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Jan Böhmermann in Wien: Der Polizistensohn mit dem Kickl-Song

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7. Februar 2019, 05:37

Der deutsche Satiriker beehrte Wien mit seinem Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld – und er hatte Österreich-spezifische Umdichtungen zu bieten

Wien – Pelzmantel, Glitzerhose, Pornobalken im Gesicht: Jan Böhmermann, Deutschlands umtriebigster Satiriker, hat seit Anfang des Jahres das heimelige TV-Studio gegen die Konzertbühne getauscht – da ist das optische Doping ein Muss. Mit seinem 15-köpfigen Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld tourt der Politikerschreck derzeit durch den deutschen Sprachraum. Mittwochabend gab man in Wien das einzige Österreich-Konzert. Und zwar eines mit Überraschungen.

Der funky Big-Band-Sound, mit dem das RTO Ehrenfeld sonst Woche für Woche Böhmermanns Late-Night-Show "Neo Magazin Royale" auf "ZDFneo" vertont, durfte im Gasometer endlich einmal zu vollem Volumen anschwellen. Zu hören gab es natürlich Hits wie "Menschen Leben Tanzen Welt", ein von Zooäffchen getextetes Nonsenslied aus Kalender- und Instagram-Sprüchen, mit dem Böhmermann die Charts und eine ganze Musikindustrie narrte; oder das feministisch gewendete "Grab US by the Pussy" (Text: Donald Trump).

neo magazin royale

Gegen Ausbeutung in der Paketzustellerbranche hörte man das Lied "Wir sind Versandsoldaten", vorgetragen im Pathos sowjetischer Arbeiterhymnen. Die gelb-bewestete Saal-Security begrüßte Böhmermann denn auch als Vertreter der französischen "Gilets Jaunes". Tränen der Rührung (und Belustigung) verdrücken konnte man bei der erhebenden Coverversion des Ballermann-Hits "Senorita". Im Original rülpsen das die Solarium-Brudis Kay One und Pietro Lombardi.

"Ich hab Polizei", ihr habt Herbert K.

Noch bevor Jan Böhmermann aka "Polizistensohn" (biografische Tatsache!) den Machismo-Rappern à la Bushido klargemacht hat, dass sein Song "Ich hab Polizei" der härtere Scheiß ist, kam Österreichs oberster Ordnungshüter zum Handkuss: Böhmermann dichtete sein Schmählied über den kleingewachsenen deutschen Polizeigewerkschafter Rainer Wendt auf den heimischen Innenminister Herbert K. um.

Doch damit nicht genug. Zu picksüßen Walzerklängen intonierte man auch noch eine Hymne auf den hiesigen Nationalrat, in dem "das freiheitliche Österreich erwacht" – "Das Volk ist im Nationalrat zurück / und schmeißt das Gesindel hinaus", sang Böhmermann als Umdichtung seiner Dreißigerjahre-Persiflage "Deutschland ist wieder im Reichstag zurück". Es sei eben ein Abend, so Böhmermann, "an dem wir politische Brücken bauen, die wir hinterher gleich wieder einreißen". Und er warnte: "Vergesst nicht: München ist nur eine halbe Panzerstunde von Salzburg entfernt."

neo magazin royale

(Stefan Weiss, 7.2.2018)