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Vorsicht bei Huflattich als Hustenstiller

4. März 2019, 07:00

In den sozialen Medien wird Huflattich als Hustenstiller propagiert, doch die Inhaltsstoffe können gefährlich sein

Huflattich gehört zu den ersten Frühlingsboten in Österreich. Früher verwendete man seine Blätter und Blüten als hustenlinderndes, schleimlösendes und entzündungshemmendes Heilkraut. Nun war es aber schon lange still um die kleine, gelbe Blume, die in Österreich an sonnigen, trockenen Standorten vorkommt. Grund dafür ist das Heilpflanzenverbot aus dem Jahr 1994, das verschiedene potenziell gesundheitsschädliche Pflanzen aus dem Verkehr zog.

Parallel zum steigenden Interesse an pflanzlichen Heilmitteln wird letztens auch der Huflattich wieder immer öfter erwähnt. Im Internet finden sich neben Anleitungen für Hustensäfte und Rauchmischungen auch viele Artikel mit "Heilwirkung". In Facebook-Gruppen werden Fotos von Eigenproduktionen gepostet. Dass die im wilden Huflattich enthaltenen Stoffe lebertoxisch und krebserregend sein können, bleibt meist unerwähnt.

Ein altes Hausmittel

Huflattich galt als Wundermittel, das selbst den hartnäckigsten Husten bekämpft. Schon in der Antike wusste man seine Heilwirkung zu schätzen, verschrieb ihn als Tee, Extrakt oder gar Rauchmischung. Man behandelte damit nicht nur Husten jeglicher Art, sondern auch Entzündungen von Mund, Rachen oder Bronchien.

Grund für das Verbot von 1994 war eine erdrückende Beweislage, dass enthaltene Stoffe (Pyrrolizidinalkaloide = PA) krebserregend und leberschädigend wirken. Laut Aussage der österreichischen Apothekerkammer darf seitdem nur mehr PA-freier Huflattich an Patienten abgegeben werden. Dieser stammt aus einer speziellen Züchtung. Alleiniges Verkaufsrecht haben die Apotheken, welche für die Unbedenklichkeit der Ware garantieren.

Bei den gesundheitsschädlichen PAs im Huflattich handelt es sich um Stoffe aus der Untergruppe der PAs mit 1,2-ungesättigtem Necingerüst. Dieses Grundgerüst muss mit mindestens einer verzweigten C5-Carbonsäure verestert sein. Zu den schädlichen Verbindungen gehören auch die Sauerstoffderivate. Vertreter dieser Untergruppe im Huflattich sind Senkirkin und Senecionin.

Gefährliche Metaboliten

Tierexperimentell und im Zellmodell wies man nach, dass Stoffe aus besagter PA-Untergruppe lebertoxisch und mutagen-kanzerogen wirken. Genau genommen sind es nicht die Stoffe selbst, die gesundheitsschädlich sind, sondern deren in den Leberzellen gebildeten Metaboliten.

In einer weiteren Studie stellte man fest, dass in menschlichen Leberzellen genauso viele gesundheitsschädliche Metaboliten gebildet werden wie in tierischen Leberzellen. Dieses Ergebnis dient als Beweis dafür, dass die gesundheitsschädigende Untergruppe der PAs bei Menschen dieselbe Wirkung hat wie bei Tieren.

Wilder Huflattich enthält je nach Standort, Klimabedingungen, Sorte und Saison eine variierende Menge und Zusammensetzung von PAs. Aufgrund der schlechten Abschätzbarkeit des tatsächlichen Gehalts sollte man von einer Verwendung der Wildpflanze absehen. Natürliche Alternativen sind Thymian, Eibisch oder Spitzwegerich, alles gesundheitlich unbedenkliche Kräuter, die zur Therapie des Atemtrakts eingesetzt werden.

Kontroverse Einschätzung

Trotzdem sammeln viele Selbermacher Huflattich, um ihre eigenen Produkte herzustellen. Grund dafür ist oft Unwissenheit wegen fehlender Aufklärung im Internet und in den Medien, aber auch ein mangelndes Vertrauen in die Gesetzgebung.

Auch die Kräuterpädagogikschule hat eine kritische Meinung gegenüber dem Heilpflanzenverbot von 1994. Die Studien seien unklar, verwendete Dosierungen seien im viel zu hohen Bereich gewesen. In den Unterrichtsstunden wird der Huflattich trotzdem kaum mehr besprochen. Er wird lediglich kurz mit Inhaltsstoffen, den gesundheitsfördernden und den gesundheitsschädlichen, vorgestellt. Genauso wird übrigens im Pharmaziestudium damit umgegangen.

Seit einigen Jahren gibt es eine gezüchtete PA-freie Huflattichsorte am Markt. Die daraus hergestellte Teedroge kann man in einigen österreichischen Apotheken kaufen.

Was unbedenklich ist

PA-freier Huflattich hat keine bekannten Nebenwirkungen und keine Kontraindikationen. Ein Zusammenspiel mehrerer Wirkstoffgruppen ermöglicht die effektive Hustenlinderung. Enthaltene Gerbstoffe (5 Prozent) binden bei Einnahme an die Oberfläche der verletzten Schleimhäute. Die entstehende Barriere hindert Bakterien vor dem Eintritt in geschwächte Areale. Es kommt zur Entzündungshemmung. Zusätzlich enthaltene Schleimstoffe (saure Polysaccharide, zehn Prozent) legen sich schließlich wie ein Film über die gegerbte Haut und senken so den Hustenreiz.

Tussilagin, ein in Huflattich enthaltenes, ungiftiges PA wirkt laut den Ergebnissen neuester Zellversuche entzündungs- und hypersekretionshemmend. Bei Bestätigung der Ergebnisse im Tiermodell und der klinischen Studie könnte dies die Wirksamkeit von Huflattich bei Bronchitis und produktivem Husten erklären. Nun stellt sich aber auch die Frage, ob Tussilagin im PA-freien Huflattich überhaupt noch enthalten ist. (Yvonne Vorhauser, 4.3.2019)