Foto: Staatsanwaltschaft Sachsen

Bande klaute Strom, um Bitcoins zu schürfen

7. Februar 2019, 18:11

Stromverbrauch im Ausmaß von 30 Haushalten war aufgefallen – 49 Rechner und 80 Grafikkarten beschlagnahmt

Mit einem eher ungewöhnlichen Fall beschäftigen sich derzeit die sächsischen Behörden. Sie hatten wegen vermutetem Stromdiebstahl ermittelt und sind vor wenigen Tagen bei Hausdurchsuchungen fündig geworden. Sie fanden eine sechsköpfige Bande, die sich Energie abgezwackt hatte, um damit nach Bitcoins und anderen Kryptowährungen zu "schürfen", schreibt die Freie Presse.

Die Farm der mutmaßlichen Stromdiebe umfasste 49 Computer mit 80 Grafikkarten. 30 der Rechner sollen spezialisierte Mining-Hardware sein (ASIC). Das Equipment wurde beschlagnahmt, wie die Staatsanwaltschaft berichtet.

Cybercrime-Spezialisten forschten Bande aus

Insgesamt 121 Personen verschiedener Behördenressorts waren an der Ausforschung beteiligt, darunter auch Experten des Cybercrime Competence Center Sachsen. Letztlich soll der immense Stromverbrauch der Anlage die letzte Spur gelegt haben. Er soll dem Dreißigfachen eines durchschnittlichen Haushalts entsprochen haben. Der Gesamtschaden in der Angelegenheit wird von der Staatsanwaltschaft mit 220.000 Euro beziffert.

Die Bande, bestehend aus fünf Männern und einer Frau, hatte die Stromversorgung so installiert, dass der im Haus befindliche Stromzähler umgangen wurde. Drei der Verdächtigen wurden vorläufig festgenommen. Den Beteiligten drohen neben Geldbußen auch Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren.

Kaum noch profitabel

Seitdem der Bitcoin von seinem Rekordhoch Ende 2017 gestürzt ist und als "Leitwährung" zahlreiche andere Kryptowährungen mit nach unten gezogen hat, ist das sogenannte Mining deutlich unrentabler geworden. Erschwerend kommt hinzu, dass der Schwierigkeitsgrad für die Berechnungen, mit denen Schürfer zur Bestätigung von Transaktionen beitragen, tendenziell immer höher wird und daher immer bessere Hardware erforderlich ist.

Ursprünglich konnten Bitcoins mit regulären Grafikkarten gut "geschürft" werden, mittlerweile ist spezialisierte Hardware zwingend Voraussetzung, um eine Chance auf Profitabilität zu haben. An Standorten wie Deutschland oder Österreich ergibt sich durch die im Vergleich mit anderen Ländern hohen Strompreise ein weiterer Nachteil. (gpi, 07.02.2019)