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Stuhec holt Gold, Vonn im letzten Rennen Bronze, Venier bleibt nur Blech

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10. Februar 2019, 13:07

Im Trubel um Lindsey Vonn, die sich mit Abfahrtsbronze in den Ruhestand begab, ist die Titelverteidigung der Slowenin Ilka Stuhec zu kurz gekommen. Die in dieser Saison dominierenden Österreicherinnen gingen leer aus

Are – Auch die zweite große Abschiedssause bei der Ski-WM lief der Dramaturgie nach fast perfekt. Lindsey Vonn musste sich bei ihrer letzten Vorstellung am Sonntag in Åre zwar der Slowenin Ilka Stuhec um 49 und der Schweizerin Corinne Suter um 26 Hundertstel geschlagen geben, holte nach Abfahrts- und Super-G-Silber bei der WM 2007 in Åre aber mit Bronze ihre dritte WM-Medaille in Schweden und ihre gesamt achte bei Weltmeisterschaften. Die 34-Jährige kann so mit einem sehnlichst erhofften Erfolgserlebnis von der Skibühne abtreten, die sie in Val d' Isère 2009 nach Gold in der Abfahrt und im Super-G ebenso strahlen ließ, wie in Vancouver 2010, als sie sich Olympiagold in der Abfahrt holte.

Unter normalen Umständen wäre sie enttäuscht gewesen. So sei es aber der perfekte Schluss für sie: "Es kann nicht besser sein. Ich weiß, dass mir mein Körper nicht mehr erlaubt, zu tun, was ich machen möchte, Rennen zu gewinnen. Darum trete ich zurück." Sie sei den ganzen Tag sehr nervös gewesen. "Ich wollte stark sein am Ende, nicht stürzen, mich nicht wieder verletzen. Es war ein innerer Kampf. Aber ich konnte meinen Plan umsetzen, habe den Rhythmus gefunden und eine letzte Podiumsplatzierung erreicht."

So sieht eine Gold-Fahrt aus.
fis alpine

Ihre Mentalität kenne jeder. "Ich riskiere immer alles, das ist der Grund, warum ich so viel gewonnen, aber mich auch so oft verletzt habe." Die wegen Nebels und Wind verkürzte Strecke sei ihr entgegengekommen. Sie leide schon länger unter ihren Schmerzen. "Mein Nacken bringt mich um. Jeder Athlet kämpft mit seinen eigenen Problemen, aber am Ende des Tages kümmert das niemanden." Sie habe sich ein letztes Mal mit den Schmerzen durchgekämpft. Die Unterstützung und der Respekt ihrer Kolleginnen sei zuletzt das Coolste für sie gewesen und bedeute ihr mehr als jeder Weltcupsieg.

Wirklich perfekt war der Auftritt von Ilka Stuhec. Die Slowenin wiederholte ihren Titel von St. Moritz 2017, als sie die aufstrebende Österreicherin Stephanie Venier in die Schranken wies. Die Siegerin der Abfahrt von Garmisch-Partenkirchen musste sich bei ihrer zweiten Weltmeisterschaft diesmal mit Platz vier begnügen, verpasste Bronze um nur vier Hundertstel. Viel fehlte nicht und sie hätte Vonn vom Podest gestoßen und deren Party gecrasht. Für Österreichs Damen, die mit den Plätzen vier, sieben durch Ramona Siebenhofer (0,64) und neun, ex aequo Tamara Tippler und Nicole Schmidhofer (je 0,81), locker eine eben nicht existierende Teamwertung gewonnen hätten, kamen just bei der wichtigsten Abfahrt der Saison erstmals nicht auf das Podest. Erstmals seit Schladming 2013 gewannen die Speedfahrerinnen keine WM-Medaille, obwohl sie heuer die Abfahrten dominiert hatten. Die letzte WM-Goldene in dieser Disziplin hatte Elisabeth Görgl 2011 in Garmisch geholt.

Blumen von der Legende

Für Stuhec war Gold bei der kürzesten WM-Damenabfahrt aller Zeiten mit einer Siegerzeit von 1:01,74 Minuten eine Genugtuung, nachdem sie die vergangene Saison samt Olympia nach einem im Training erlitten Kreuzbandriss komplett verpasst hatte.

Corinne Suter, im Super-G nur um fünf Hundertstel von der US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin und deren drei von der Italienerin Sofia Goggia geschlagen, holte sich in Åre ihre zweite Medaille ab. Die Schweizerin war davor noch nie in ihrer Karriere im Weltcup auf dem Podest gestanden. "Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich nicht gedacht, dass es reicht."

Die schwedische Ski-Legende Ingemar Stenmark überreichte Vonn einen Strauß Blumen. Es gehe nicht nur um den Erfolg, sagte Vonn, "als Athlet ist es Teil deines Jobs, alles zu tun, den Sport zu promoten". Sie hofft, dass er weiter wächst und populär bleibt. In nächster Zeit wolle sie sich in erster Linie erholen, physisch wie mental. "Ich habe mich immer vor der Zeit nach dem Skirennsport gefürchtet, es hat eine Zeit gedauert, zu dem Punkt zu gelangen, wo ich damit umgehen kann. Ich werde immer ein Fan von allen Sportarten sein. (Thomas Hirner aus Åre, 10.2.2019)

WM-Abfahrt der Damen, Sonntag

1. Ilka Stuhec (SLO) 1:01,74 Min.
2. Corinne Suter (SUI) +0,23
3. Lindsey Vonn (USA) 0,49
4. Stephanie Venier (AUT) 0,53
5. Ragnhild Mowinckel (NOR) 0,59
6. Nicol Delago (ITA) 0,62
7. Ramona Siebenhofer (AUT) 0,64
8. Lara Gut-Behrami (SUI) 0,78
9. Tamara Tippler (AUT) 0,81
. Nicole Schmidhofer (AUT) 0,81
11. Viktoria Rebensburg (GER) 0,82
12. Michaela Wenig (GER) 0,90
13. Kira Weidle (GER) 0,94
14. Nadia Fanchini (ITA) 1,00
15. Sofia Goggia (ITA) 1,02
16. Joana Hählen (SUI) 1,16
17. Ester Ledecka (CZE) 1,17
18. Tina Weirather (LIE) 1,26
19. Kajsa Vickhoff Lie (NOR) 1,34
20. Jasmine Flury (SUI) 1,36
. Romane Miradoli (FRA) 1,36
22. Alice Merryweather (USA) 1,52
23. Meike Pfister (GER) 1,56
24. Lin Ivarsson (SWE) 1,66
25. Lisa Hörnblad (SWE) 1,86
26. Tiffany Gauthier (FRA) 1,90
27. Alexandra Coletti (MON) 1,91
28. Roni Remme (CAN) 2,09
29. Francesca Marsaglia (ITA) 2,13
30. Greta Small (AUS) 2,22