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US-Schauspieler Jussie Smollett: Vom Opfer zum mutmaßlichen Bösewicht

Kopf des Tages |
22. Februar 2019, 16:55

Die Chicagoer Polizei wirft dem US-Schauspieler vor, eine Attacke gegen ihn selbst erfunden haben. Der weist die Vorwürfe zurück

Als schwulen Tupac bezeichnete sich Jussie Smollett. Tupac Shakur, das war der berühmte Rapper, der 1996 erschossen wurde – die Hintergründe sind bis heute unklar. Wie Smollett diesen Vergleich gemeint hat, ließ er offen. Aber klar ist: Er sieht sich auch selbst als Opfer. Ob er das tatsächlich ist, daran gibt es nun erhebliche Zweifel.

Begonnen hat alles am 29. Jänner. Der 36-jährige Schauspieler meldete der Chicagoer Polizei, attackiert worden zu sein. Zwei maskierte Angreifer hätten ihm nachts auf der Straße ins Gesicht geschlagen, ihm eine unbekannte chemische Flüssigkeit über den Kopf geleert und ein Seil um seinen Hals gebunden.

MAGA-Land

Er ist schwarz und schwul, und die Behörden vermuteten eine rassistische und homophobe Attacke. Denn die Angreifer hätten gesagt, das hier sei ein MAGA-Land – eine Anspielung auf Donald Trumps berühmten Slogan "Make America Great Again". Dem US-Präsidenten wird ja gerne vorgeworfen, Hass unter anderem auf Schwarze und Homosexuelle zu schüren.

Damit wurde aus der ganzen Geschichte ein Politikum. Zahlreiche Künstler und demokratische Politiker erklärten sich mit Smollett solidarisch und kritisierten im gleichen Atemzug Trump. Auch dann noch, als erste Zweifel an Smolletts Version auftauchten.

Der trat unterdessen seine Version öffentlich breit. Das Rampenlicht ist er ja gewohnt. Schon als Kind war er in Hollywoodfilmen zu sehen. Nun ist er vor allem für seine Rolle als schwuler Jamal Lyon in der TV-Musicalserie Empire bekannt, während er nebenbei als Sänger in den Charts aufscheint. Ob er einen Partner hat, verrät er nicht.

Motiv: Geld

Am Donnerstag platzte dann die Bombe. Smollett habe alles nur erfunden, sagte Chicagos Polizeichef Eddie Johnson. Die Angreifer seien Bekannte gewesen, die er bezahlt habe, um mitzuwirken. Sie, so Johnson, hätten gestanden. Das Motiv sei Smolletts Wunsch gewesen, mehr Gehalt bei Empire zu bekommen. Ein Drohbrief an Smollett, den er laut Polizei wohl selbst verschickt hat, habe zuvor nicht die entsprechende Wirkung gehabt.

Smollett drohen nun wegen Falschaussagen bis zu drei Jahre Haft. Aus Empire wird er aus den ausstehenden zwei Folgen der aktuellen Staffel geschnitten, wie die Produzenten am Freitag bekannt gaben. Der bleibt aber bei seiner Version, seine Anwälte toben ob der Vorverurteilung.

Für 50 Cent ist die Sache aber klar. Der Rapper, der Smollett bisher unterstützt hatte, postete auf Instagram folgendes Bild: Smolletts Gesicht statt Tupac Shakurs auf dessen Erfolgsalbum All Eyez on Me. Dort steht nun all liez on me. (Kim Son Hoang, 22.2.2019)