Foto: Nasa

Einmalige Einblicke in die Archive der Nasa

Ansichtssache |
16. Februar 2019, 09:00

Zum 50. Jahrestag der ersten Mondlandung im Juli widmet sich ein neuer Bildband den Archiven der US-Weltraumbehörde

Science Fiction hat die Weltraumforschung seit jeher beflügelt. Einer der berühmtesten Raumfahrtkünstler war Robert McCall. Seine Vision einer modularen Weltraumstation in den 1970er-Jahren, kam nahe an das heran, was die Nasa mit der Internationalen Raumstation ISS später tatsächlich umgesetzt hat.
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Angefangen hatte alles mit einem gewaltigen Schock: Am 4. Oktober 1957 eröffnete mit Sputnik 1 der erste Erdsatellit das Zeitalter der Raumfahrt. Die Amerikaner hatten das sowjetische Vorhaben nicht ernst genommen und mussten erkennen, dass die Sowjetunion in der Lage war, den Weltraum zu erreichen – und folglich jeden Ort der Erde.

Ganz im Sputnik-Schock stehend, wurde 1958 unter enormem Zeitdruck die US-Weltraumbehörde Nasa gegründet. Anlässlich ihres 60-jährigen Bestehens und des 50. Jahrestags der Mondlandung am 21. Juli 1969 bietet ein neuer Bildband mit Fotos und Textdokumenten Einblicke in die Archive der Nasa. Es ist eine beeindruckende Rückschau auf sechs Dekaden US-Weltraumforschung, die auch aktuelle Herausforderungen auf der Erde und im All nicht unterbelichtet lässt.

Jupiters Stürme und Saturns Ringe

Da wären zum Beispiel die Anfänge einer kleinen Forschungseinrichtung, die Affen mit Mittelstreckenraketen in 15-minütigen Flügen bis an die Grenze zum All schickte. Neun Jahre später war daraus eines der größten Projekte der Menschheitsgeschichte geworden – eine halbe Million Mitarbeiter entwickelten eine Technologie, die es Menschen möglich machte, den Mond zu betreten. Rund zehn Jahre später war bereits die erste Nasa-Robotersonde auf dem Mars gelandet. Andere waren unterwegs, um die Stürme des Jupiters und die Ringe des Saturns zu erforschen.

Gewagte Unternehmungen sind klarerweise nicht risikolos. Siebzehn US-Astronauten haben die Erforschung des Alls mit ihrem Leben bezahlt. Drei starben am 27. Jänner 1967: Bei einem Routinetest am Boden fing das erste Apollo-Raumschiff Feuer. Bei der Explosion des Shuttles Challenger am 28. Jänner 1986 starben sieben Astronauten. Weitere sieben mussten ihr Leben lassen, als die Columbia am 1. Februar 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zerbrochen ist.

Ed White war nach Alexei Archipowitsch Leonow der zweite Mensch, der frei im Weltraum schwebte. Der Ausstieg erfolgte während des Flugs von Gemini 4 im Juni 1965. Von diesem Flug stammt auch das obige Foto von White, das von Gemini 4-Kommandant James McDivitt. Am 27. Jänner 1967 starb White mit zwei weiteren Astronauten bei einer Explosion während einem Test von Apollo 1 auf der Startrampe in Cape Canaveral.
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"Nicht im Gravitationsfeld gefangen"

Insgesamt zeichnet der Band Das Nasa-Archiv allerdings ein überwiegend positives Bild der US-Raumfahrt. Weggefährten, Astronauten und Forscher lassen die großen Erfolge Revue passieren. Dabei darf freilich auch Neil Armstrong nicht fehlen. Der erste Mensch, der den Mond betreten hat, wird etwa mit folgenden pathetischen Worten zitiert: "Wir wissen heute, dass der Homo sapiens nicht für alle Zeiten im Gravitationsfeld der Erde gefangen ist. Wir haben tief in unser Universum geblickt, weit zurück, fast bis an den Anfang der Zeit."

Welche Ziele verfolgt die Weltraumforschung heute? Der Radius hat sich deutlich erweitert: Während in den ersten Dekaden die Erforschung des Sonnensystems im Zentrum stand, verlagert sich das Interesse zunehmend auf ferne Exoplaneten. Doch auch unsere unmittelbaren kosmischen Nachbarn Mond und Mars motivieren die Forscher zu weiteren Missionen. Dabei werden auch irdische Begehrlichkeiten ins All exportiert: Könnten Menschen den Mars kolonisieren? Gibt es wertvolle Rohstoffe auf dem Mond? Zudem hat der Blick zurück auf die Erde an Bedeutung gewonnen: Satelliten übermitteln wichtige Daten, um Fakten in der Klimadebatte zu schaffen. (Tanja Traxler, 16.2.2019)