Vertigo

RAF Camora: Sein Heim steht in Rudolfscrime

22. Februar 2019, 11:19

Der Rapper wird mit Bonez MC kommendes Wochenende zwei Mal die Wiener Stadthalle ausverkaufen. Ein Abc von "A" wie Fliederbusch bis "M" wie Drogen

Autos – RAF Camora, der erfolgreichste (und härteste) deutschsprachige Rapper, fährt gern dicke Autos. Sie sind im Geschäft ein Statussymbol und auch für die Fans sehr wichtig. Wenn es jemand von ganz unten nach oben geschafft hat, dann muss er das auch zeigen. Entsprechende Tracks wie 500 PS sprechen eine eindeutige Sprache. Dank dicker Hose ist der Mann aus dem sozialen Brennpunkt, dem eigentlich ganz gemütlichen Wiener Arbeiter- und Migrationshintergrundbezirk Rudolfsheim-Fünfhaus, vom Alfa Romeo mittlerweile auf einen schwarzen Maserati GranTurismo umgestiegen, um damit in seinem Wiener Stammlokal vorzufahren. Verkehrsschilder, etwa schwule Parkverbote, können dabei leider nicht beachtet werden (selbst gesehen). Das Leben ist sehr hart in Wien-Rudolfscrime.

Drogen – In RAF Camoras Texten kommen viele Drogen vor. Teilweise auch harte. Immerhin ist RAF Camora der härteste deutschsprachige Rapper. Früher hat RAF Camora laut seinem Track Vienna vor dem Flex LSD verkauft. Neben der Partydroge MDMA geht es in den gleichnamigen Songs auch um Kokain. Die weichen Drogen Schampus und Gras kommen auch vor. Wenn man viel Gras raucht (und Rapper müssen ganz viel Gras rauchen), kann das Ganze ganz schön hart werden. Aus Fortbildungszwecken war RAF Camora 2015 auf Jamaika. Dort gibt es auch Musik.

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Erfolg – RAF Camora ist nicht nur der härteste deutsche Rapper, er ist derzeit auch der erfolgreichste. Mit 34 Jahren besitzt er 36 Goldene und elf Platin-Schallplatten. Seine Lieder, zuletzt jene des Albums "Palmen aus Plastik 2", mit denen er auch das Fassungsvermögen der Ö3-Hitparade sprengte, wurden über eine Milliarde Mal auf diversen Plattformen wie Spotify gestreamt.

Fliederbusch – RAF Camora ist hart, er gibt einen feuchten Dreck auf uns "Drecksbitches", die wir als "lesbische Klique" herum-illen. Sein großer Schwanz wird unseren Anus auf seinem Twitter treffen und uns fliederbuschen. Der Gaybarometer steigt, da ist er streng und streng hetero. RAF Camora fliederbuscht übrigens auch den Staatsfunk: "Fick ORF, dann seine Mutter / Zehn Jahre schon mein‘n Erfolg ignoriert / Ja, natürlich verletzt es mich, Bruder." Das mit der Mutter ist problematisch. Wenn sie die eigene ist, ist sie immer die beste. Die Mütter der anderen sind oft Nutten. Das kann ganz schön hart werden im Umgang mit den anderen schweren Jungs da draußen auf der Straße. Aber man sieht, RAF Camora besitzt hinter seiner harten Schale auch einen weichen Kern.

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Herkunft – RAF Camora, Jahrgang 1984, verbringt seine Kindheit als Raphael Ragucci in der französischen Schweiz (Vater Vorarlberger, Mutter Italienerin) und lernt dort Geige und Klavier. Nach dem Umzug der Eltern wächst er während seiner Teenagerjahre im Wiener Ghetto Rudolfscrime auf ("Piss von West-Wien direkt auf euren Nobelbezirk!"). Er schlägt sich anfangs mit dem Ausräumen der Opferstöcke von "Kronekurier" am Sonntag durch. Nebenher dealt er, stiehlt Fahrräder und spielt in einer Rockband Gitarre. Er büchst für ein Jahr von zu Hause aus, schafft aber dann trotzdem die Matura und absolviert seinen Wehrdienst. Er entdeckt den Hip-Hop für sich. Seit 2007 lebt er meist in Berlin. Berlin kann ganz schön hart sein.

Musik – Die Themen "Mutter" und "Maserati" haben wir schon erwähnt, "Muschi" unter "Fliederbusch", deshalb jetzt zur Musik. RAF Camora macht Musik, zurzeit gemeinsam mit seinem Kumpel Bonez MC. Sie ist vom jamaikanischen Dancehall ebenso beeinflusst wie von afrikanischen Stilen und altem Hip-Hop. Irgendwie wirkt das alles zwar hart, aber auch ein wenig unterkomplex.

Zukunft – RAF Camora ist hart, aber das Leben ist härter. Mit seinen 34 Jahren kommt der Rapper nun in ein Alter, in dem ihm die jugendlichen männlichen Pubertierenden wegreifen. In Zukunft will er abseits der Bühne verstärkt jüngere Acts produzieren und sich patenmäßig im Hintergrund halten. Al Pacino und so. (Christian Schachinger, 21.2.2019)

Live am Samstag, 23. 2., und Sonntag, 24. 2., in der Wiener Stadthalle. Beginn jeweils 19.30 Uhr