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40 Prozent weniger Unfälle? Schwere Rechenfehler in Tesla-Bericht

12. Februar 2019, 18:26

Unvollständige und falsche Zahlen in Untersuchung zu Autosteer – Elon Musk warb mit falschen Zahlen für Sicherheit

Mehrere Unfälle mit Beteiligung eines Tesla-Autos sorgten in den letzten Jahren für Diskussionen und warfen auch die Frage auf, wie verlässlich die teilautonomen Steuerungsfunktionen moderner Fahrzeuge ist. Gerade Teslas Assistent zum Wechseln oder Halten von Spuren, "Autosteer", wurde besonders kritisch beleuchtet, auch wenn ein guter Teil der Crashes auch durch Fehlverhalten der Fahrer verursacht wurde.

Gegenüber Sorgen und Kritik an den Selbstfahr-Funktionen seiner Autos zeigte sich Firmenchef Elon Musk mitunter dünnhäutig. Er beharrte darauf, dass Autosteer sehr sicher sei und berief sich dabei auch auf Zahlen aus einer behördlichen Untersuchung (PDF) der National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA). Diese attestierte 2017, dass nach Aktivierung des Systems die Auslöserate bei den Airbags um 40 Prozent zurückgegangen sei.

Wie sich nun herausstellt, beinhaltet der NHTSA-Bericht jedoch grobe Fehler – und damit auch ein falsches Ergebnis, berichtet Heise.

Schwere Fehler in Zahlenbasis

Pro Million gefahrener Meilen wäre nach Installation von Autosteer die Airbag-Aktivierungsquote von 1,3 auf 0,8 gesunken. Auch das damalige Ergebnis war von einigen Beobachtern in Zweifel gezogen worden, allerdings weil bei den dafür ausgewerteten Unfällen gar nicht klar war, ob zum Crash-Zeitpunkt das selbststeuernde System überhaupt eingeschalten war.

Doch auch abseits dieser Tatsache stimmen die Berechnungen nicht, zeigt nun der Statistiker Randy Whitfield mit einer eigenen Untersuchung (PDF). Er fand etwa Angaben von null gefahrenen Meilen und mehreren Airbag-Aktivierungen für zehntausende Fahrzeuge, bei denen noch kein Autosteer installiert war. Bei manchen Autos mit dem System waren wiederum negative Zahlen für den zurückgelegten Weg eingetragen.

Nur wenige vollständige Daten

Ebenso stellte sich im Rahmen der Kontrolle heraus, dass nur bei 13 Prozent der fast 44.000 erfassten Fahrzeuge alle relevanten Daten von Tesla übermittelt worden waren. Berücksichtigt man nur die Autos mit vollständigem Datensatz, so lag die Airbag-Auslösequote pro Million gefahrener Meilen vor der Autosteer-Installation bei 0,76 und danach bei 1,21 – ein Plus von 59 Prozent. Auch an der Aussagekraft dieser Daten zweifelt Whitfield, denn sie stammen von Tesla selbst und wurden nie unabhängig überprüft.

Dass die Berichtigung des Behördenpapiers erst jetzt erfolgt, liegt ebenfalls an der NHTSA. Whitfield musste die Herausgabe der zugrunde liegenden Daten erst auf gerichtlichem Wege erstreiten. Zuvor war eine Weitergabe unter Berufung auf interne Angelegenheiten der Behörde und Teslas Geschäftsgeheimnis abgelehnt worden.

Tesla wortkarg

Tesla selbst verweist in einer Reaktion auf seine quartalsmäßigen Unfallberichte. In diesen wird den eigenen Autos mit aktivierten Assistenzsystemen – darunter auch Autosteer – ein deutlicher Vorteil gegenüber rein manuell pilotierten Fahrzeugen ausgewiesen. Auf die Kritik von Whitfield am NHTSA-Bericht ging man nicht ein. (red, 12.02.2019)