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Gefangen im falschen Job: Überqualifiziert und unzufrieden

20. Februar 2019, 08:00

Ein Drittel ist für den eigenen Job unter- oder überqualifiziert. Häufig arbeiten ehemals Arbeitslose unter ihren Qualifikationen

Nur sieben von zehn Beschäftigten in Österreich arbeiten in einem Job, der ihrer Ausbildung und ihrem höchsten abgeschlossenen Qualifikationsniveau entspricht. Das heißt: Ein Drittel ist über- oder unterqualifiziert. Vor allem Überqualifizierte sind häufig unzufrieden in ihrem Job und wollen deutlich häufiger die Firma oder sogar den Beruf wechseln als andere Beschäftigte. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Österreichischen Arbeitsklimaindex.

Insbesondere Migranten, Personen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen oder ehemals Arbeitslose übernehmen Jobs, für die sie eigentlich überqualifiziert sind. Während durchschnittlich 18 Prozent der Arbeitnehmer einen höheren Bildungsabschluss haben, als für den Beruf erforderlich, sind es bei Migranten 26 Prozent, bei atypisch Beschäftigten 24 Prozent und bei ehemals Arbeitslosen bei 33 Prozent. Beim Bundesländervergleich sticht Wien mit 31 Prozent überqualifiziert Beschäftigten hervor.

Keine adäquaten Jobs

"Österreich suche Fachkräfte, auch im Ausland, aber es ist nicht wahnsinnig gut darin, denen, die bereits hier sind, auch adäquaten Jobs anzubieten", sagt Daniel Schönherr, Sozialforscher bei Sora. Gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Ifes wurde die Auswertung im Rahmen des Arbeitsklimaindex durchgeführt.

Akademiker, die am Bau arbeiten, oder Personen mit Maturaabschluss, die als Kellner arbeiten. Immer mehr Menschen würden Jobs annehmen, für die sie eigentlich überqualifiziert sind. Dadurch komme es zu einem Verdrängungswettbewerb. Auf der Strecke bleiben Personen mit geringem Bildungsniveau. "Sie müssen dann Hilfsjobs annehmen", sagt Schönherr.

Unabhängig vom Bildungsniveau führt Überqualifikation im Job zu Unzufriedenheit. Besonders unzufrieden sind Überqualifizierte mit den Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Nur ein Viertel der Personen mit Lehrabschluss, die jetzt in Hilfsjobs tätig sind, ist mit den Möglichkeiten zufrieden. Im Durchschnitt aller Beschäftigten in Österreich sind es mehr als 60 Prozent. Rund 30 Prozent der Überqualifizierten wollen den Job oder die Firma wechseln. Insgesamt liegt dieser Wert bei 17 Prozent.

Hohe Wechselbereitschaft

Besonders hoch ist die Wechselbereitschaft im Gastgewerbe. Dort arbeiten auch überdurchschnittlich viele Personen unter ihrem Qualifikationsniveau. Auch im Kultursektor, der Telekommunikations- und Medienbranche oder im Verkehr und Transportwesen sind viele Überqualifizierte beschäftigt. Zwischen Männern und Frauen ist dabei kein signifikanter Unterschied erkennbar, genauso wenig wie bei den unterschiedlichen Altersklassen.

Den rund 18 Prozent überqualifizierten Mitarbeitern stehen rund 14 Prozent unterqualifizierte Mitarbeiter gegenüber. Als Beispiel nennt Schönherr eine Friseurin, die nur einen Pflichtschulabschluss hat. Viele der Mitarbeiter, die die formalen Bildungsanforderungen für ihren Job nicht mitbringen, arbeiten schon über zehn Jahre in ihrem Beruf. Rund 40 Prozent haben sich im Zeitraum von 2016 bis 2018 beruflich weitergebildet.

Vieles könne durch Erfahrung wettgemacht werden. Schwierig werde es meist dann, wenn ein Jobwechsel notwendig werde, sagt Johann Kalliauer, Präsident der AK Oberösterreich. Denn die Einstufung im neuen Job erfolge meist nach den formalen Bildungsabschlüssen. Er fordert eine bundeseinheitliche Kriterien, die das Nachholen von Abschlüssen erleichtern. (ost, 20.2.2019)