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Wie Kunden bei Strompreisen sparen können

11. Februar 2019, 07:09

Nach sechs Jahren Sinkflug ziehen die Strompreise wieder an. Ein Anbieter offeriert Strom zum Börsenkurs

Den Strompreis gibt es nicht. Es gibt viele verschiedene Preise. Pi mal Daumen setzt sich die Summe, die ein Haushalt für elektrische Energie zahlen muss, aus je einem Drittel Netzgebühren, Steuern sowie den Stromkosten zusammen. Nun hat dort, wo es im Gegensatz zu Netzgebühren und Abgaben Wettbewerb gibt – bei der reinen Energie -, eine Gegenbewegung eingesetzt.

Alle maßgeblichen Stromversorger haben in den vergangenen Monaten an der Preisschraube gedreht. Vorgeprescht ist die Salzburg AG, die den Strompreis mit 1. Juli 2018 angehoben hat. Im Oktober zog die Energie Allianz nach, die Vertriebsgesellschaft von Wien Energie, EVN und Energie Burgenland. Die vorläufig letzte Ankündigung kam vor wenigen Tagen vom Verbund. Österreichs größter Stromerzeuger erhöht die Preise im Schnitt um neun Prozent. Da wie dort schlagen die angekündigten oder schon durchgeführten Preiserhöhungen mit Mehrkosten von 2,50 bis knapp fünf Euro im Monat durch – bezogen auf einen Durchschnittshaushalt mit 3500 Kilowattstunden (kWh) Stromverbrauch im Jahr.

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Trotz rundum steigender Strompreise gibt es Möglichkeiten, Geld zu sparen – mitunter sogar einige Hundert Euro pro Jahr. Das Zauberwort heißt Lieferantenwechsel. Erfahrungsgemäß spart am meisten, wer vom angestammten Versorger zu einem alternativen Anbieter switcht.

108 verschiedene Angebote

Wer in Wien wohnt, kann zwischen 108 verschiedenen Angeboten wählen. So viele scheinen aktuell im Tarifkalkulator der E-Control auf. In anderen Bundesländern ist das Angebot an Stromprodukten nicht minder hoch.

Alle Landesenergieversorger sind zum Teil mit mehr als einem Angebot vertreten. "Grünstrom"-Anbieter sind auf der Vergleichsplattform genauso zu finden wie Diskonter, Unternehmen aus Österreich ebenso wie Anbieter aus Deutschland. Ein Newcomer ist hingegen weder auf der staatlichen Vergleichsplattform noch bei kommerziellen Vergleichsportalen wie Durchblicker, Ohho oder Energy Hero zu finden: das estnische Unternehmen Spotty.

Die Spotty Smart Energy Partner GmbH, wie das Unternehmen in voller Länge heißt, verspricht Haushaltskunden und Gewerbetreibenden den gleichen Zugang zu Strompreisen, den sonst nur Energielieferanten und Großkunden wie die Industrie erhalten. Spotty bezieht Strom direkt an der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig und verkauft diesen mit Aufschlag eins zu eins an Kunden weiter.

Transparenz

"So etwas gab es in Österreich bisher nicht; unser Modell ist total transparent", sagte Harri Mikk im Gespräch mit dem STANDARD. Mikk, ein gelernter Jurist mit 18 Jahren Erfahrung in der Strombranche, ist bei Spotty für das Österreich- und Deutschlandgeschäft verantwortlich. Das System, Strom direkt zum Marktpreis an Endkunden weiterzuverkaufen, sei in Skandinavien und im Baltikum längst etabliert und werde auch in Österreich eine Erfolgsgeschichte, ist Mikk sicher.

Alle maßgeblichen Stromversorger haben in den vergangenen Monaten an der Preisschraube gedreht.
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Spotty wurde vor zwölf Jahren in Tallinn als Energiehandelsunternehmen von zwei früheren Vorständen des staatlichen Energieversorgers Eesti Energia gegründet. Mit der Liberalisierung des Energiemarktes in Estland zum 1. Jänner 2013 ist Spotty in das Endkundengeschäft eingestiegen. Bald darauf erfolgten Expansionsschritte nach Lettland, Finnland und Schweden. Mikk selbst ist seit 2017 an Bord: "Da gab es erstmals die Idee, nach Deutschland und Österreich zu gehen."

In Österreich ist Spotty im vorigen Oktober mit ersten Testkunden an den Start gegangen, seit Jänner wird aktiv akquiriert. Mikk ist guter Dinge, bald auch im Tarifkalkulator präsent zu sein.

Keine Bindungsfrist

Anders als bei der Konkurrenz müsse sich niemand länger als 14 Tage binden. Das ist die gesetzliche Kündigungsfrist. Bei anderen kommt man erst nach einem Jahr wieder raus. "Wer bei uns ist, bleibt und wechselt nicht mehr. Das zeigt die Erfahrung", sagt Mikk. In den vergangenen zehn Jahren habe es kein Jahr gegeben, in dem der durchschnittliche Börsenpreis über dem durchschnittlichen Verbrauchspreis in Österreich gelegen sei.

Die Preiserhöhungen der letzten Zeit werden mit gestiegenen Großhandelspreisen an der für Österreich maßgeblichen Strombörse EEX in Leipzig begründet. Als Grund für die gestiegenen Großhandelspreise wird unter anderem die Verteuerung bei CO2-Zertifikaten genannt. Wegen der Anfang Oktober 2018 angeordneten Auftrennung der gemeinsamen Strompreiszone mit Deutschland wird Strom für Österreich mit einem Aufschlag gehandelt. (Günther Strobl, 11.2.2019)