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Grüne Energie: Wie Blätterrascheln Strom erzeugt

10. März 2019, 11:00

Pflanzen kann man nicht nur verbrennen, sondern auch lebend zur Energiegewinnung nutzen

Wageningen/Pisa – Dass Pflanzen nicht nur Sauerstoff spenden, sondern sich aus ihnen auch hervorragend Energie gewinnen lässt, ist kein Geheimnis. Holz wird schon seit Anbeginn der Menschheit verbrannt und ist als Alternative zu fossilen Energieträgern wieder im Gespräch.

Auch wenn Biomasse die gleiche Menge an CO2 einspeichert, wie bei der Verbrennung anfallen – beim Transport des Materials fallen zusätzliche Emissionen an. Die Felder für Biokraftstoffe müssten zudem aufwendig gedüngt werden – und verbrauchen Platz, auf dem man auch Lebensmittel anbauen könnte.

Graswurzelstrom

Das Projekt Plant-E an der Universität Wageningen in den Niederlanden will deshalb Energie an lebenden Pflanzen "ernten". Bei der Photosynthese erzeugen Pflanzen Stoffe, vor allem Sauerstoff und Glukose. Die meiste Glukose kann aber nicht verwertet werden und wird in den Boden abtransportiert. Dort machen sich Bakterien über den Zucker her, dabei entstehen Elektronen, oder: Strom.

Strom aus Pflanzen könnte Kurven auf abgelegenen Straßen beleuchten.
foto: plant-e

Kohleelektroden unter der Erde fangen diese Energie auf, die – ohne den Umweg einer Verbrennung – direkt nutzbar ist. Eine 15 Quadratmeter große Testanlage produziert aber momentan genug Strom, um einen Laptop zu betreiben. Das ist nur ein Bruchteil von dem, was Photovoltaik-Anlagen schaffen, dort liegt die Ausbeute bei circa 100 Watt pro Quadratmeter. Das Ziel von Plant-E sind drei Watt.

Dafür könnte die Fläche auch anderweitig genutzt werden, etwa um Lebensmittel anzubauen. Dass unter einem Kartoffelfeld oder einem begrünten Dach gerade Strom geerntet wird, würde gar nicht auffallen.

Der Rhododendron als Steckdose

Dieser Rhododendron könnte eine Energiequelle der Zukunft sein.
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Zu einer anderen Methode forscht eine Gruppe am Istituto Italiano di Tecnologia in Pisa. Sie will das Blätterrascheln in nutzbare Energie verwandeln. Dazu wollen sie die Reibungselektrizität nutzen, die etwa entsteht, wenn man seine Haare an einen elektrostatisch aufgeladenen Luftballon hält.

Die italienischen Forscher fanden heraus, dass auch Pflanzenblätter eine elektrische Ladung erzeugen, wenn sie mit Blättern in Berührung kommen, die sie vorher mit dünnen Lagen aus Silikon präpariert haben. Unter 15 getesteten Pflanzen hat sich der Rhododendron als am effektivsten herausgestellt, seine Blätter konnten im Versuch immerhin 100 LEDs zum Leuchten bringen. "Jetzt müssen wir herausfinden, ob es eine Möglichkeit außerhalb des Labors gibt", sagte einer der Wissenschafter kürzlich zum "Wall Street Journal". (red, 10.3.2019)