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Krebsrisiko bei künstlich gezeugten Kindern nicht erhöht

10. Februar 2019, 06:00

Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Kindern, die durch künstliche Befruchtung gezeugt wurden, das Krebsrisiko erhöht ist. Die aktuelle Studie widerlegt das

Eine künstliche Befruchtung erhöht einer Studie zufolge beim Nachwuchs nicht das Krebsrisiko – zumindest bis zum frühen Erwachsenenalter. Das berichten niederländische Forscher im Fachblatt "Human Reproduction". Die umfangreiche Untersuchung widerspricht damit Resultaten früherer Studien.

Ludwig Kiesel, Direktor der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Münster, hält die Studie für einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag zur Debatte um künstliche Befruchtung: "Die Aussagen sind sehr hilfreich, wenn Ärzte Paare mit unerfülltem Kinderwunsch beraten", sagt Kiesel, der nicht an der Studie beteiligt war.

Das Team um Flora van Leeuwen von The Netherlands Cancer Institute in Amsterdam stützte sich für die Untersuchung auf Daten von Frauen, die von 1980 bis 2001 in einer von 14 niederländischen Fachkliniken behandelt worden waren. Insgesamt wurden 47.690 Kinder berücksichtigt, gut die Hälfte davon kam nach künstlicher Befruchtung zur Welt.

Raten nicht erhöht

Ob eines der Kinder im Laufe seiner Entwicklung an Krebs erkrankte, wurde bei etwa der Hälfte vor dem 21. Geburtstag erfasst, bei den anderen später. Da es künstliche Befruchtungen erst seit Ende der 70er-Jahre gibt, sind Untersuchungen über eine ganze Lebensspanne bisher nicht möglich.

Die Krebsraten der künstlich gezeugten Kinder waren weder im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erhöht, noch im Vergleich zu jenen natürlich gezeugten Kindern, deren Mütter Empfängnisschwierigkeiten hatten. Vor allem die sehr lange Zeit der Nachbeobachtung der Kinder sei eine außergewöhnliche Leistung und unterstütze die Aussagekraft des Ergebnisses, sagt Klinikdirektor Kiesel. Allerdings sei Krebs bei Kindern generell selten, daher seien die Fallzahlen bei einzelnen Krebsarten gering und bedürfen weiterer Untersuchungen.

Nicht aussagekräftig

Mediziner verwenden verschiedene Methoden der künstlichen Befruchtung. Bei der sogenannten intrazytoplasmatischen Spermainjektion (ICSI) wird eine Samenzelle direkt in eine Eizelle eingespritzt. Im Gegensatz dazu werden bei einer klassischen künstlichen Befruchtung Eizellen mit aufbereitetem Sperma in einem Reagenzglas zusammengebracht. In Deutschland ist die ICSI deutlich häufiger.

Bei jenen Kindern, die mittels ICSI auf die Welt kamen, oder bei Kindern, deren Embryonen zwischenzeitlich eingefroren waren, fanden die Forscher zwar ein leicht erhöhtes Krebsrisiko, das aus statistischen Gründen aber nicht aussagekräftig ist.

Van Leeuwen arbeitet laut einer Mitteilung bereits an einer größeren Untersuchung: "Wir erweitern unsere Studie derzeit auf mehr als 30.000 aus künstlicher Befruchtung hervorgegangene Kinder, die in den letzten Jahren geboren wurden." (APA, 10.2.2019)