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Schluss mit dem Gender-Unfug!

Kommentar der anderen |
7. März 2019, 17:41

Ein Aufruf zum Widerstand aus dem Verein Deutsche Sprache

Die sogenannte gendergerechte Sprache beruht erstens auf einem Generalirrtum, erzeugt zweitens eine Fülle lächerlicher Sprachgebilde und ist drittens konsequent gar nicht durchzuhalten. Viertens ist sie auch kein Beitrag zur Besserstellung der Frau in der Gesellschaft.

Der Generalirrtum: Zwischen dem natürlichen und dem grammatischen Geschlecht bestehe ein fester Zusammenhang. Er besteht absolut nicht. Der Löwe, die Giraffe, das Pferd. Und keinen stört es, dass alles Weibliche sich seit 1000 Jahren von dem Wort "das Weib" ableitet.

Sprachgebilde

Die lächerlichen Sprachgebilde: Die Radfahrenden, die Fahrzeugführenden sind schon in die Straßenverkehrsordnung vorgedrungen, die Studierenden haben die Universitäten erobert, die Arbeitnehmenden viele Betriebe. Der große Duden treibt die Gendergerechtigkeit inzwischen so weit, dass er Luftpiratinnen als eigenes Stichwort verzeichnet und Idiotinnen auch. Und dazu kommt als weitere Verrenkung noch der seltsame Genderstern.

Nicht durchzuhalten: Wie kommt der Bürgermeister dazu, sich bei den Wählerinnen und Wählern zu bedanken – ohne einzusehen, dass er sich natürlich "Bürgerinnen- und Bürgermeister" nennen müsste? Wie lange können wir noch auf ein Einwohnerinnen- und Einwohnermeldeamt verzichten? Wie ertragen wir es, in der Fernsehwerbung täglich dutzendfach zu hören, wir sollten uns über Risiken und Nebenwirkungen bei unserem Arzt oder Apotheker informieren? Warum fehlt im Duden das Stichwort "Christinnentum" – da er doch die Christin vom Christen unterscheidet?

Verzerrungen

Und dann tragen solche Verzerrungen der Sprache nicht einmal dazu bei, den Frauen zu mehr Rechten zu verhelfen. Auch im Grundgesetz gibt es dafür kein Indiz: In 13 Artikeln spricht es zwanzigmal vom "Bundeskanzler", zusätzlich auch vom "Gewählten" und vom "Vorgeschlagenen". Den mehrfachen Aufstieg von Angela Merkel zur Bundeskanzlerin hat dies nicht behindert, und eine mögliche neue Bundeskanzlerin fühlt sich inmitten dieses Missstands offensichtlich ziemlich wohl.

Also appellieren wir an Politiker, Behörden, Firmen, Gewerkschaften, Betriebsräte und Journalisten: Setzt die deutsche Sprache gegen diesen Gender-Unfug wieder durch! (Monika Maron, Wolf Schneider, Walter Krämer, Josef Kraus, 8.3.2019)

Monika Maron, Schriftstellerin; Wolf Schneider, Träger des Medienpreises für Sprachkultur und Journalistenausbilder; Walter Krämer, Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache; Josef Kraus, langjähriger Präsident des Deutschen Lehrerverbandes.

Link: vds-ev.de

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