Foto: Aikaterini Kasimati / Agroknow

Wie Big Data den Winzern hilft, besseren Wein zu produzieren

22. Februar 2019, 11:10

Der Klimawandel verändert Reifeprozesse und stellt Winzer vor die Herausforderung qualitativ hochwertigen und nachhaltigen Wein zu produzieren

Der Klimawandel sorgt schon heute dafür, dass wir Weine aus Estland und Finnland genießen können. In absehbarer Zeit wird es in vielen europäischen Südlagen zu heiß für manche Rebsorten sein, der Weinbau wird sich vermehrt gen Norden und in höhere Lagen orientieren. Auf Kreta beispielsweise erreichen Weißweinsorten schon heute nicht mehr die geforderte Qualität.

Abhilfe könnte die Datenrevolution schaffen – indem sie dazu beiträgt, den Wein von morgen zu verbessern und sein Überleben zu garantieren. Das sich verändernde Klima beeinflusst langfristig das, was Weinbauern Terroir nennen – die Gesamtheit der natürlichen und kulturellen Faktoren wie Rebe, Boden oder Klima. Also das, was einen Wein zu dem macht, was er ist, ihm seinen Charakter verleiht.

Die Weinernte ist aufgrund äußerer Einflüsse stets starken Schwankungen ausgesetzt. Da hilft es zu wissen, welche Risiken auf die jeweiligen Rebsorten an einem Standort zukommen. Tatsächlich belief sich die Ernte 2018 auf 2,7 Millionen Hektoliter.
foto: apa

So wie Winzer durch ihre Erfahrung auf solche Veränderungen reagieren, adaptiert sich auch die Rebe. Die von Weinbauern getroffenen Maßnahmen sind aber nicht perfekt – weil bestimmte Informationen und Daten bislang fehlen. Das griechische Projekt BigDataGrapes will Winzern Daten als Grundlage für ihre Entscheidungen liefern und so den Weinanbau nachhaltiger machen.

In Pilotprojekten in Italien, Frankreich und Griechenland werden Satellitenbilder und Wetterdaten ausgewertet, sensorische Bodendaten und Analysen von Versorgungsketten und Finanzdaten gesammelt, um so ein umfassendes Bild der Herausforderungen zu zeichnen, mit denen die Rebsorten je nach Standort zu kämpfen haben – seien es Frostnächte, erhöhte Durchschnittstemperaturen oder trockene Böden. Ein Winzer kann sich so besser auf drohende Gefahren einstellen und für die Region resistentere, nachhaltigere, qualitativ hochwertigere und damit wirtschaftlichere Sorten anbauen. Je mehr Winzer sich künftig beteiligen, desto größer das Datenreservoir, desto exakter die Empfehlungen.

Österreichische Skepsis

Heimische Winzer haben den Handlungsbedarf aufgrund des Klimawandels definitiv erkannt, ist Ferdinand Regner vom Bundesamt für Wein- und Obstbau überzeugt. "Bislang reagiert darauf aber jeder individuell." Auch künftig werden Winzer Neuem wohl skeptisch gegenüberstehen, glaubt Regner. Genau wie die Endkunden meist einer präferierten Rebsorte treu bleiben, ohne auf die Qualität zu achten. So sind rund die Hälfte der in Österreich produzierten Weißweine Grüne Veltliner. Zweigelt stellt knapp vier von zehn Roten, obwohl das Bundesgesetz 40 Rebsorten zur Produktion von Qualitätsweinen erlaubt.

Auch aufgrund des Klimawandels nähert sich die österreichische Weinproduktion der griechischen allmählich an. Österreich = blau, Griechenland = grau
foto: screenshot / oiv

Die Experten und Software-Developern von BigDataGrapes wollen niemanden bevormunden. Ihnen geht es um eine userfreundliche Unterstützung der Winzer mittels einfacher Aufbereitung komplexer und umfangreicher Daten in interaktiven Statistiken, Grafiken und Karten – für besseren und vor allem auch nachhaltigeren Wein.

Bessere Entscheidungen

Neben BigDataGrapes existiert mit Foodakai ein weiteres spannendes Agroknow-Projekt, das mit praktischen Anwendungsmöglichkeiten eine nachhaltigere und wirtschaftlichere Lebensmittelverarbeitung garantieren soll. Interessierte Hersteller können sich mit Foodakai eine große Menge an inhaltlich übersichtlich aufbereiteten Daten und Statistiken ausspielen lassen. Damit lässt sich erkennen, für welche Zutaten ihres Produktes die Bedingungen der Region nicht ideal sind.

Sowohl BigDataGrapes als auch Foodakai sind Teil des 2008 gestarteten und mit rund 4,4 Millionen Euro von der EU geförderten Projekts AgroKnow. EU-weit können interessierte Landwirte, Winzer oder Unternehmer auf den Homepages um Unterstützung ansuchen.
foodakai

Ein Beispiel: Ich fasse den Entschluss, in Tirol einen Apfel-Kiwi-Zwetschken-Smoothie aus regionalem Anbau auf den Markt zu bringen. Davor kann ich mittels der Parameter herausfinden, wie es in den vergangenen Jahren um diese Fruchtsorten bestellt war, welche Pestizide die verschiedenen Gewächse bedrohten, ob es im Schnitt genügend Sonnen- und Feuchttage gab und ob die monatliche Durchschnittstemperatur für die notwendigen Reifeprozesse ausreicht. (Fabian Sommavilla, 22.2.2019)

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