Foto: Uwe Grinzinger

Schneeschuh-Almenrunde in der steirischen Ramsau

22. Februar 2019, 06:00

Über unverspurte Wiesen, durch lichten Wald, manchmal sogar über präparierte Winterwanderwege führt diese Schneeschuh-Almenrunde von Hütte zu Hütte.

"Im Banne der Dachstein-Südwand": So heißt ein Klassiker der Alpinliteratur, verfasst vom Wiener Bergsteiger Kurt Maix (1907 – 1968). Der Titel würde auch gut zum Winterwandern in Ramsau am Dachstein passen. Denn das Schaustück über verschneitem, sanftem Almgelände ist hier stets die gut 800 Meter hohe Südwand.

Durch diese Felsmauer raufte sich 1909 der legendäre Georg "Irg" Steiner hinauf, zusammen mit seinem Bruder Franz. Den "Steinerbuam" gelang damals die Erstbegehung der Dachstein-Südwand. Viele hatten das zuvor für "klettertechnisch unmöglich" gehalten. Franz Steiner übernahm wenig später die heute noch bekannte Lodenwalkerei in Mandling. Der "Irg" dagegen soll nicht so für die Arbeit geschaffen gewesen sein. Er erfüllte alle Klischees des alpinen Nonkonformisten: Wilderer, Frauenheld, Kraftlackl, Lebenskünstler. Und Deserteur. Im ersten Weltkrieg versteckte er sich nämlich im Dachsteingebirge – und wohl auch unter mancher Bettdecke. Gut ein Dutzend uneheliche Kinder wurden ihm zugeschrieben. Die Dunkelziffer war angeblich deutlich höher.

Lange Runde

Zu Füßen der Dachstein-Südwand braucht man kein Draufgängertum à la "Steinerbuam". Ein Paar Schneeschuhe reicht. Mit ihm watscheln wir durch Winterwandergelände par excellence: über unverspurte Wiesen, durch lichten Wald, manchmal sogar über präparierte Winterwanderwege. Die wunderschöne, aber recht lange Almenrunde führt zuerst vom Gasthof Edelbrunn über den Gasthof Dachsteinblick zur Walcheralm.

Nach dem Abstecher zur Neustattalm (manchmal auch: "Neustadlalm") stapfen wir weiter über Austriahütte und Brandriedel zur Brandalm, dann zurück zum Ausgangspunkt. "Hütten-Hopping" ist angesagt, liegen doch vier Einkehrmöglichkeiten am Weg. Da lässt sich leicht verschmerzen, dass auf Neustattalm und Austriahütte die Türen im Winter verschlossen sind. Wer abkürzen will, kann die beiden letztgenannten Ziele auch auslassen. Was aber schade wäre. Denn dann verpasst man zwei der schönsten Aussichtspunkte "im Banne der Dachstein-Südwand". (Uwe Grinzinger, 22.2.2019)

Weitere Outdoor-Tipps:

Google Maps: Wandern, Radfahren, Schneeschuh- und Skitouren in Österreich

Service & Info

karte: der standard

Ausgangspunkt: Ramsau am Dachstein, Gasthof Edelbrunn (ca. 1.320 m).

Anreise: Mit dem PKW: Im Ortsteil Schildlehen (westlich des Ortszentrums von Ramsau) abbiegen zum Gasthof Edelbrunn (Wegweiser), den man auf tw. steiler Straße erreicht (ev. Schneeketten nötig). Parken direkt vor dem Haus (für Gäste) oder kurz unterhalb (meist geräumte Stellplätze).

Mit Öffis: Vom Bahnhof Schladming mit Bus Nr. 960 nach Ramsau, Haltestelle Langgasse (www.oebb.at). Von dort ca. 1 km (120 Höhenmeter) zu Fuß zum Ausgangspunkt.

Edelbrunn bis Walcheralm:

Unter dem Gasthof Edelbrunn vorbei und nach links (westlich) in den Wald (Wegweiser "Dachsteinhaus"). Auf einer Forststraße (i. d. R. gut ausgetretener Winterwanderweg) oberhalb eines Schleppliftes vorbei und leicht bergauf zum Gasthof Dachsteinhaus. Unmittelbar danach auf einem präparierten Skiweg ca. 200 m bergauf (Achtung auf entgegenkommende Skifahrer!), dann nach links auf einen Winterwanderweg wechseln (gelber Wegweiser "Walcheralm"; Abzweigung u. U. unscheinbar, je nach Schneelage).

Am Winterwanderweg ziemlich waagrecht am Hang dahin, dann über eine Bachbrücke. Kurz danach bei einer Kreuzung rechts (wieder "Walcheralm"-Schild) und zu einer Wiese mit Schlepplift. Dort direkt am Waldrand, bei einem Heustadel, rechts hinauf zur Schlitzenalm. Weiter zu zwei Hütten, die etwas oberhalb stehen. Anschließend entweder direkt am lichten Waldrücken hinauf, oder leicht östlich unterhalb auf einem Karrenweg. Auf ca. 1.560 m nach links (Westen) über Schlepplift-Trasse und Skipiste zur Walcheralm hinüberqueren.

Abstecher zur Neustattalm:

Auf der Walcheralm-Zufahrtsstraße hinunter zur Dachstein-Südwandstraße. Über sie, jenseits dann kurz bergab zu den Hütten der Neustattalm (= Neustadlalm). Zurück zur Walcheralm auf der gleichen Route.

Zu Austriahütte, Brandriedel, Brandalm:

Von der Walcheralm waagrecht über die Piste, zur Schlepplift-Stütze genau gegenüber. Nun entlang des Sommerweges die Hänge nach Osten queren, bis man auf einen Karrenweg trifft. Dieser wird bald zu einem schmäleren, aber in der Regel gut gespurten Winterwanderweg (Wegweiser "Brandalm", "Austriahütte"). Auf ihm umgehen wir das Tälchen zwischen Walcheralm und Austriahütte, bis wir einen präparierten Skiweg erreichen. Rechtshaltend könnte man gleich zur Brandalm abkürzen, sofern man am Skiweg bleibt (spart ca. 1,5 km und 150 Höhenmeter).

Wer zu Austriahütte und Brandriedel will, verlässt dagegen nach ca. 50 m den Skiweg scharf nach links. Nun nach Nordosten Richtung Edelgrieß aufsteigen, bis kurz vor eine Hütte. Dort den Wegweisern scharf nach rechts folgen und fast waagrecht nach Südwesten zur Austriahütte. Nun leicht ansteigend in den Sattel nordöstlich des Brandriedels und am Rücken nach Südwesten auf den unscheinbaren Gipfel (1.725 m). Zurück Richtung Sattel, bis man kurz vor ihm über ein steileres Tälchen nach links (Nordwesten) hinuntersteigen kann.

Brandalm bis Edelbrunn

Nahe der Brandalm erreicht man wieder die Skiroute. Ihr nach links folgen, bis man auf den bekannten Aufstiegsweg trifft. Auf ihm, vorbei am Dachsteinhaus, zurück zum Ausgangspunkt.

Anforderungen: Einfache, aber lange Schneeschuhwanderung, teilweise auf präparierten Winterwanderwegen. Nur selten lawinengefährdet.

Einkehr: Gasthof Edelbrunn, Gasthof Dachsteinhaus, Walcheralm, Brandalm

Karte: Österreich-Karte 1:25.000V Nr. 3217-Ost

Literaturtipp: E. Zienitzer, S. Sarcletti – Schneeschuhführer Steiermark, Bergverlag Rother, 2017, EAN 9783763358120 (geringfügig andere Routenführung zur Austriahütte)