Foto: CA Immo

Österreicher im Osten wieder sehr aktiv

8. März 2019, 14:21

Nach der Wirtschafts- und Finanzkrise war es kurz ruhig um Investitionen in den CEE-Ländern. Seit einiger Zeit finden aber wieder Ankäufe statt

Erst kam der Boom, dann der Absturz. Noch 2007 wurden in den Ländern Osteuropas zwölf Milliarden Euro in Gewerbeimmobilien investiert, 2009 waren es dann nur noch 2,5 Milliarden. Dazwischen lag bekanntermaßen der Ausbruch der Finanzkrise.

Schon 2015 waren es aber wieder 9,5 Milliarden Euro. Und es ging weiter aufwärts: Im Vorjahr wurden allein in den wichtigsten CEE-Ländern Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Rumänien laut CBRE rund 12,5 Milliarden Euro investiert – um 15 Prozent mehr als 2017. "In fast allen CEE-Core-Märkten ist das Investmentvolumen gestiegen oder auf dem Niveau von 2017, einzig in Tschechien wurde weniger investiert als im Jahr 2017", so Andreas Ridder, Managing Director CBRE Austria & CEE, zu Jahresbeginn.

Der stärkste Markt war einmal mehr Polen, wo man ohnehin von der Krise nicht allzu viel gespürt hatte. Rund 6,6 Milliarden Euro und somit mehr als die Hälfte des gesamten CEE-Volumens flossen 2018 dorthin.

Deutlicher Anstieg

Insbesondere die Büroinvestmentmärkte in den fünf CEE-Kernländern konnten im Vergleich zum Vorjahr deutlich zulegen. Das Investmentvolumen lag 2018 in diesem Segment um rund ein Drittel höher als 2017.

Österreichische Unternehmen hatten daran einen gewissen Anteil. Die CA Immo hat beispielsweise im Vorjahr in der polnischen Hauptstadt Warschau den Bauteil C des "Warsaw Spire"-Komplexes mit einer vermietbaren Nutzfläche von 21.700 m² erworben. Und in der rumänischen Hauptstadt Bukarest erwarb man das neu errichtete Bürogebäude "Campus 6.1" mit einer vermietbaren Nutzfläche von 22.700 m². In Prag kaufte man schließlich auch das Bürogebäude "Visionary" mit einer vermietbaren Nutzfläche von 26.200 m².

In der tschechischen Metropole hat kürzlich auch die Immofinanz zugeschlagen und ihre Anteile an der City-Immobilie "Na príkope 14" ("Am Graben 14") von 50 auf 100 Prozent aufgestockt. Unweit davon revitalisiert die S+B Gruppe gerade ein historisches Objekt. Und im vierten Prager Bezirk hat S+B soeben die Bürogebäude "Trimaran" und "Element" fertiggestellt und für 110 Millionen Euro an die Allianz verkauft.

Immofinanz setzt auf Retail

Die Immofinanz hat ihre Büromarke Myhive unterdessen auch auf Objekte in Warschau, Bukarest und Bratislava ausgerollt. Und auch im Retail-Segment war der börsennotierte Konzern zuletzt aktiv. Im November wurden acht vollvermietete Fachmarktzentren in Slowenien, Serbien und Kroatien um 90,5 Millionen Euro erworben und in die hauseigene Marke Stop Shop eingegliedert. 80 Standorte des Konzepts hält man derzeit, mit weiteren Zukäufen sowie Eigendevelopments (aktuell in Polen und Serbien) will man auf 100 Standorte kommen.

Auch bei der CA Immo befinden sich schon wieder mehr als 40 Prozent des Immobilienvermögens (nach Portfoliowert) in Osteuropa. Vor allem in den Kernstädten Budapest, Bukarest, Prag und Warschau will man das Portfolio noch ausbauen. Gleichzeitig setzt man auf eine langfristige Steigerung der Mieteinnahmen. In Tschechien und Polen meldet man mit Vermietungsquoten von 99 bzw. 96 Prozent de facto eine Vollauslastung des Portfolios.

In Bukarest hat die CA Immo zuletzt auch selbst gebaut. Ende 2018 stellte sie das Büroprojekt "Orhideea Towers" mit rund 36.800 m² vermietbarer Nutzfläche fertig und übernahm es in den eigenen Bestand. Seit November sind die beiden Türme zu 90 Prozent vermietet. Das Investitionsvolumen lag bei rund 74 Millionen Euro.

Moderne Boutiquebüros

Und auch die s Immo setzt auf Entwicklungen in den boomenden Märkten. Das Unternehmen gab jüngst bekannt, zwei Liegenschaften in Budapest und in Bukarest erworben zu haben. In Budapest befindet sich auf der gekauften Liegenschaft in der Topbürolage Váci út noch eine Bestandsimmobilie. Diese soll abgerissen werden. Ab dem Frühjahr 2021 soll an dem Standort ein modernes Bürogebäude mit einer Gesamtfläche von rund 30.000 m² entstehen.

In Bukarest kaufte man ein kleineres unbebautes Grundstück in zentraler innerstädtischer Lage in der Calea Doroban?i. Das österreichische Unternehmen plant, dort nun moderne Boutiquebüros mit einer Gesamtfläche von rund 5000 m² zu entwickeln. Der Baustart für dieses Projekt ist ebenfalls für 2021 angesetzt. Das Portfolio der s Immo AG erweitert sich damit um potenzielle 35.000 m² Bruttogeschoßfläche. (Martin Putschögl, 8.3.2019)