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Buch: Wer abnehmen will, muss essen

Rezension |
17. Februar 2019, 08:00

Übergewicht satthaben: Ein Buch will die Grundeinstellung zum Leben und Abnehmen nachhaltig verändern

Dick sein ist für viele kein schönes Gefühl. Es erschwert vieles im Alltag: Die Beweglichkeit wird immer eingeschränkter, Übergewicht macht sich mit den Jahren auch in den Gelenken bemerkbar, und ganz allgemein leidet die Psyche.

Viele Menschen wollen daher abnehmen. Auf diese Weise haben sich Diäten als Strategien etabliert. Obwohl sie nichts bringen, sagt Buchautor Michael Handel. In seinem Brotberuf ist er Motivationstrainer für Unternehmen – mit der Zusatzausbildung Ernährungswissenschaft. Sein Buch "Warum Sie essen müssen, um abzunehmen" ist ein Angebot an jene, die den Jojo-Effekt schon viele Male erlebt haben. "Über 80 Prozent der Diäten sind zum Scheitern verurteilt, weil sich der Körper bei Nahrungsentzug evolutionsbedingt vehement wehrt, seine Reserven abzugeben", sagt er und nennt es einen Kampf gegen die eigene Natur.

Aktiver Kalorienverbrauch

Dem setzt Handel ein Konzept zum aktiven Kalorienverbrauch auf ganz unterschiedlichen Ebenen entgegen. Da geht es um die Auswahl an Lebensmitteln, um körperliche Aktivität im Alltag, um das Vermeiden der vielen versteckten Kalorienbomben, die heute im Supermarkt lauern. Bei der Lektüre des Buches werden sich die Leser und Leserinnen bewusst, wie stark die Menschen in den modernen Konsumgesellschaften manipuliert werden. Stichwort: Fertignahrung oder die große Auswahl an "Light"-Produkten, die einzig und allein dazu animieren, die doppelte Menge zu essen.

Abgesehen von diesen handfesten Fakten hat der Buchautor aber auch eine ganze Menge praktischer Tipps zusammengetragen, die sich empirisch bewährt haben, so der Autor. Konstant Energie verbrauchen ist der Grundtenor. Konkret sind es moderate Bewegung an fast allen Tagen der Woche, kalte Duschen, das Vermeiden von Stress, Zähneputzen zum Stoppen von Heißhunger und hunderte andere kleine Tipps mehr.

Dass Hunger ein durchaus komplexes Gefühl ist, das viele Bereiche des Lebens zusammenfasst, ist Handel auf jeder Seite bewusst. Die Selbstwahrnehmung, wenn es um die eigenen Essgewohnheiten geht, so schreibt er, ist gar keine leichte Aufgabe – genauso wie das Wiederentdecken eines echten Hungergefühls.

Gewohnheiten überwinden

Viel am Übergewicht ist schlechten Gewohnheiten geschuldet. Wer sich ihrer bewusst wird, kann sie überwinden, so die Hoffnung. Dabei setzt der Buchautor auf Wissen, etwa zum Insulinhaushalt des Körpers. Wer weiß, was ein Nutellabrot mit dem Blutzucker anstellt, isst lieber ein Müsli, so die Hoffnung des Autors. Für die "Fettschmelze" empfiehlt er stattdessen bitteres Gemüse, Grapefruit, Lammfleisch, Ingwer, Butterschmalz und Milchprodukte.

Im Idealfall beherzigt man Handels Empfehlungen – hat also nur mehr fettverbrennende Lebensmittel im Haus, gewöhnt sich daran und kann ohne körperliche Ertüchtigung gar nicht mehr sein. Dann purzeln die Kilos, und das wäre besser als jede Diät, die es jemals gegeben hat. (Karin Pollack, 17.2.2019)