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Alice Schwarzer kontert Moser-Pröll: "Sie lügen"

4. Februar 2019, 13:10

Offener Brief von Deutschlands bekanntester Feministin an ÖSV-Ikone – Moser-Pröll: "Sie muss mich verwechseln"

Wien – Alice Schwarzer hat in einem offenen Brief Österreichs ehemaliges Ski-Aushängeschild Annemarie Moser-Pröll der Lüge bezichtigt. Schwarzer habe Anfang der 1970er-Jahre der damaligen aktiven Rennläuferin keine Briefe geschickt, wie von dieser jüngst behauptet. "Ich jedenfalls weiß, dass Sie lügen", schrieb Schwarzer.

Deutschlands bekannteste Feministin stößt sich an einer Behauptung, die Moser-Pröll in der Vorwoche in einem Interview mit der "Tiroler Tageszeitung" aufstellte. "Als ich 1971 an die Weltspitze fuhr, bekam ich jedes Monat von Alice Schwarzer einen Brief. Sie suchte Prominente, damit sie in Sachen Gleichberechtigung unterstützt wird", erklärte die 62-fache Weltcupsiegerin dort. Es ist eine Aussage, die Moser-Pröll in ähnlichem Wortlaut übrigens schon 2013 in der "Kleinen Zeitung" getätigt hatte.

Schwarzer: "Sie lügen einfach zu dreist"

Eine Richtigstellung sei für Schwarzer unumgänglich. "Sie lügen einfach zu dreist", schrieb die 76-Jährige. Und weiter: "Erstens ist es nicht meine Art, 'Prominenten' zu schreiben, damit sie meine Sache unterstützen. Und zweitens und vor allem war ich 1971 ganze 28 Jahre alt, lebte in Paris und hatte gerade erst gelernt, dass man Feminismus mit F schreibt. Und außerdem kannte ich Sie überhaupt nicht."

Allerdings hatte Schwarzer 1971 die Aktion "Wir haben abgetrieben!" initiiert. 374 prominente und nicht prominente Frauen hatten sich in der Zeitschrift "Stern" öffentlich dazu bekannt, ihre Schwangerschaft abgebrochen und damit gegen geltendes Recht verstoßen zu haben.

Moser-Pröll: "Frau Schwarzer muss mich verwechseln"

In der Frage der Missbrauchsvorwürfe im österreichischen Skileistungssport der Vergangenheit hatte Moser-Pröll erst kürzlich wieder betont, dass ihr keine Fälle bekannt seien. Schwarzer ("Sie kennen sicherlich die Volksweisheit: Wer einmal lügt ...") zog das in Zweifel: "Sie aber wollen von alldem nichts gewusst und auch nie etwas gemerkt haben. Und Ihnen selber ist sowieso nie etwas passiert. Wenn das wirklich so wäre, das wäre schön. Für Sie."

Schwarzer hat Moser-Pröll laut eigener Aussage nur ein einziges Mal getroffen: "In den 80er-Jahren. Das war in einer Samstagabendspielshow von Blacky Fuchsberger." Moser-Pröll bestreitet dies im Gespräch mit dem STANDARD: "Ich war in keiner Show von Fuchsberger. Da bin ich mir zu 99 Prozent sicher. Frau Schwarzer muss mich verwechseln." (APA, red, 4.2.2019)