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190 Millionen Dollar auf Laptop "gefangen": Galgenfrist für Kryptobörse

8. Februar 2019, 12:31

QuadrigaCX hat nach dem Tod des Gründers keinen Zugang mehr, Gericht gewährte vorläufig Gläubigerschutz

Dass das Konzept, einer einzelnen Person die Alleinverwaltung des wichtigsten Wallets anzuvertrauen, kein besonders gutes ist, dürfte den Betreibern der Kryptobörse QuadrigaCX mittlerweile klar geworden sein. Der "Geldspeicher", der den Großteil des auf der Plattform hinterlegten Gesamtvermögens im Gegenwert von 190 Millionen Dollar beherbergt, befindet sich am Laptop des Gründers Gerald Cotten. Dieser verstarb jedoch überraschend auf einer Reise nach Indien.

Die gute Nachricht: Cottens Witwe, Jennifer Robertson, hat den Laptop. Die schlechte: Niemand hat den Schlüssel, der den Zugriff auf den sogenannten "Cold Storage" ermöglichen würde. Viele der 115.000 Quadriga-User sind sauer, denn ihr Vermögen steckt nun fest. Nun hat ein Gericht dem Unternehmen eine Galgenfrist verschafft, schreibt der Spiegel.

Verkauf der Plattform steht im Raum

Die ist auch dringend nötig. Denn laut den Betreibern sind bisherige Versuche, die Verschlüsselung zu knacken, gescheitert. Nun übergibt man den Laptop einem Anwalt der Gläubiger zur Inspektion und auch ein vom Gericht beauftragter Gutachter soll zum Zug kommen.

Ob es Quadriga innerhalb der Frist gelingt, das digitale Vermögen aus seiner Truhe zu heben, ist dennoch zweifelhaft. Da Cotten den Schlüssel niemanden anvertraut haben soll, sind die Optionen abseits des Ausprobierens zahlloser Kombinationen (Bruteforce) begrenzt. Falls das Vorhaben scheitert, steht auch ein Verkauf der derzeit stillgelegten Börse im Raum, um zumindest einen Teil der Schulden zu decken.

Archaische Buchhaltung

Derweil wird weiter diskutiert, ob es sich um einen Scam-Versuch handelt und ob Cotten wirklich gestorben ist. Es gibt eine in Indien ausgestellte Sterbeurkunde, auf der sein Nachname aber falsch geschrieben ist. Ein CBC-Reporter gibt derweil einen Einblick in die Buchhaltung der Firma. Auf einem Foto sieht man Stapel an Bankunterlagen, die auf einem Herd verteilt sind. Ein offizielles, traditionelles Bankkonto führt die Firma allerdings nicht. (red, 08.02.2019)