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Dänin Inger Andersen ist neue Chefin des UN-Umweltprogramms

Kopf des Tages |
18. Februar 2019, 17:52

Andersen folgt auf den umstrittenen Norweger Erik Solheim und soll Unep wieder in ruhige Fahrwasser lenken

Nun soll es eine Dänin richten: Inger Andersen steht bereit, um den Chefposten des krisengeschüttelten Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) in der kenianischen Hauptstadt Nairobi zu übernehmen. UN-Generalsekretär António Guterres ließ am Wochenende mitteilen, dass er die 60-Jährige zur Unep-Exekutivdirektorin ernennen will. Auf ihren Karrieresprung reagierte die Skandinavierin mit einem Tweet. In diesen kritischen Zeiten für den Planeten und die Menschheit sei Führung in Umweltfragen wichtiger denn je, schrieb sie.

Die Botschaft der noch amtierenden Generaldirektorin der Weltnaturschutzunion ist klar: Einerseits will die neue Unep-Chefin gegen den Klimawandel und für den Erhalt der Umwelt kämpfen. Andererseits will die Ökonomin das Unep wieder in ruhige Fahrwasser lenken. Denn ihr Vorgänger, der Norweger Erik Solheim, hatte das 1972 gegründete Programm in schwere See manövriert. Solheim musste im November 2018 sein Chefbüro räumen.

Flüge, Hotels und Extras

Es war ein Büro, das der selbstherrliche Solheim nicht oft gesehen hatte. Rund 80 Prozent seiner Dienstzeit glänzte er in Nairobi durch Abwesenheit, stattdessen jettete er rund um den Globus. In 22 Monaten fielen fast 500.000 US-Dollar an Kosten für klimaschädliche Flüge, Hotels und Extras an.

Ein pikanter Aspekt der Affäre Solheim: Dänemarks Regierung verlangte unnachgiebig Aufklärung und trug zum Sturz des Spesenritters bei. Davon profitiert nun die Dänin Andersen. Sie, über deren Privatleben wenig bekannt ist, gilt als tüchtige Managerin und blickt zurück auf eine mehr als 30-jährige Karriere in Entwicklungspolitik, nachhaltigem Umweltmanagement und Projektgestaltung.

Die Skandinavierin kletterte bei der Uno und der Weltbank weit nach oben. Bei Letzterer brachte sie es zuletzt zur Vizepräsidentin für den Nahen Osten und Nordafrika. Sie schaltete sich in Streitigkeiten über Gewässer wie den Jordan, den Nil oder den Tschadsee ein. Und sie unterstützte arme Länder in ihren Abwehrmaßnahmen gegen die Erderwärmung.

Bei ihrem Engagement für eine bessere Welt kamen ihr auch Mut und Fernweh zugute: In den 1980er-Jahren verbrachte sie sechs Jahre mit einer NGO im Sudan, wo sie dürregeplagten Menschen half. Jetzt kehrt Andersen nach Afrika zurück. Und dort, an ihrem Amtssitz Nairobi, findet im März dann auch gleich der UN-Umweltgipfel statt. (Jan Dirk Herbermann, 18.2.2019)