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General Haftar erobert Libyens größtes Ölfeld

11. Februar 2019, 23:30

Anlagen bei Sharara sollen der staatlichen Ölgesellschaft NOC übergeben werden

Benghazi – Die libysche Nationalarmee (LNA) unter dem Kommando von Khalifa Haftar hat die vollständige Kontrolle über das Sharara-Ölfeld im Südwesten Libyens wiedererlangt, wie ein Sprecher der LNA am Montag verkündete.

Das mit 315.000 Barrel Tagesproduktion größte Ölfeld Libyens, an dem auch die österreichische OMV beteiligt ist, war seit 8. Dezember von der lokalen Bevölkerung sowie Sicherheitspersonal besetzt gewesen, die Produktion ausgefallen.

Die Eroberung des Ölfelds "mit all ihren Anlagen" sei "friedlich und ohne Widerstand" erfolgt. Ihr waren tagelange Verhandlungen mit den Besetzern – dem überwiegend aus Angehörigen lokaler Stämme und aufständischem Wachpersonal bestehenden "Fezzan Anger Movement" – vorangegangen. "Wir befinden uns nun in Gesprächen mit den Wachen. Libyer dürfen sich nicht bekämpfen", hatte Haftars Nr. 2, Stabschef Abdel-Razeq Nathouri, nur wenige Stunden vor der Einnahme gegenüber Reuters verlautbart. Man sei sich über die Forderungen der Besetzer – höhere Löhne und eine angemessene Beteiligung an den Erdöleinnahmen für die Entwicklung der Region – einig geworden, so Nathouri, ohne Details über Art und Höhe etwaiger Zahlungen zu nennen.

"Einheitsregierung" ohne Einfluss

Die libysche "Einheitsregierung" in Tripolis spielte bei der Lösungssuche abermals keine Rolle. Nachdem bereits am 19. Dezember ein Verhandlungsversuch von Premier Fayez al-Sarraj ohne konkrete Ergebnisse geblieben war, verhinderten die Luftstreitkräfte der LNA am Samstag die Landung des von Premier Sarraj für die Region Sabha ernannten Militärkommandanten, Ali Kennah. Dieser hätte mit loyalen Milizen eine Rückeroberung der Ölfelder durchführen sollen. Die LNA versichert nun ihrerseits, die Kontrolle über die Ölfelder der international anerkannten National Oil Corporation (NOC) in Tripolis zurückzugeben.

Die österreichische OMV ist seit 1994 als Teil eines Joint Ventures mehrerer internationaler Ölkonzerne (Repsol, Total und Equinor) mit der libyschen NOC am Sharara-Vorkommen beteiligt. Eine Wiederaufnahme der Produktion wird frühestens für März erwartet.

Die LNA, die sich dem Abgeordnetenrat im ostlibyschen Tobruk verpflichtet sieht und den Großteil des Landes kontrolliert, hatte im Jänner eine Offensive im Südwesten des Landes gestartet, um Milizen zu bekämpfen und Ölfelder zu sichern. (APA, Reuters, 11.2.2019)