Frankreichs Regierung legt nach "Ligue du LOL"-Skandal Aktionsplan vor

14. Februar 2019, 19:38

Journalistinnen prangern Sexismus in der Branche an

Paris – Nach Bekanntwerden von jahrelangem Cybermobbing durch die sexistische Journalisten-Facebook-Gruppe "Ligue du LOL" hat die französische Regierung ein strengeres Gesetz gegen Cybermobbing angekündigt. Ein Gesetzentwurf solle vor dem Sommer vorgelegt werden, erklärte Digital-Staatssekretär Mounir Mahjoubi am Donnerstag in Paris. Durch die Neuregelung sollten Online-Plattformen wie Twitter und Facebook leichter für Mobbing verantwortlich gemacht und Verfahren zur Identifizierung der Urheber von Hass-Botschaften beschleunigt werden.

Der Aktionsplan, den Mahjoubi gemeinsam mit der Gleichstellungs-Staatssekretärin Marlène Schiappa vorlegte, sieht vor, dass Online-Plattformen Mobbing-Inhalte binnen Stunden deaktivieren müssen. Außerdem wolle sich Frankreich in der EU und in der Gruppe der sieben führenden Industriestaaten (G-7) für bessere Maßnahmen gegen Cybermobbing stark machen, hieß es.

"Von systematischem Sexismus zerfressen"

Hunderte französische JournalistInnen haben am Donnerstag systematischen Sexismus in der Medienlandschaft angeprangert. "Heute schweigen die Zielscheiben der 'Ligue du LOL' nicht mehr und wir begrüßen ihren Mut", hieß es am Donnerstag in einem Beitrag in der Zeitung "Le Monde".

Die Opfer seien damit "die Sprecherinnen eines von systematischem Sexismus zerfressenen Berufsstandes" geworden. Der Beitrag wurde von mehr als 900 Journalistinnen und Journalisten unterzeichnet.

Vergangene Woche hatte die "Libération" über die Facebook-Gruppe berichtet, deren zumeist männliche Mitglieder in den 2010er Jahren Frauen sexistisch beleidigten und Vergewaltigungen verharmlosten. Der Gründer der Gruppe, Vincent Glad, wurde am Montag als Mitarbeiter von "Libération" suspendiert, ebenso der Online-Chef der Zeitung, Alexandre Hervaud. Auch sechs weitere Journalisten verloren ihren Posten oder wurden suspendiert.

Keine Ausnahme

Die "LOL-Liga" sei "mitnichten eine Ausnahme", heißt es in dem "Le Monde"-Beitrag. Betroffen sei "nicht nur das kleine Pariser Journalisten-Milieu, sondern die ganze Gesellschaft". Die Facebook-Gruppe sei Symptom "einer männlichen Dominanz", die sich auf "das Untersichsein von weißen, heterosexuellen Männern" gründe, monierten die Unterzeichner.

Verfasst wurde der Beitrag vom Verband Prenons la une (Lasst uns die Seite eins nehmen), der für Gleichberechtigung in Redaktionen kämpft, und vom Verband lesbischer, schwuler, bi- und transsexueller Journalisten (AJL). Die Unterzeichner fordern die Redaktionsleitungen auf, sich das systematische Ausgrenzen großer Bevölkerungsgruppen bewusst zu machen. (APA, 14.2.2019)