generalsekretär Christian Hafenecker im Fall einer Bestätigung der Vorwürfe mit Parteiausschluss. Zuvor forderte Hafenecker aber eine "lückenlose Aufklärung" anhand von Videomaterial. Der Fotograf des Bildes meinte auf APA-Anfrage, der darauf zu sehende Mann habe wohl provozieren wollen.

"Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen uns, dass bei Standbildern oftmals ein komplett konträres Bild erzeugt wird", meinte Hafenecker mit Blick auf die via Social Media verbreiteten Fotos. "Daher sind auch im gegenständlichen Fall Bewegtbilder notwendig, um eine objektive Einschätzung treffen zu können", so der FP-Generalsekretär. Auch beim FP-Neujahrstreffen habe der Verdacht, ein Besucher habe gegen Ende der Veranstaltung einen Hitlergruß gezeigt, nämlich mit Video- und Tonmaterial widerlegt werden können.

Mann will nur gewunken haben

Der auf dem Foto abgebildete Mann hat die Vorwürfe am Freitag zurückgewiesen. "Ich habe keinen 'Hitlergruß' gezeigt. Das Foto entstand, als ich – durch die Schmähungen und Angriffe auf das Haus der Burschenschaft provoziert – den Demonstranten zugewunken habe", hieß es in einer E-Mail an die APA. Es handle sich um eine Momentaufnahme mit dem Ziel, ihn zu diskreditieren. Er lehne NS-Gedankengut ab.

"Ein Winken, das ich so nicht machen würde"

Ob es sich bei der Geste am Donnerstagabend um einen Hitlergruß gehandelt hat oder nicht, wollte der Fotograf Daniel Weber, der die Bilder aufgenommen hatte, auf APA-Anfrage nicht beurteilen. Entstanden sind die Fotos seinen Angaben zufolge, als die Demonstration gerade im Begriff war weiterzuziehen, und sich Demonstranten und Burschenschafter gegenseitig provoziert hätten. Bei der Geste habe es sich um ein missverständliches Winken gehandelt: "Das war ein Winken, das ich so nicht machen würde."

Peter Pilz von der Liste Jetzt erinnerte daran, dass mit Alexander Höferl einer der wichtigsten Mitarbeiter des Kabinetts von Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) Mitglied der Gothia sei. Er forderte Kickl auf, sich von Höferl zu trennen, und will nun via parlamentarische Anfrage in Erfahrung bringen, was Höferls Sicherheitsüberprüfung im Innenministerium in Bezug auf diese rechtsextreme Burschenschaft ergeben habe. (APA, 25.1.2019)