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Kreativchef: "Mir bleiben 2.500 bis 3.000 Euro"

1. März 2019, 11:54

Der 34-Jährige arbeitet als Creative Director in einer Werbeagentur, die er selbst mitgegründet hat

"Ich arbeite als Creative Director in einer Wiener Werbeagentur, die ich selbst mitaufgebaut habe. In der Branche bin ich absoluter Quereinsteiger. Ich habe bildende Kunst und Kulturwissenschaften studiert, in diesen Fächern meine Magister gemacht und dann noch einen Doktor in Philosophie. Die Agentur ist quasi organisch gewachsen. Begonnen hat es damit, dass mein Geschäftspartner und ich in unserer Freizeit Event- und Musikvideos produziert haben. Wir waren so erfolgreich, dass wir dieses Hobby professionalisieren wollten.

Das war viel Learning by doing. Ich habe Bücher gelesen, mir angeschaut, wie es andere Agenturen machen. Auch, wie man ein guter Chef ist, muss man erst lernen. Buchhaltung, Human Resources, Investitionen, Arbeitsverträge, Projektmanagement, da gab es viel Lernpotenzial. Das Motto war: Try, fail, try again, fail better. Fünf Jahre nach der Gründung läuft es ziemlich gut. Die Agentur hat 16 Fixangestellte und zehn Freelancer. Meine Aufgabe ist, Konzepte für Kampagnen zu entwerfen – von klassischen Print- bis hin zu Social-Media-Kampagnen.

Bis zu 70.000 Euro brutto

Wir arbeiten zudem viel mit Bloggern zusammen und veranstalten auch selbst Events. Natürlich ist es nicht immer leicht, wenn man von Projekten abhängig ist. Unser Vorteil ist, dass wir unser Leistungsspektrum sehr breit aufgestellt haben und einiges anbieten können. Ich bin in der Agentur angestellt, aber halte auch noch einen Anteil an der Firma. Das heißt, ich kann am Ende des Jahres mit einer Bonuszahlung und Prämien rechnen.

Inklusive dieser Extrazahlungen verdiene ich im Jahr zwischen 60.000 und 70.000 Euro brutto. Grob gerechnet bleiben mir zwischen 2.500 und 3.000 Euro netto pro Monat übrig. Mein Verdienst hat sich über die Jahre, mit dem Umsatz und dem Gewinn, stetig gesteigert. Anfangs bin ich mit unter 2.000 Euro heimgegangen.

Zu zweit im Kinderzimmer oder wie jetzt mit 16 Leuten – das ist eben ein Unterschied.

"Mein Gehalt ist, verglichen mit dem Durchschnitt aller Gehälter in Österreich, sicher kein schlechtes. Man muss aber immer dazusagen: Das ist auch ein 60-Stunden-Job", sagt unser Interviewpartner, Kreativchef in einer Werbeagentur. (Symbolfoto)
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Mein Gehalt ist, verglichen mit dem Durchschnitt aller Gehälter in Österreich, sicher kein schlechtes. Man muss aber immer dazusagen: Das ist auch ein 60-Stunden-Job, ein Job, den ich oft mit nach Hause nehme. Ich sitze regelmäßig bis Mitternacht am Schreibtisch und arbeite auch am Samstag und Sonntag. Das bekomme ich alles nicht extra vergütet. Außerdem habe ich als Führungskraft eine große Verantwortung für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In großen Agenturen wäre es ein Gehalt im mittleren Bereich, dort verdienen sie weit mehr.

Was zählt, ist aber nicht nur das Geld. Wir haben ein schönes Büro mit Dachterrasse und ein gutes Arbeitsklima. Wir sind alle gute Bekannte bis Freunde, haben flache Hierarchien. Wir gehen öfters nach der Arbeit gemeinsam was trinken und haben auch unseren eigenen Feiertag gegründet, an dem wir zum Beispiel Trampolinspringen gehen. Aber das Allerwichtigste ist für mich: Die Arbeit macht Spaß, und ich kann mich entfalten.

Meine Ausgaben

Meine größte Ausgabe ist die Miete für meine Wiener Wohnung: Das sind 1.200 Euro pro Monat, die ich mir aber mit meiner Verlobten teile. Weitere Fixkosten sind Versicherungen, Internet und ein Netflix-Abo, insgesamt circa 100 Euro. Dazu kommen noch 300 bis 400 Euro für Essen, ich gehe viel in Restaurants. Ansonsten fliege ich ein bis zwei Mal pro Jahr auf Urlaub. Ich interessiere mich sehr für Kunst, das heißt, da gehen hin und wieder ein paar hundert Euro für Kunstwerke drauf. Ab und zu kaufe ich mir auch noch ein Paar coole Sneakers." (Gehaltsprotokoll: Lisa Breit, 1.3.2019)

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