In Niederösterreich und im Burgenland deutlich weniger Wechsel aus Deutschklassen

22. Februar 2019, 13:32

Im Burgenland wechselten zwei von 27 Kindern in Regelklasse, in Niederösterreich 23 von 662

Wien – In Niederösterreich und dem Burgenland haben deutlich weniger Kinder den Umstieg aus einer Deutschförderklasse in eine Regelklasse geschafft als in Wien. Laut Zahlen des Bildungsministeriums gelang dies im Burgenland zwei von 27 Kindern und in Niederösterreich 23 von 662.

In Wien kamen im Herbst 4.966 Kinder wegen mangelnder Deutschkenntnisse in eine Förderklasse. 865 wechseln im zweiten Semester in die Regelklasse, das sind rund 15 Prozent.

Im Burgenland liegt der Prozentsatz mit sieben Prozent deutlich darunter – wobei allerdings die Rahmenbedingungen ganz andere sind: Im ganzen Burgenland gab es im Herbst nur drei Deutschklassen mit insgesamt 36 Schülern. Eine davon wurde aufgrund des Umzugs eines Schülers eingestellt, weil die Mindestanzahl von acht Kindern damit nicht mehr gegeben war.

Noch niedriger ist der Anteil der Kinder, die den Wechsel in die Regelklasse geschafft haben, mit rund drei Prozent in Niederösterreich. Aus den anderen Bundesländern liegen derzeit noch keine Zahlen vor.

Insgesamt gab es im ersten Semester in Österreich knapp 700 Deutschklassen, etwas mehr als die Hälfte davon in Wien. Über den Umstieg in eine Regelklasse entscheiden die Direktoren. Ab dem Sommer erhalten sie dafür ein einheitliches "Messinstrument zur Kompetenzanalyse – Deutsch".

Längerfristige Förderung nötig

Für FPÖ-Bildungssprecher Wendelin Mölzer sind die Zahlen aus Wien nicht überraschend: "Zum Einen ist es erfreulich, dass fast tausend Kinder nach nur einem Semester ausreichend Kenntnisse im Rahmen der Deutschförderklassen erlangen konnten, um am Regelunterricht teilzunehmen." Andererseits zeige sich, dass von den Schulkindern in der Fördermaßnahme ein beträchtlicher Teil so große Deutschdefizite habe, dass diese eben längerfristig und intensiver auf den Regelunterricht vorbereitet werden müssten.

Besuchen müssen die Deutschförderklassen jene Kinder, die als außerordentliche Schüler eingestuft wurden. Dort wird dann in 15 bis 20 Wochenstunden nach eigenem Lehrplan Deutsch unterrichtet – für Gegenstände wie Zeichnen, Musik oder Turnen werden die Kinder aber altersgemäß den normalen Regelklassen zugeteilt. Einschränkung: Die Klassen werden erst ab acht Schülern pro Standort eingerichtet. Besuchen müssen sie außerdem nur jene Kinder, die in der ersten Schulstufe aufgenommen wurden, oder gerade in Österreich angekommene Quereinsteiger ins Schulsystem.

Am Ende jedes Semesters wird dann der Sprachfortschritt überprüft. Dann sind drei Fälle möglich: Bei nicht entsprechendem Fortschritt muss die Deutschklasse weiter besucht werden. Sind die Verbesserungen so deutlich, dass der Schüler dem Unterricht folgen kann, wird er zum ordentlichen Schüler, wechselt in eine Regelklasse und erhält eine Förderung im Rahmen von Deutsch als Zweitsprache. Liegen die Testergebnisse dazwischen, kann der Schüler also trotz Fortschritten noch nicht ganz dem Unterricht folgen, wechselt er als außerordentlicher Schüler in die Regelklasse und erhält noch sechs Stunden pro Woche parallel zum Unterricht Förderung in einem Deutschförderkurs. Insgesamt dürfen Deutschklasse und Deutschförderkurs maximal vier Semester dauern. (APA, 22.2.2019)