Immobilienrendite AG mit Betrugsvorwürfen konfrontiert

5. Februar 2019, 12:07

Staatsanwaltschaft ermittelt nach Anzeige durch Finanzaufsicht – Geschäftsführer: "Niemand geschädigt, Vorwürfe werden sich aufklären"

Wien – Die Wiener Immobilienrendite AG ist ins Visier der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) geraten. Die WKStA bestätigte gegenüber der APA Ermittlungen gegen drei Personen und einen Verband im Zusammenhang mit ausgegebenen Anleihen. Zuvor hatte bereits das Wirtschaftsmagazin "trend" über die Causa berichtet. Die Anzeige soll die Finanzmarktaufsicht (FMA) eingebracht haben.

Die Vorwürfe umfassen schweren Betrug, grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen sowie unrichtige Bilanzierung und Verstöße gegen die Prospektpflicht, berichtete das Immobilienportal "immoflash" am Montag. Aus der FMA hieß es, man gebe zu Inhalten von Sachverhaltsdarstellungen grundsätzlich keine Informationen ab.

"Meinungsverschiedenheiten"

Die Immobilienrendite AG sucht laut eigenen Angaben auf ihrer Homepage unterbewertete Immobilien, um mit kreativen Lösungen neuen Nutzen für Mieter, Investoren, Banken und Käufer zu schaffen. Das Unternehmen bietet interessierten Anlegern eine Unternehmensanleihe mit einer Mindestinvestition von 5.000 Euro und einem fixen Zinssatz von 5,5 Prozent.

Bei den Anleihen habe es mit der FMA "Meinungsverschiedenheiten, was die Angaben im Prospekt betrifft" gegeben, sagte Mathias Mühlhofer, einer der drei Geschäftsführer der Immobilienrendite laut "immoflash". Die Richtigkeit der Bilanz sei von einem namhaften Wirtschaftsprüfer bestätigt worden. "Niemand hat Schaden erlitten und die Vorwürfe werden sich aufklären", so Mühlhofer.

Seit 2015 keine Bilanz veröffentlicht

Ein Verstoß gegen die Prospektpflicht ist laut § 15 KMG (Kapitalmarktgesetz) strafrechtlich relevant und mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bedroht. Prospekte sind für öffentliche Angebote von Wertpapieren oder Veranlagungen zu erstellen und von der FMA zu billigen. Es gibt zwei Ausnahmen: Wenn das Angebot an weniger als 150 Personen geht oder wenn die Stückelung höher als 100.000 Euro ist. Beides scheint hier nicht der Fall zu sein.

Beim zweiten Vorwurf geht es um die "grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen", was nach § 159 StGB strafbar ist. Die Immobilienrendite AG hat laut Wirtschafts-Compass seit 2015 keine Bilanz mehr veröffentlicht. Wenn ein Unternehmen aber eine Anleihe am Markt platziert, dann sollte es auch eine regelmäßige Berichterstattung durch geprüfte Bilanzen geben. Die Bilanzsumme lag 2015 bei 13,79 Millionen Euro, das Eigenkapital war mit 2,78 Millionen Euro negativ.

Geschäftsführer Mühlhofer rechtfertigte im "trend", es gäbe natürlich auch aktuelle Bilanzen, die aber wegen eines "EDV-Fehlers" nicht im Firmenbuch ersichtlich seien. 2017 sei das Eigenkapital mit 4,28 Millionen Euro zwar noch negativ gewesen, doch über alle Tochterunternehmen hinweg gäbe es Einnahmen von 3,5 Millionen Euro. (APA/red, 5.2.2019)