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Kein Nazi, kein Austrofaschist

Einserkastl |
30. Jänner 2019, 17:27

Falsche historische Vergleiche für Andreas Gabalier und Sebastian Kurz

Andreas Gabalier ist kein Nazi. Ein Münchner Faschingsverein hat Gabalier den Karl-Valentin-Preis gegeben, weil der "auch ein Volkssänger" gewesen sei. Das hat ungefähr so viel Berechtigung, wie wenn der österreichische Presserat dem "Krone"-Kolumnisten Michael Jeannée den "Karl-Kraus-Preis für Sprachkunst und Kampf gegen die Verlotterung der Presse" verleihen wollte. Gabalier ist ein bauernschlauer, verdruckst reaktionärer Heimattümler, der sich gern als Opfer "linker" Medien sieht. Aber kein Nazi.

Sebastian Kurz ist kein Engelbert Dollfuß. Der SPÖ-Abgeordnete Robert Laimer hat auf seinem Facebook-Account Dollfuß ("Umsturzkanzler, Austrofaschismus, Mussolinis Freund") und Kurz gleichgesetzt ("Schweigekanzler, Gier-Kapitalismus, Kickls Freund").

Das ist politisch dämlich. Dollfuß war ein katholischer Autoritärer, der 1933 zuerst das Parlament ausschaltete, einen "christlichen Ständestaat" mit starken faschistischen Zügen etablierte und 1934 einen sozialistischen Aufstandsversuch blutig niederschlagen ließ. Sebastian Kurz ist ein Rechtskonservativer, der sich auf Macht versteht, aber kein Antidemokrat.

Das heißt nicht, dass man nicht antidemokratische und faschistoide Tendenzen klar benennen soll, wenn sie im heutigen Österreich und Europa auftauchen (und das tun sie). Aber man muss wissen, wovon man spricht. (Hans Rauscher, 30.1.2019)